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Leasing-Jeans : Mode zum Mieten

12.500 Jeans hat das Unternehmen Mud bisher an Kunden verleast. Bild: Mud Jeans

Leasen statt kaufen: Das geht jetzt auch für Jeans und Abendkleid. Hilft das gegen die Müllberge? Allein die Deutschen werfen jedes Jahr eine Million Tonnen Kleidung weg.

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          Eine Jeans ist eine Jeans - und kein Auto. Oder doch? Zumindest was die Anschaffung betrifft, probt ein Modemacher eine überraschende Parallele: Bei der holländischen Jeans-Marke „Mud“ können die Kunden ihre Jeans kaufen oder aber leasen, also auf Zeit mieten. Ganz wie im Autohaus, wo Leasing das Normalste der Welt ist. Etwa die Hälfte der Kunden entscheidet sich für den Autokauf, die andere für einen Leasing-Wagen.

          Bettina Weiguny

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Warum sollte das nicht auch in der Mode funktionieren?“ fragt der Textilunternehmer Bert van Son. Seine Kunden zahlen für ihre Leasing-Jeans jeden Monat 7,50 Euro. Nach einem Jahr können sie die Hose behalten oder zurückschicken. Dann bekommen sie 10 Euro Rabatt, wenn sie ein neues Modell bestellen. Egal, wie sie sich entscheiden, am Ende sollen sie die Jeans zurückgeben, damit die Holländer sie recyceln können.

          So spart der Kunde zwar kein Geld (ob gekauft oder geleast, die Mud-Jeans kostet etwa 100 Euro), aber er entlastet seinen Kleiderschrank, in dem sich häufig Unmengen alter Klamotten türmen. Und wer die Hose mietet, darf sich zu den Guten zählen. Schließlich tut er etwas für die Umwelt - und damit für das gute Gewissen: Wer nicht kauft, sondern least oder mietet, schont die Ressourcen, rettet das Klima, verkleinert die Müllberge, eines der Übel unserer Zeit.

          Eine LKW-Ladung Kleidung pro Sekunde landet im Müll

          Mode zum Mieten ist eine Antwort darauf, ein noch zarter Trend, auf dem Weg aus der Öko-Ecke in Richtung bürgerliche Klientel. Bert van Sons Leasing-Jeans sind nur ein Beispiel dafür, wie die Modebranche ihr grünes Herz entdeckt. Der Gegenentwurf zur Wegwerf-Mode von Primark & Co., wo Teenager tütenweise Billigklamotten kaufen, die sie nach zwei, drei Mal Tragen hinten im Schrank vergraben oder wegwerfen, weil ein neuer Look angesagt ist oder die lax zusammengeschusterten Teile auseinanderfallen.

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          So geht es nicht weiter, befand der Holländer van Son, der 30 Jahre lang in Europa und Asien in der Textilindustrie gearbeitet und so ziemlich alles gesehen hat, was seinem Empfinden nach dort schiefläuft. Unmengen Chemikalien sind zur Herstellung eines Kleidungsstücks nötig, zehn Prozent der weltweit eingesetzten Pestizide und ein Viertel der Insektizide gehen auf das Konto der Baumwoll-Produktion. Über den Verbrauch von Wasser darf ein Fashion-Freak gar nicht nachdenken (bis zu 10.000 Liter pro Jeans), auch die Arbeitsbedingungen in den allermeisten Fabriken sind hinreichend beklagt. Und dann erst der viele Müll!

          In jeder Sekunde am Tag wird eine LKW-Ladung Kleidung weggeworfen, das meiste davon ist wenige Wochen alt, ein Drittel sogar ungetragen. Allein in Deutschland laden jedes Jahr knapp eine Million Tonnen Shirts, Jacken und Hosen im Kleidercontainer - mit den unterschiedlichsten Destinationen, von der Kleiderkammer für Flüchtlinge bis zu den Second-Hand-Märkten in Afrika oder einer Müllkippe in Asien.

          Deutsche Recycling-Meister

          Im Alter von 50 Jahren hat Bert van Son deshalb beschlossen, seine Ersparnisse in den Aufbau eines Mode-Labels zu stecken, das alles anders macht. Das Versprechen an die Kunden: faire Arbeitsbedingungen und nachhaltiges Wirtschaften. Dazu gehört, dass die Firma Mud-Jeans ihre alten, getragenen Hosen zu neuen aufarbeitet. Ein Teil wird umdesignt zu „Vintage“-Jeans mit Rissen und Flicken. Der Großteil aber wird recycelt.

          In einer Fabrik in Spanien werden Knöpfe und Reißverschlüsse herausgetrennt, danach wird die gebrauchte Ware gehäckselt, in immer keinere Teile, bis nur noch die Baumwollfasern übrig sind. Aus diesen stellen die Holländer dann in einem Werk in Tunesien neue Jeans her, wobei sie allerdings mindestens 60 Prozent neue Bio-Baumwolle beimischen müssen, um die nötige Qualität zu erreichen. „Den Recycling-Anteil wollen wir weiter steigern“, sagt der Unternehmer, der in 28 Länder Europas und nach Australien liefert. Die meisten seiner Kunden kommen aber aus Deutschland: „Die Deutschen lieben die Jeans und die Idee hinter unserem Konzept.“

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