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Mobilitätsprämie : Lohnt sich jetzt ein E-Auto?

Auto, Quad oder was? Der Renault Twizzy Bild: dpa

4000 Euro gibt es jetzt als Prämie für Käufer von Elektroautos. Das klingt nach einem satten Zuschuss. Mancher liebäugelt nun mit einem E-Auto. Doch das kann trotzdem teuer sein.

          Ein Zuschuss von bis zu 4000 Euro für ein neues Elektroauto: So hat es die Bundesregierung vor. Da denkt der Autokäufer schon mal darüber nach, ob er künftig nicht mit Batterie unterwegs sein will. Aber Vorsicht. Günstig ist das E-Auto trotzdem nicht unbedingt.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Kauf eines Fahrzeugs ist natürlich stets eine individuelle Angelegenheit und bevor man eine Entscheidung trifft, sollte man für den eigenen Bedarf Alternativrechnungen aufstellen. Die kann leicht anders ausfallen als für andere Fahrer und auch für modellhafte Überschlagsrechnungen.

          Stellt man den Vergleich an, so ist man zunächst damit konfrontiert, dass es mitunter schwer ist, ein vergleichbares Fahrzeug zu finden - wie etwa für den Renault Twizzy. Im Falle dieses 1- oder 2-Sitzers sind sich noch nicht einmal die Versicherer einig, ob es sich überhaupt um ein Auto oder nicht doch nur um ein Quad handelt. Immerhin würde der Twizzy bei einem Listenpreis von rund 7000 Euro kaum noch etwas kosten – vorausgesetzt, Renault beteiligt sich noch an der Aktion.

          Doch beim Twizzy sind die 7000 Euro noch nicht alles. Einige Händler berechnen eine gesonderte Batteriemiete. Wer in vier Jahren jährlich 10.000 Kilometer zurücklegt muss da auf den Anschaffungspreis noch einmal 2880 Euro draufrechnen. Das hat allerdings den Vorteil, dass die Batterie bei Ausfall oder übermäßigem Kapazitätsverlust während der Vertragslaufzeit ersetzt werden kann.

          E-Autos werden nicht unbedingt 4000 Euro billiger

          Trotzdem sind Elektroautos derzeit noch immer nicht wirtschaftlich. Das liegt schlicht am hohen Verkaufspreis. So kostet der VW E-Up 26.900 Euro, ein vergleichbarer konventioneller Up ist dagegen schon ab knapp 10.000 Euro zu haben. Selbst wenn man berücksichtigt, dass das E-Fahrzeug etwas besser ausgestattet ist, kostet es gut das Doppelte. Dieses Verhältnis gilt nicht nur für den VW Up, sondern auch etwa für den Renault Zoe im Vergleich zum ähnlich großen Clio.

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          Und Vorsicht: Dass jetzt ein Zuschuss von 4000 Euro winkt, heißt nicht, dass das Auto tatsächlich 4000 Euro billiger wird. Immerhin kommen nur 2000 Euro vom Staat, die restlichen 2000 Euro muss der Autoverkäufer abziehen – und zwar von einem Preis, den er selbst setzt. Ob der Listenpreis der E-Autos dann 2000 Euro nach oben geht? Oder der Händler sich 2000 Euro Rabatt weniger abverhandeln lässt? All das ist noch nicht klar.

          Sicher ist: Bei der Anschaffung bleiben Mehrkosten, die man anderenorts nicht einspart, schon gar nicht beim Verbrauch. Beim aktuellen Strom- und Spritpreis kosten 40.000 Kilometer mit dem E-Up ungefähr 1350 Euro, mit dem Superbenziner etwa 2300 Euro. Das macht immerhin einen Tausender weniger. Entscheidet man sich dagegen für einen Renault Clio Diesel statt des Zoe, so ist der Diesel sogar billiger. Bei der Versicherung gibt es in den Kosten (Rechenbeispiel Kreis Mainz-Bingen, zwei ältere verheiratete Fahrer, SF7, VK 300 Euro SB mit TK 140 Euro SB) kaum einen Unterschied. Der Up-Benziner ist sogar billiger als die E-Variante.

          10.000 Euro und höhere Mehrkosten

          Sparen kann man bei Inspektionen, die für E-Autos billiger sind. Und vor allem bei der Kfz-Steuer, die für E-Autos bis 2021 ganz entfällt. Aber das macht bestenfalls einen mittleren dreistelligen Betrag pro Jahr aus. Unter dem Strich sind E-Autos in der Regel mehr als 10.000 Euro teurer als vergleichbare konventionelle Variante, vielleicht mit Ausnahme der Mercedes B-Klasse 250, wo der Preis-Unterschied rund 6000 Euro beträgt.

          Insofern kann die am Mittwoch verabschiedete Prämie die Mehrausgaben fürs Elektrofahren höchstens begrenzen. Lohnt sich das? Immerhin muss auch der verbrauchte Strom irgendwie produziert werden, auch die Akkus haben nur eine begrenzte Lebensdauer – vor allem wenn man den Schnelllademechanismus nutzen will, der eine 80-Prozent-Ladung in weniger als einer Stunde gewährleistet. Eine Standardladung dauert dagegen je nach Fahrzeug dreieinhalb bis 32 Stunden.

          Zudem haben E-Autos ihre eigenen Probleme, etwa mit Temperaturen. Hinzu kommen die schlechteren Betankungsmöglichkeiten: Zwar gibt es etwa 9000 Stromtankstellen in Deutschland. Doch öffentliche Ladestellen sind bisweilen zugeparkt oder defekt, zuhause gibt es mitunter hohe Ladeverluste, Probleme mit nicht-passenden Steckdosen, die ohnehin von einem Elektriker überprüft und am besten zertifiziert werden sollten. Es gibt daher wohl auch noch einige andere Probleme zu überwinden als die fehlende Wirtschaftlichkeit, um der Elektromobilität zum Durchbruch zu verhelfen.

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