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Einkaufen vorm Take-off : Warum Flughafen-Shops die Bordkarte sehen wollen

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Ob der Einkauf im Duty-Free-Shop wirklich billiger war als in der Stadt? Bild: AP

Wer am Flughafen einkauft, soll seine Bordkarte vorzeigen. So spart der Händler oft Steuern, aber profitiert auch der Kunde?

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          Wer am Flughafen noch kurz vor der Heimreise günstig ein paar Mitbringsel einkaufen möchte, kennt das vielleicht: Im Flughafen-Shop muss man erst seine Bordkarte vorzeigen, bevor man bezahlen kann und Parfüm oder Zigaretten in die Tasche wandern dürfen. Wieso ist das so?

          Der Großteil der Läden am Flughafen kontrolliert die Bordkarte, um herauszufinden, ob die Passagiere ein Ziel außerhalb der EU ansteuern. Denn für Waren, die diese Fluggäste kaufen, müssen die Geschäftekeine Umsatzsteuer zahlen.

          Doch eine Recherche der britischen Zeitung The Independent ergab jetzt: Zumindest an Flughäfen in Großbritannien geben die Händler die Ersparnisse, die sie durch die umsatzsteuerfreie Ware erzielen, oft gar nicht an die Kunden weiter - während die Käufer oft denken, sie hätten ein steuerfreies Schnäppchen gemacht.

          So verlange Boots, ein britischer Laden für Gesundheits- und Pflegeprodukte, den gleichen Preis für alle Waren, egal ob am Flughafen oder in der Einkaufspassage in der Stadt. Eine Flasche Nivea Sun Spray koste zum Beispiel regulär 8 britische Pfund, 1,33 Pfund könne das Unternehmen an Umsatzsteuer zurückfordern, wenn es an einen Passagier verkauft wird, der außerhalb der EU reist. Doch anstatt den Preisnachlass an den Kunden weiterzugeben, streiche das Unternehmen die Differenz selbst ein. Andere Händler böten ihren Kunden zwar kleine Nachlässe, den größten Teil des Kuchens behalten sie laut Independent aber für sich.

          Die Frage, welche Güter am Flughafen billiger sind und welche nicht, wird seit Jahren immer wieder diskutiert. Ökonomen haben festgestellt, dass schon allein die Mieten, die die Flughäfen für die Ladenflächen verlangen, die Preise in die Höhe treiben. Klassische Duty-Free-Produkte wie Alkohol und Parfüm sind hinter den Sicherheitskontrollen trotzdem häufig günstiger, Reisebedarf wie Essen und Getränke nicht unbedingt.

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          Experten kritisieren, dass es sehr intransparent sei, wie sich die Preise in Flughafen-Shops zusammensetzen. Laut Händlern wie dem Unternehmen W.H. Smith sei es aber zu kompliziert, zwei Preise, einen mit und einen ohne Umsatzsteuer, für jedes Produkt einzeln auszuweisen. Dabei betonte ein Sprecher der britischen Steuerbehörde, Passagiere seien gar nicht gesetzlich dazu verpflichtet, ihre Bordkarte vorzuzeigen.

          Mit dieser Information im Hinterkopf, haben laut Independent nun tausende internationale Fluggäste einen Boykott gestartet. Die Reisenden weigern sich, ihre Bordkarten vorzuzeigen. So wollen sie die Händler unter Druck setzen, ihre Preisstrategie offenzulegen und die Waren mit zwei Preisschildern für EU und nicht EU-Kunden zu versehen. Ob der Aufstand der Passagiere etwas an der Preistransparenz ändern wird, bleibt dahin gestellt.

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