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Zusatzleistungen : Wenn das Girokonto den Schuhkauf billiger macht

  • -Aktualisiert am

Das Konto wird häufig teurer, dafür gibt es beim Zahlen mit der Girokarte manchmal Rabatt. Bild: Robert Kneschke

Mit Zusatzleistungen versuchen Sparkassen und VR-Banken, Kunden zu locken und höhere Gebühren durchzusetzen. Verbraucherzentralen sehen den Gebührendschungel rund um die Mehrwertkonten hingegen kritisch.

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          Für zusätzlichen Umsatz und Kundenbindung machen Unternehmen einiges. Der Tankwart verkauft nebenher Brötchen. Banken und Sparkassen haben noch viel mehr im Angebot. Über das Girokonto hinaus bieten sie seit mehr als zehn Jahren verbilligte Eintrittskarten für Konzerte oder in den Zoo, Versicherungen oder auch Rabatte für das Online-Shopping. Die Rede ist von den Mehrwertkonten, die über die banküblichen Dienstleistungen hinaus entsprechende Zusatzdienste offerieren.

          Bei der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen nennt sich das Angebot Giroplus-Konto. Im Oktober flatterte den entsprechenden 42 000 Konteninhabern ein Schreiben mit einer Ankündigung über eine saftige Gebührenerhöhung ins Haus. Ab Januar beträgt der monatliche Festpreis 7,90 Euro anstatt bisher 6,90 Euro. Die Entgelte waren fast neun Jahre unverändert. Das Werbeschreiben begründete die Erhöhung nicht etwa mit gestiegenen Kosten, sondern sprach von „weiterentwickelten Leistungen“. Geworben wird mit „Sofortrabatten bei namhaften Online-Shops“ wie Zalando, Otto oder Tchibo. „Wählen Sie aus Top-Angeboten von mehr als 1000 Herstellern und kommen Sie in den Genuss exklusiver Aktionen und Geld-zurück-Vorteile“, heißt es weiter. Das sorgte bei manchen Kunden für Unmut. Auch innerhalb der Bank wurde das Vorgehen hinter vorgehaltener Hand kritisch kommentiert.

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          Auf Anfrage teilte die Bank nun mit: „Vor dem Hintergrund des langen Zeitraums, in welchen die Preise nicht verändert wurden, war die Preiserhöhung für die meisten Kunden nachvollziehbar. Viele Gespräche wurden genutzt, um gemeinsam mit dem Kunden zu prüfen, ob das vorhandene Kontomodell dem individuellen Bedarf Rechnung trägt.“ Wie hoch die Rabatte für die Bankkunden ausfallen, kann die Kreissparkasse noch nicht beziffern, „da das Shoppingportal derzeit aufgebaut wird“. Von April an sollen auch regionale Händler mit aufgenommen werden. Jede der 413 Sparkassen in Deutschland kann selbst entscheiden, ob sie solche Kontenmodelle anbietet oder nicht, erläuterte ein Verbandssprecher. Ähnlich auch die Situation bei den Volks- und Raiffeisenbank in Baden-Württemberg. „Zusatzleistungen spielen eine große Rolle“, sagte Thomas Hagenbucher vom Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband. Von den 205 Instituten im Land würden 90 Prozent bei der VR Bank Card Plus mitmachen. Einige Institute hätten auch eine eigene Mehrwertstrategie. Die Mehrwertstrategie ist die Antwort auf die Kostenloskultur, auf die vor allem die Online-Banken, die ungeliebten Konkurrenten der Sparkassen und Genossenschaftsbanken, setzen.

