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Milch-Test : Die Milch macht’s!

  • -Aktualisiert am

Ein Glas Milch pro Tag empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung für Erwachsene. Bild: Jerzyworks / Radius Images

Milch ist so billig wie nie. Aber welche schmeckt am besten? Und welche ist am gesündesten? Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hat Milch getestet – und Überraschendes herausgefunden.

          Milch ist billig, so billig wie nie. Im Supermarkt gibt es einen Liter frische Vollmilch jetzt schon für 46 Cent. Das ist schön für die Verbraucher, die beim Einkaufen sparen wollen. Aber viele Bauern geben auf, weil sie inzwischen mit jedem Liter Milch, den sie in der Molkerei abliefern, Verlust machen. Auf 19 Cent je Liter ist der Abnahmepreis in manchen Gegenden gefallen. Soll die Politik die Bauern nun mit Subventionen retten? Oder handeln Aldi und Rewe unmoralisch, treiben sie die Bauern mit ihrer Marktmacht in den Ruin? Welche Milch ist gut, welche böse?

          Höchste Zeit für den Milch-Test der F.A.S. Die Auswahl an der Kühltheke ist groß: Von der Discounter-Eigenmarke bis zur Biomilch „von Kühen mit Hörnern“, für die der Demeter-Verband wirbt. Vom Karton für 46 Cent bis zur Glasflasche, die mehr als das Dreifache kostet. Wir wollten wissen, welche Milch ihr Geld wert ist. Und welche am besten schmeckt. Dafür haben wir acht verschiedene Milch-Marken antreten lassen, zur besseren Vergleichbarkeit jeweils frische Vollmilch – deutlich vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums. Der von Veganern geschätzte Milchersatz aus Hafer oder Soja blieb außen vor, unsere Milch kommt von der Kuh.

          Der Exot im Klassement ist die hauseigene Rohmilch vom Dottenfelderhof im hessischen Bad Vilbel, die vor dem Verkauf weder wärmebehandelt noch homogenisiert wurde. Den Gegenpol dazu bilden die Hausmarken „Milfina“ von Aldi-Süd und „Ja!“ von Rewe. Beide Ketten sind außerdem mit ihren Bio-Hausmarken vertreten. Und weil Bio-Milch immer beliebter wird, haben wir auch noch die Hausmarke der großen Biolebensmittelkette Alnatura sowie die Vollmilch der Biomolkerei Berchtesgadener Land sowie die Demeter-Milch der Molkerei in Schrozberg aus einer Flasche in Retro-Optik getestet.

          Von „Stückchen“ in der Milch überrascht

          Welche Milch macht’s nun? Das Testergebnis ist eindeutig: Die ganz gewöhnliche Aldi-Milch, laut Packungsangabe hergestellt von der Hochland-Molkerei, einer der größten in Deutschland, bietet nach dem Urteil unserer Tester und den Ergebnissen einer Laboruntersuchung mit der Gesamtnote 1,5 das beste Preis-Geschmacks-Verhältnis. Und das nicht nur, weil sie unschlagbar günstig ist. In der Blindverkostung schmeckte sie auch mit Abstand am besten. Kurioserweise wurde dabei gerade die Industriemilch schlechthin mit Lob für ihren Duft nach Heu und Stall überschüttet.

          Am zweitbesten schmeckte den Testern die Biomilch aus dem Berchtesgadener Land („leicht nussiger Abgang“). Die Molkerei aus Oberbayern zahlt den Bauern nach eigenen Angaben mehr als jede andere in Deutschland, nämlich 36 Cent netto je Liter – mehr als doppelt so viel wie viele Aldi-Lieferanten. Wegen des höheren Preises landet die Milch aus dem Voralpenland in der Gesamtwertung hinter den beiden Rewe-Sorten. Abgeschlagen am Ende stehen die beiden teuersten, dem Versprechen der Hersteller zufolge auch natürlichsten Produkte – die Vollmilch der Schrozberger Molkerei und die Rohmilch direkt vom Bauernhof in Bad Vilbel. Sie konnten nicht mit einem Geschmacksvorteil punkten, im Gegenteil: Vom „herben Nachgeschmack“ und von „Stückchen“ in der Milch fühlten sich die Tester unangenehm überrascht.

          Wie kamen die Ergebnisse zustande? Jede Milchsorte rang unter den gleichen Umständen um den heißbegehrten Titel der besten Milch: Gekauft wurden die Tüten und Flaschen am Mittwoch, danach über Nacht im F.A.S.-Kühlschrank gelagert und am folgenden Vormittag verkostet. Um dem Aroma Gelegenheit zur Entfaltung zu geben, holten wir sie eine Stunde vor Test-Beginn aus dem Kühlschrank.

          Als Tester fungierten zwei Frauen und zwei Männer, die ihre Milch-Vorlieben vorher selbst sehr unterschiedlich dargestellt hatten. Verbindungen zur Milchbranche hat niemand von ihnen. Ausgeschenkt wurde die Milch dann in handelsübliche neutrale Gläser – und zwar selbstverständlich so, dass die vier Tester nicht erkennen konnten, welche Sorte sie jeweils vor sich hatten. Gleichzeitig ging eine zweite Charge der acht Test-Sorten an das Chemische Labor Dr. Mang in Frankfurt, das die Milch im Auftrag der F.A.S. auf gesundheitsgefährdende Keime und Rückstände von mehr als 400 verschiedenen Pestiziden untersuchte. Diesen auf 36 Stunden angelegten naturwissenschaftlichen Test-Teil bestanden alle Sorten mit Bravour. Weder Pestizide noch gefährliche Keime oder Legionellen ließen sich finden.

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