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Mobilität von morgen : So werden wir uns künftig in der Stadt bewegen!

Allerdings wird das Rad vor allem auf kurzen Strecken genutzt. So kommt es, dass viele Wege zwar mit dem Rad erledigt werden, sein Anteil an den zurückgelegten Strecken in den Metropolen aber trotz Verdoppelung in den vergangenen 15 Jahren erst bei fünf Prozent liegt, während das Auto eben rund 50 Prozent erreicht. Die Hoffnungen liegen auf Elektrorädern, die auch mittlere Distanzen in akzeptabler Zeit bewältigen können. Aber im Winter und bei schlechtem Wetter lassen immer noch viele Radler ihr Gefährt zu Hause.

Der einzig ernstzunehmende Konkurrent zum Auto bleibt da der öffentliche Nahverkehr. Er wird auch für längere Strecken in der Stadt und aus dem Umland genutzt. Er benötigt viel weniger Platz als das Auto, und die Bahnen fahren ökologischer mit Strom. Um einen Ausbau kommen die Städte nicht herum. Allerdings dauern Planung und Bau neuer Gleise Jahrzehnte und sind teuer. Daher feiert die lange vernachlässigte Straßenbahn überall eine Renaissance. Sie lässt sich schneller und günstiger ausbauen als eine U-Bahn. Noch rascher geht es, auf den vorhandenen Strecken die Taktung zu vergrößern, also mehr Züge fahren zu lassen.

Digitalisierung soll Fahrkartenkauf einfacher machen

Von kostenlosem Nahverkehr raten hingegen die Experten fast einhellig ab, auch wenn das in Städten wie im estnischen Tallinn mehr Fahrgäste gebracht hat. Denn dann fehle Geld für den Ausbau. „Zudem würden dann in Spitzenzeiten, wenn die Züge eh schon randvoll sind, noch mehr Menschen fahren wollen“, warnt Sebastian Bührmann vom Deutschen Institut für Urbanistik. „Die Bürger sind bereit, für den Nahverkehr zu zahlen, wenn es ein fairer Preis ist.“ Es gibt andere Gründe, warum sie die Züge und Busse manchmal meiden. Zum Beispiel überfüllte und unpünktliche Züge, zu geringe Taktung, die lange Wartezeiten provoziert, mangelnde Sicherheit am Abend, zu große Distanz zum nächsten Bahnhof, komplizierte Tickets.

Hier soll die Digitalisierung helfen. Künftig soll sich der Fahrgast keine Gedanken mehr über Tarifzonen machen und Kleingeld in den Fahrkartenautomaten werfen müssen. Er zahlt mit dem Smartphone beim Verlassen des Bahnhofs, den Preis ermittelt die App. Solche elektronischen Tickets gibt es schon in vielen Verkehrsverbünden, aber die Preise lassen sich noch feiner differenzieren. Man könnte sie zum Beispiel in den Nebenzeiten senken, in denen viele Bahnen halbleer herumfahren. Man könnte auch für kurze und damit attraktive Fahrzeiten mehr verlangen als für die langsamen Busse, Vielfahrer könnten Rabatt bekommen.

Die Digitalisierung eröffnet aber noch viel mehr Möglichkeiten. So werden schon autonom fahrende Kleinbusse auf öffentlichen Straßen getestet, zum Beispiel seit einem halben Jahr in der bayerischen Kleinstadt Bad Birnbach. Ziel ist, Busse künftig nicht mehr auf einem starren, immer gleichen Weg zur stets gleichen Zeit fahren zu lassen, sondern abhängig davon, wo und wann gerade Fahrgäste zusteigen wollen. Die haben ihre Wünsche vorher per App angemeldet. Der Algorithmus errechnet dann einen idealen Weg, der möglichst viele Menschen mitnimmt. Das senkt die Kosten für den Betreiber und erreicht mehr Fahrgäste, gerade in Stadtrandgebieten.

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Digitalisierung ermöglicht auch die Vernetzung der Verkehrsmittel. Denn die Frage ist oft nicht: Auto, Rad oder S-Bahn? Sondern alles zusammen. Mit dem Auto zum Bahnhof, von dort mit der S-Bahn in die Innenstadt und dann die letzten Meter mit dem Leihrad weiter. Moderne Apps zeigen an, welche Kombination von Verkehrsmitteln die schnellste ist, und bieten im Idealfall gleich noch ein gemeinsames Ticket an. Bezahlt wird am Monatsende über eine automatische Abbuchung vom Konto. Hat die S-Bahn Verspätung und wird dadurch ein Anschluss verpasst, schlägt die App schnellere Alternativen vor, die alle Verkehrsmittel miteinbeziehen, zum Beispiel mit dem Leihrad zur S-Bahn-

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