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Bezahlverhalten : Im Supermarkt wird jetzt die Kreditkarte gezückt

Der Anteil des Bargeldumsatzes im Einzelhandel ging den Zahlen zufolge im vergangenen Jahr von 53,3 auf 52,4 Prozent zurück. Bild: Edgar R. Schoepal

Zum ersten Mal ist die Zahl der Menschen, die mit EC-Karte und Geheimzahl zahlen, nicht weiter gestiegen. Kreditkarten gewinnen Akzeptanz – zwei Entwicklungen sind wohl Ursache dafür.

          Das Bezahlverhalten von Kunden in Supermärkten und Discountern ändert sich in Deutschland gerade in einer bemerkenswerten Weise. Das Handelsinstitut EHI spricht in seiner jüngsten Veröffentlichung zum Bezahlen im deutschen Einzelhandel von einem „Favoritenwechsel“. Denn im vergangenen Jahr haben die Menschen weniger mit EC-Karte und Geheimzahl bezahlt als noch im Vorjahr. Es war das erste Mal seit der Einführung des Systems in den Jahren 1990/91, dass dieser Umsatz zurückgegangen ist.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Schaut man sich genauer an, womit die Verbraucher im stationären Einzelhandel bezahlen, dann fällt auf: Das Bezahlen mit Bargeld ist weiter leicht zurückgegangen, macht allerdings, nach Umsätzen gerechnet, immer noch etwas mehr als die Hälfte des Gesamtvolumens aus. Der Anteil des Bargeldumsatzes im Einzelhandel ging den Zahlen zufolge im vergangenen Jahr von 53,3 auf 52,4 Prozent zurück. Der Kartenumsatz stieg von 43,7 Prozent auf 44,5 Prozent. Der Rest zu 100 Prozent entfiel auf sonstige Zahlungsweisen.

          Allerdings gestalteten sich die Zuwächse im Bereich der Kartenzahlung auffällig anders als in den zurückliegenden Jahren. Konnte sonst immer das Bezahlen mit EC-Karte und Geheimzahl vom rückläufigen Bargeldverkehr profitieren, so war zuletzt der Anstieg der Umsätze der Kreditkarten besonders auffällig. Ihr Anteil ist im vergangenen Jahr von 5,3 auf 5,7 Prozent gestiegen – und nach dem ersten Quartal dieses Jahres rechnet das Handelsinstitut mit einem weiteren Anstieg im Gesamtjahr 2016 auf 6,2 Prozent. Zugenommen hat auch der Anteil des sogenannten Lastschriftverfahrens, also EC-Karte plus Unterschrift, um 0,8 Prozentpunkte auf 14,2 Prozent der Umsätze.

          Kreditkartenunternehmen bestätigten auf Anfrage diese Tendenz. „Die Akzeptanz von Visa-Karten in Deutschland ist im vergangenen Jahr stark gestiegen“, berichtete ein Visa-Sprecher. Die Zahl der Transaktionen mit Visa-Karten im deutschen Handel habe im vergangenen Jahr um 20 Prozent zugelegt, die Ausgaben mit Visa-Karten seien um 15 Prozent gewachsen. Die Umsätze bei Internetkäufen mit Visa-Karten verzeichneten demzufolge ein Plus von 16 Prozent.

          Zwei Regelungen als Ursache

          Vor allem zwei Entwicklungen sieht Horst Rüter von der EHI-Geschäftsleitung als Ursachen für diese Veränderung. Zum einen sind im vergangenen Jahr die Gebühren, die Kartengesellschaften für Zahlungen mit Kreditkarte und EC-Karte vom Handel nehmen, gedeckelt worden. Seit Dezember 2015 dürften diese sogenannten Interchangegebühren bei Kreditkarten maximal 0,3 Prozent des Kaufumsatzes betragen, bei Debit-Karten – dazu gehört die EC-Karte – maximal 0,2 Prozent. Das Bundeskartellamt hatte 2014 die festen Gebühren für die EC-Zahlung an den Handel gekippt, seither musste über die Gebühren verhandelt werden.

          Beide Regelungen haben offenbar dazu geführt, dass mehr Handelsunternehmen als früher jetzt beide Bezahlwege anbieten, weil die Kosten für sie niedriger sind. So akzeptieren Aldi Nord und Süd, Lidl, aber auch Media-Saturn jetzt flächendeckend auch Kreditkarten. „Das hat dazu geführt, dass immer mehr Leute dort mit Kreditkarte zahlen – und gerade die großen Discounter haben einen hohen Anteil am deutschen Handelsumsatz“, sagte Rüter. Er berichtet, die Discounter hätten entsprechende „Wanderungsbewegungen“ von der EC- zur Kreditkarte bestätigt.

          Zum anderen haben Handelsunternehmen und ihre Kartendienstleister zum Teil offenbar die Schwelle verschoben, bis zu der ein Kunde an der Kasse mit dem Lastschriftverfahren zahlen kann, und ab wo er die Geheimzahl eingeben muss. „Das erklärt die Zuwächse beim Lastschriftverfahren“, so Rüter. Zu erwähnen sei hier, dass mehrere Tankstellenketten vom System Girocard Electronic Cash (EC-Karte plus Geheimzahl) zum Lastschriftverfahren (EC-Karte plus Unterschrift) gewechselt seien. Nach Aral und BP sei „ein weiteres Schwergewicht des Tankstellenmarktes“ zum Lastschriftverfahren übergegangen – gemeint sind offenbar Jet und Star.

          Händler für Abschaffung von Ein- und Zwei-Cent-Münzen

          In den Umsatzzahlen des Forschungsinstituts sind dabei die Kraftstoffumsätze an den Tankstellen noch nicht einmal eingerechnet, sondern nur die Shopumsätze – sonst hätte diese Umstellung an den Tankstellen für die Gesamtzahlen noch mehr Gewicht. Nach Zahlen der Deutschen Kreditwirtschaft, in denen die kompletten Tankstellenumsätze enthalten sind, ist der Rückgang für die EC-Karte plus Geheimzahl sogar noch stärker gewesen und betrug 3,4 Prozent auf 137,6 Milliarden Euro im Jahr.

          Unterdessen sprach sich in einer Umfrage des Instituts unter Händlern eine Mehrheit für die Abschaffung von Ein- und Zwei-Cent-Münzen aus. Sie rechneten dadurch mit geringenen Kosten für den Handel, ein „vereinfachtes Handling an der Kasse“ mit einem „geringfügig schnelleren Bezahlvorgang“ und weniger Verwaltungsaufwand für sich selbst. Die große Mehrheit der Händler (68,5 Prozent) gibt zudem an, mit keinen negativen Auswirkungen durch eine gesetzliche Bargeldobergrenze zu rechnen. Hier gibt es allerdings offenbar erhebliche Unterschiede je nach Branche.

          Während die sogenannten Kleinbetragsbranchen, darunter fällt überwiegend auch der Lebensmitteleinzelhandel, eine Bargeldobergrenze als unkritisch ansehen, befürchten vor allem Möbel-, aber auch Textilhändler sowie Baumarktbetreiber erhebliche Nachteile bereits bei einer Obergrenze von 5000 Euro, in noch stärkerem Maße aber bei einem Bargeld-Limit von 1000 Euro. Nur eine Minderheit der Händler (4,5 Prozent) rechnet mit einer Eindämmung der Kriminalität durch ein Bargeld-Limit.

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