          Der Bankenreferent vom Verbraucherzentralen Bundesverband, Frank-Christian Pauli, äußerte sich kritisch zu den Mehrwertkonten. „Es wird versucht, über die Mehrwertdienste vom Preis abzulenken.“ Es sei schwierig, einzuschätzen, ob sich die Zusatzleistungen rentierten. Eigentlich sollten die Kontodienstleistungen im Mittelpunkt stehen. Der Verbraucherschützer setzt in Sachen Durchschaubarkeit des Gebührendschungels auf die EU-Zahlungskontenrichtlinie. Dadurch müssten die Institute künftig transparenter werden. Die Richtlinie wird gerade in deutsches Recht umgesetzt. So werden die Geldhäuser künftig gezwungen, die Kunden vor und während der Vertragslaufzeit über die Entgelte für die Kontoführung zu informieren, etwa in einer jährlichen Kostenaufstellung. Außerdem ist die Einrichtung von Websites vorgesehen, auf denen die Verbraucher Vergleiche anstellen können.

          Für den Kontowechsel ist geplant, dass die alte und die neue Bank zur Zusammenarbeit gezwungen werden, etwa bei der Übertragung von Daueraufträgen. Außerdem muss der Wechsel künftig binnen zwölf Geschäftstagen über die Bühne gehen. Finanzexperten sehen trotz der oftmals vielen angebotenen Extras einen Nachteil: Ein Verbraucher hat praktisch keine Möglichkeit, die Zusatzleistungen sich höchst individuell zusammenzustellen. Ein betroffener Kunde der Kreisparkasse Esslingen-Nürtingen kommentierte das Verhalten der Bank folgendermaßen: Wer Verbrauchern eine Gebührenerhöhung frech unterjubele und auch noch behaupte, damit sei für sie ein super Mehrwert verbunden, der sei unaufrichtig und der müsse seine Kunden für ziemlich dumm halten.

          Sparkassenverband wegen Werbung abgemahnt

          Die deutschen Sparkassen wandeln auf einem schmalen Grat, wenn sie Gutscheinaktionen rund um Konten und Kreditkarten veranstalten. Im Herbst verstießen sie offenkundig gegen Wettbewerbsrecht und mussten sich Irreführung der Verbraucher vorwerfen lassen. „Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) wurde wegen einer Werbeaktion zur Kreditkartenförderung abgemahnt, die über die S Direkt-Marketing den Sparkassen angeboten worden war“, gibt ein DSGV-Sprecher zu. Die Sparkassen waren im Herbst in Verzug, als andere Banken schon den Online-Kontobezahldienst Paydirekt einzuführen begannen. Vielleicht deshalb wollten sie das Bezahlen mit der Kreditkarte online besonders fördern. Zumindest lockten Sparkassen Kunden im Internet mit Gutscheinen für bis zu 30 Euro, wenn sie Kreditkartenzahlungen im Online-Buchladen Buecher.de tätigten. Doch die zentral verantwortliche S Direkt-Marketing GmbH & Co.KG, ein Unternehmen, das der Sparkassenfinanzgruppe gehört, informierte über die Aktion nur unvollständig. Der Gutschein könne nicht für preisgebundene Bücher eingelöst werden, hieß es in der Werbung vage. Nötig aber wäre gewesen, darauf hinzuweisen, dass damit rund 95 Prozent des gesamten Buchangebots von der Aktion ausgeschlossen sind. Deshalb wurde der DSGV mit seinem Präsidenten Georg Fahrenschon und seinem Stellvertreter Karl-Peter Schackmann-Fallis an der Spitze abgemahnt. Der Branchendienst Bankintern berichtet, ihm liege „die von Georg Fahrenschon und Dr. Karl-Peter Schackmann-Fallis höchstpersönlich unterschriebene ,Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung’ vom 28./29.Sept. 2015 vor“. Der DSGV bestreitet seine Verantwortung für die missglückte Werbung nicht. „Der DSGV hat vorsorglich eine Unterlassungserklärung unterzeichnet, da er im Impressum als Verantwortlicher genannt wurde. Die beteiligten Sparkassen haben die Werbeaktion nach unserer Information bereits zum 24. September vorzeitig beendet“, sagt der DSGV-Sprecher. ham.

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