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Transparenz beim Steak : Lidl führt Fleisch-Ampel ein

Eine Hähnchenbrust aus der „Stallhaltung Plus“: Mit dem neuen Label will Lidl nach eigenen Angaben ein Umdenken beim Konsumenten bewirken. Bild: obs

Die Discount-Kette Lidl zeichnet Frischfleisch mit einem „Haltungskompass“ aus. Verbraucherschützer sehen das kritisch.

          Innerhalb der nächsten zwei Jahre soll ein staatliches Label für Fleisch geschaffen werden, das zeigt, wie Tiere gehalten werden. So sieht es der Koalitionsvertrag vor. Die Discount-Kette Lidl kommt einer solchen gesetzlichen Regelung jetzt zuvor. In dieser Woche beginnt das Unternehmen in seinen 3200 Filialen in Deutschland, alles Frischfleisch mit einem „Haltungskompass“ auszuzeichnen. „Wir wollen unsere Kunden dabei unterstützen, eine bewusste Kaufentscheidung für eine tierwohlgerechtere Haltung zu treffen“, erklärt Jan Bock, Einkaufs-Geschäftsleiter von Lidl Deutschland.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Der Haltungskompass von Lidl unterschiedet vier Stufen, wobei die Stufe 1 – nämlich „Stallhaltung“ nach gesetzlichen Bestimmungen – nach der Erwartung von Lidl zum Auslaufmodell werden soll. Anfang 2019 sollen schon 50 Prozent, langfristig das komplette Frischfleisch-Sortiment mindestens auf Stufe 2 entfallen, genannt „Stallhaltung plus“, mit deutlich mehr Platz und Beschäftigungsmaterial als gesetzlich gefordert. Stufe 3 gibt es in der Variante „Tierwohl Plus“ mit noch mehr Platz für die Tiere. Wenn sie zudem noch „Außenklima“ haben (also zum Beispiel einen nach einer Seite offenen Stall), dann nennt sich die Stufe 3 „Außenklima“. Für noch höhere Tierwohlstandards gibt es Stufe 4 „Premium“, oder „Bio“, soweit die gesetzlichen Bestimmungen nach EU-Öko-Verordnung eingehalten werden.

          Transparenz soll Standards erhöhen

          Die Logik des Handelskonzerns: Durch die Transparenz könnten sich die Standards in ganz Deutschland sukzessive erhöhen. Dazu sei aber auch nötig, so heißt es bei Lidl, dass alle Teilnehmer der Lieferkette schrittweise eingebunden werden und nicht durch zu hohe Einstiegsstufen und hohe finanzielle Belastung von einer Weiterentwicklung ausgeschlossen werden. Und Lidl nimmt auch die Verbraucher in die Pflicht. Diese müssten „ihren Worten Taten folgen lassen und bewusst Fleisch aus einer tierwohlgerechteren Haltung durch ihr Einkaufsverhalten fördern.“

          Verbraucherzentralen und Umweltschützer warnen unterdessen vor Verwirrung durch neue Label für Fleisch. „Wir brauchen nun schnell ein staatliches Tierwohllabel“, fordert Sophie Herr vom Verbraucherzentralen-Bundesverband. Diskutiert wird über eine solche Kennzeichnung schon jahrelang. Seit 2015 gibt es die „Initiative Tierwohl“, die Landwirte für freiwillige Zusatzleistungen bezahlt, und zwar aus einem Fonds, in den Supermarktketten einzahlen. Durch das Vorpreschen von Lidl, einem der größten Fleischanbieter in Deutschland, dürfte der politische Druck steigen. So mahnt Matthias Miersch, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD, zur Eile bei der Umsetzung des staatlichen Tierwohllabels. „Die Landwirtschaftsministerin muss jetzt zügig eine für die Verbraucher nachvollziehbare und ambitionierte Kennzeichnung vorlegen“, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Es brauche dringend eine „einheitliche und verbindliche Kennzeichnung“ für artgerecht produziertes Fleisch.

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