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Kreditkarten-Boom : Kreditkarten sind immer teuer und oft überflüssig

Nur im Urlaub praktisch: Kreditkarten Bild: dpa

In Deutschland wächst die Zahl der Kreditkarten stark. Davon profitieren die Banken und Kreditkartenanbieter. Aber viele Menschen brauchen die Karte gar nicht - und unterschätzen die anfallenden Kosten.

          3 Min.

          Der Kampf um die Kunden im Kreditkartenmarkt ist hart: Visa hat mehrere Millionen Dollar auf den Tisch geblättert, um zur Fußball-Weltmeisterschaft offizieller Partner der Fußballorganisation Fifa sein zu dürfen. Auf den Banden ist dort daher überall das Visa-Logo zu sehen, und es wurde auch ein aufwendiger Werbespot mit Sprintweltmeister Usain Bolt gedreht, der überall auf der Welt mit dem schicken Plastikkärtchen bezahlt. Diese Maßnahmen sind auch notwendig, denn mittlerweile ist der Markt fast übersättigt dank einer wahren Kreditkartenflut – allein seit dem Jahr 2007 wuchs die Anzahl solcher Karten um 20 Prozent. Insgesamt gibt es in Deutschland etwa 133 Millionen Bezahlkarten. Durchschnittlich besitzt also jeder Deutsche mehr als eine dieser Karten. Der Großteil sind die sogenannten Debitkarten, die bei uns unter dem Namen Girokarten geläufiger sind. Von ihnen gibt es rund 105 Millionen Stück. Die restlichen 28 Millionen sind Kreditkarten. Damit besitzt mittlerweile etwa jeder dritte Deutsche eine Kreditkarte.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Es gibt zwei Arten von Kreditkarten: Die sogenannte „unechte Kreditkarte“ ist nicht etwa gefälscht. Bei ihr werden alle Rechnungsbeträge während der Abrechnungsperiode zusammengerechnet. Am Ende des Zeitraums wird eine Rechnung erstellt, und der Karteninhaber begleicht die Summe auf einmal. Die Bank gewährt mit ihr quasi einen kurzfristigen Kredit, der aber sofort wieder abbezahlt werden muss. Von diesen gibt es rund 24 Millionen Stück in Deutschland.

          Viele Verbraucher verschulden sich doppelt

          Wesentlich gefährlicher für die Verbraucher sind allerdings die „echten Kreditkarten“. Denn diese geben dem Kunden auch einen richtigen Kredit mit unbegrenzter Laufzeit. Dieser hängt bei manchen Karten vom monatlichen Verdienst ab, bei anderen wird die Überziehungslinie nicht nachvollziehbar gezogen. Diesen Kredit muss der Karteninhaber nicht in einem Mal abbezahlen. Je nach Karte kann dann monatlich zum Beispiel eine feste Rate festgelegt werden oder ein fixer Betrag, um den Kredit zu bedienen. Immerhin 3,7 Millionen solcher Karten gibt es in Deutschland.

          Dabei sind diese „echten Kreditkarten“ in Deutschland eigentlich nicht vonnöten. Denn jede Bank hierzulande bietet ein Girokonto mit dem sogenannten Dispositionskredit an. Man darf also mehr Geld ausgeben als eigentlich auf dem Konto ist. Schon das sollte man nur in Ausnahmefällen machen. Mit einer echten Kreditkarte öffnet man aber eine zweite Kreditlinie, die auch bedient werden muss. Und genau das machen ganz oft Verbraucher, die sowieso schon überschuldet sind und kaum ihren Dispositionskredit bezahlen können. Verbraucherzentralen warnen regelmäßig vor diesen sogenannten „Revolving Credits“, diese seien der Einstieg in die Privatverschuldung. Und genau bei dieser Kreditlinie wird es für die Verbraucher teuer: In Höhe des in Anspruch genommenen Kredits werden auch Überziehungszinsen angerechnet. Diese liegen im marktüblichen Rahmen eines Dispo-Kredits. Schöpft man zum Beispiel die Überziehung der Kreditkarte von 5000 Euro komplett aus, fallen Überziehungszinsen in Höhe von 500 bis 800 Euro im Jahr an. Für Verbraucher ist ein Jahreskredit fast immer deutlich günstiger.

          Die Bank gewinnt immer

          Aber das sind nicht die einzigen Kosten, die auf die Kunden bei Kreditkarten zukommen können. Denn selbst wenn die Verbraucher brav jeden Monat ihre Rechnung vollständig bezahlen, kommen zusätzliche Lasten auf den Kunden zu. Je nach Bank und Kartenanbieter gibt es da unterschiedliche Geschäftsmodelle: Das einfachste Modell beinhaltet einfach eine jährliche Grundgebühr. Für einen Betrag zwischen 20 und 40 Euro jährlich erhält man eine Kreditkarte. Aber selbst dann kostet zum Beispiel das Abheben von Geld im In- oder Ausland noch eine Gebühr.

          Aber nicht nur dem Kunden selbst kommt eine Kreditkarte teuer zu stehen, auch Händler kostet der Einsatz der Plastikkarten Geld. Denn bei jedem Kauf fallen Gebühren für den Händler an, welche dieser dann direkt oder indirekt an seine Kunden weitergibt. Diese Gebühr liegt bei 3 bis 5 Prozent des Einkaufswertes sowie einer fixen Pauschale von 10 bis 25 Cent. Außerdem entstehen dem Anbieter monatliche Kosten durch die Bereitstellung der Terminals. Die Banken verdienen also doppelt: einerseits durch Zinsen und sonstige Kosten am Kunden; andererseits wenn mit der Kreditkarte irgendwo bezahlt wird. Quasi eine eierlegende Wollmilchsau. Egal, was der Kunde mit seiner Kreditkarte macht: Die Bank verdient Geld.

          Lohnenswert für den Auslandsaufenthalt

          Aber auch die Unternehmen, die mit den Banken kooperieren, um Kreditkarten anzubieten, gewinnen: Mit Treueprogrammen binden sie ihre Kunden durch Kreditkarten an sich. Zu guter Letzt profitieren natürlich auch die Anbieter wie Visa, Mastercard oder American Express. Ihre Aktienkurse haben sich in den vergangenen fünf Jahren mindestens verdreifacht und damit deutlich besser abgeschnitten als die großen Leitindizes.

          Lediglich im Urlaub kann eine Kreditkarte praktisch sein. Im Ausland sind unsere Debitkarten nicht so geläufig, Kreditkarten werden dagegen in fast jedem Land der Welt akzeptiert. Nach Eigenwerbung sind das bei Visa und Mastercard jeweils „mehr als 200 Länder“. Doch auch diese Leistung ist nicht kostenlos: Viele Banken berechnen auch dafür eine Gebühr, bei der Landesbank Berlin zum Beispiel 1,75 Prozent des Umsatzes – was am Ende des Urlaubs auch teuer sein kann. Auch beim Interneteinkauf ist eine Kreditkarte manchmal vonnöten, da manche Anbieter keine alternativen Zahlungsmethoden anbieten.

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