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Recycling : Biokapseln bitte nicht in die Biotonne!

Ergebnis des FAS-Tests: Kompostierbare Espressokapseln nach zwei Wochen in der Kompostieranlage Bild: Archiv

Kompostierbare Espresso-Kapseln sind bei Umweltbewussten der letzte Schrei. [...]

          4 Min.

          Was macht man mit seinen Espressokapseln, wenn auf die Verpackung eine grüne Banderole mit der Aufschrift „compostable“ gedruckt ist? Wenn darauf außerdem eine stilisierte Blume mit der Überschrift „OK compost“ und ein Keimlings-Logo mit der Unterschrift „compostable“ zu sehen sind?

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wenn daneben auch noch steht, die Kapsel sei samt Aromafolie ohne Aluminium aus biobasierten Rohstoffen hergestellt worden und daher laut DIN 13432 kompostierbar? Einfache Antwort: Man wirft sie reinen biobürgerlichen Gewissens zum Verrotten auf den Kompost. Und wenn man als Stadtbewohner keinen solchen hat: in die Biotonne.

          Genau das hat die F.A.S.-Redaktion zusammen mit dem Frankfurter Müllentsorger FES gemacht. So landeten drei Espressokapseln der Marke „Bonga Red Mountain“ vom deutschen Hersteller Original Food, der wegen seines Engagements für die Belange der Kaffeebauern im äthiopischen Bergregenwald gerade frisch mit dem Ehrenpreis der Hamburger Initiative für Menschenrechte ausgezeichnet wurde, im sogenannten Rottetunnel auf der großen Bioabfallbehandlungsanlage am Frankfurter Osthafen.

          Biokapsel besser in den Restmüll

          Dort wurden Temperatur und Luftdruck genau so eingestellt, wie es die Bundesgütegemeinschaft Kompost für solche Anlagen empfiehlt, es war also anfangs über 70 Grad Celsius warm, später sank die Temperatur auf frühsommerliche 20 Grad, und die richtige Mischung aus hilfreichen Würmern und Maden sorgte für die rasche Zersetzung von Essensresten und Gartenabfällen. Rund 60.000 Tonnen Kompost, als Dünger bei Landwirten und Gärtnern begehrt, stellt die FES hier im Jahr her, die Anlage zählt zu den größten im Land.

          Üblicherweise dauert es zwölf bis vierzehn Tage, dann ist aus dem Biomüll Kompost geworden. Die drei Espressokapseln allerdings sahen auch am fünfzehnten Tag noch fast genauso aus wie am ersten, wie unser Foto zeigt. Wer genau hinsieht, erkennt erste Spuren der Zersetzung. Aber von Kompost, wie ihn sich Landwirte und Gärtner wünschen, ist das noch sehr weit entfernt.

          Die laut grüner Werbebotschaft und Industrienorm 13432 kompostierbaren Kapseln werden vielmehr vor dem Verkauf als Fremdkörper aus dem Kompost ausgesiebt und kommen dann in die Müllverbrennungsanlage. Statt in der Biotonne wären sie also gleich besser im Restmüll aufgehoben gewesen.

          Feindbild Nespresso

          Was steckt dahinter? Hat der Hersteller, der es mit den Bergbauern in Äthiopien so gut meint, die Kunden in Deutschland angelogen? Florian Hammerstein, der Gründer und Geschäftsführer von Original Food, weist diesen Vorwurf weit von sich. Jahrelang habe er mit Wissenschaftlern und Zulieferern am richtigen Material getüftelt, um das für Espressokapseln nach dem Vorbild des Marktführers Nespresso übliche Aluminium mit einem Biokunststoff auf Milchsäurebasis zu ersetzen.

          Mit großem Aufwand seien außerdem die Innenströmungsverhältnisse in der Kapsel untersucht worden, um einen reißfesten, das Aroma bewahrenden Deckel aus Papier einsetzen zu können und so das begehrte DIN-Siegel für die „Verwertung von Verpackungen durch Kompostierung und biologischen Abbau“ zu erhalten.

          Der Siegeszug der vom Schweizer Nestlé-Konzern ersonnenen und von Hollywoodstar George Clooney beworbenen Nespresso-Kapseln ist ökologisch aufmerksamen Kaffeetrinkern schon lange ein Dorn im Auge, schließlich verschlingt die Aluminiumherstellung viel Energie, und zum Kompostieren eignet sich das Leichtmetall auch nicht.

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