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Lust auf Live-Fußball : So teuer wird die Bundesliga

Die neue Bundesliga-Saison: Die Lust auf Live-Fußball hat ihren Preis. Bild: dpa

Wenn nächste Woche die neue Bundesliga-Saison beginnt, brauchen Fußballfans ein neues Abo, um alle Ligaspiele live zu sehen. Der Live-Fußball hat seinen Preis.

          Die Fußball-Bundesliga steht vor einer besonderen Saison. Wenn am Freitag nächster Woche der FC Bayern München die neue Spielzeit gegen Hertha BSC eröffnet, muss sich der Meister auf einen harten Zweikampf gefasst machen. Borussia Dortmund hat die Zurückhaltung vergangener Jahre aufgegeben und nun angekündigt, den Titel holen zu wollen. Dafür hat der BVB personell mächtig aufgerüstet.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auch abseits des Fußballplatzes, dort, wo die Fernsehkameras stehen und die Sportreporter arbeiten, kommt es von dieser Saison an zu einem neuen Zweikampf. Der Bezahlsender Sky, langjähriger Platzhirsch und damit so etwas wie der FC Bayern des Bundesliga-Fernsehens, hat es jetzt auch mit einem Herausforderer zu tun, der aufmuckt. Sky wird wie gewohnt 266 Erstligaspiele live übertragen, doch die restlichen vierzig Partien hat sich der Streaminganbieter DAZN von Eurosport gesichert. Dazu kommen die vier Relegationsspiele zwischen Bundesliga und zweiter Liga sowie zweiter und dritter Liga. Man darf also gespannt sein, wie sich die Herausforderer Dortmund und DAZN schlagen.

          Für den eingefleischten Fan, der von Fußball nicht genug bekommen kann, ist der Einstieg von DAZN zunächst ein Vorteil. In der vergangenen Saison teilte sich Sky mit Eurosport die Live-Spiele der Bundesliga und mit DAZN die Champions-League-Übertragungen. Außerdem hielt DAZN die Exklusivrechte an der Europa League. Das heißt, der deutsche Hardcore-Fan benötigte drei Abos, um möglichst viel Fußball zu schauen.

          Nun braucht er nur noch zwei. Die 60 Euro im Jahr, die bisher für den Eurosport-Player anfielen, könnte sich der Fußballfan sparen. Dagegen hat DAZN, das sich als „Netflix des Sports“ bezeichnet, den monatlichen Abopreis erhöht, um zwei Euro auf 11,99 Euro. Den gewohnten Preis zahlt, wer einen Einjahresvertrag abschließt (für 119,99 Euro).

          Die Lust auf Live-Fußball hat ihren Preis

          Die Bundesliga wie bisher verfolgen kann, wer den Eurosport-Player über HD+ oder Amazon Prime gebucht hat. Im frei empfangbaren Fernsehen sind weiterhin kaum Live-Spiele zu sehen: nur noch die beiden Auftaktbegegnungen der Hin- und Rückrunde und zehn DFB-Pokalspiele bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten sowie einige Europa-League-Spiele auf Nitro.

          Die Lust auf Live-Fußball hat ihren Preis. Mehr als 100 Euro im Monat kommen zusammen: 50 Euro kostet regulär das Bundesliga-Paket von Sky, zusätzlich 40 Euro das Sportpaket mit Champions League, DFB-Pokal und Wettbewerben anderer Sportarten, zwölf Euro werden fürs DAZN-Abo fällig. Neukunden haben es besser: Sky gewährt ihnen hohe Rabatte. Für alle Live-Angebote von Sky und DAZN zusammen bezahlt ein Neukunde, der sich für ein Jahr bindet, rund 50 Euro im Monat (siehe Tabelle).

          Der deutsche Fußballfan wird sich recht schnell an die neuen Verhältnisse gewöhnen. Dass er wenig Grund zum Klagen hat, zeigt ein Blick nach England. Im hochgelobten Mutterland des Fußballs bezahlen die Fans mehr Geld und gucken trotzdem oft frustriert in die Röhre. Obwohl neben Sky und BT Sport mit Amazon ein dritter Anbieter ins Spiel kommt, werden längst nicht alle Ligaspiele übertragen wie in Deutschland. Nur 168 der 380 Premier-League-Spiele – also nicht einmal die Hälfte – sind live zu sehen. Das führt zu der kuriosen Situation, dass ein deutscher Sky-Kunde, der das Sportpaket bucht, mehr von der Premier League sehen kann als ein Fan auf der britischen Insel – nämlich 232 Live-Spiele.

          Englands Fußball-Fans zahlen mehr

          Ein Grund für die englische Beschränkung ist eine alte Regel, wonach samstags zwischen viertel vor drei und viertel nach fünf keine Fußballspiele direkt im Fernsehen gezeigt werden dürfen. Die Fans sollten stattdessen ins Stadion gehen. Die Regel führt dazu, dass fast ausschließlich Spiele der wichtigsten Klubs aus Manchester, London und Liverpool übertragen werden. Trotzdem sind die Abos für die Premier League insgesamt teurer als in Deutschland: Wer Sky, BT Sport und Amazon nutzt, bezahlt als Neukunde umgerechnet 85 Euro im Monat.

          DAZN hat die deutschen Übertragungsrechte für die englische Premier League an Sky verloren, was allgemein als Prestigeerfolg für den Bezahlsender angesehen wurde. Doch die Einschaltquoten sind hierzulande eher schwach, sagen Insider. Gut möglich, dass sich DAZN von den Premier-League-Rechten gerne getrennt hat, um an anderer Stelle stärker anzugreifen – zum Beispiel der Bundesliga.

          Das Bewerberfeld um die Fernsehrechte der nächsten Periode, die mit der Saison 2021/22 beginnt, sortiert sich in Deutschland gerade. „Der Wettbewerb wird durch die Streamingdienste angeheizt“, sagt Christoph Breuer, Professor für Sportmanagement an der Sporthochschule Köln.

          In der Branche wird davon ausgegangen, dass das Streaming in Zukunft eine viel größere Rolle spielen wird. Schon jetzt schaut laut einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom jeder fünfte deutsche Internetnutzer Sportereignisse über einen Streamingdienst. DAZN wird alles dafür tun, dass der Bundesliga-Einstieg erst der Anfang ist.

          Bundesliga-Tippspiel 2019/2020
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