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Iran-Sanktionen : Immer neue Höchstpreise an den Tankstellen

Exporte von Iran nach Europa gehen auffällig stark zurück: Im Juli nur noch 410 000 Barrel Öl je Tag, statt 750 000 Barrel pro Tag im Vorjahr. Bild: Edgar Schoepal

Donald Trumps Iran-Sanktionen treiben den Ölpreis. Etliche Unternehmen ziehen sich aus Angst vor den Vereinigten Staaten bereits vorzeitig aus den Geschäften mit dem Iran zurück. Das bringt auch spürbare Folgen in Europa mit sich.

          Autofahrer müssen an der Tankstelle in letzter Zeit immer mehr für Benzin und Diesel zahlen. Die Preise für Kraftstoffe „steigen unaufhörlich“ meldet der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) in seiner wöchentlich Preisstatistik. Am Mittwoch wurde laut ADAC sogar ein neuer Jahreshöchststand erreicht: Super E10 kostete im Durchschnitt 1,494 Euro je Liter. Und für Diesel mussten Autofahrer 1,334 Euro je Liter zahlen. Das war noch mal mehr als in der Vorwoche. Man muss schon eine ganze Zeit zurückblicken, wann Kraftstoff zuletzt so teuer war – bis in die zweite Jahreshälfte 2014.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch der Preis von Heizöl eilt von Rekord zu Rekord; auch wenn das für Verbraucher in Deutschland im Moment nicht ganz so hart ist, weil man mitten im Sommer schließlich nicht unbedingt Heizöl kaufen muss. Eine Preisspitze von 77 Euro für 100 Liter war hier nach Angaben der Internetplattform Heizoel24.de bereits am Dienstag erreicht worden. Auch der Durchschnittswert für den Monat August stellte nach Angaben des Internetportals Check24 immerhin ein Vier-Jahres-Hoch dar.

          Unternehmen haben Angst vor den Vereinigten Staaten

          Hintergrund ist vor allem der Anstieg der Rohölpreise. Allerdings versuchen auch die Mineralölgesellschaften in solchen Zeiten laut ADAC ihre Marge auszuweiten, mit wechselndem Erfolg. Der Preis für Rohöl der Nordseesorte Brent war seit Mitte August von 71 auf knapp 78 Dollar je Barrel (Fass zu 159 Liter) gestiegen. Beim Wechselkurs zwischen Dollar und Euro, der bisweilen Ölpreisanstiege konterkarieren kann, gab es jedenfalls keine so starke gegenläufige Entwicklung. Öl-Fachleute wie Jan Edelmann von der HSH Nordbank rechnen nun damit, dass der Ölpreis zumindest die 80 Dollar in den kommenden Monaten wieder überschreiten dürfte. Vorübergehende Preisspitzen von 90 Dollar seien auch nicht mehr auszuschließen.

          Der entscheidende Faktor, der Öl, Benzin und Heizöl im Moment so teuer macht, sollen die Iran-Sanktionen sein, die der amerikanische Präsident Donald Trump wieder hat aufleben lassen. Der erste Teil der Sanktionen, der eigentlich die Öllieferungen noch nicht betreffen sollte, ist schon in Kraft. Der zweite Teil, der ausdrücklich die Ölbranche treffen soll, wird erst am 4. November in Kraft treten. Viele Unternehmen haben aber offenbar Angst vor den Vereinigten Staaten und befürchten Nachteile bei Dollar-Geschäften – und haben deshalb schon jetzt auch die Verbindungen zum iranischen Ölsektor eingestellt. Auf jeden Fall werden sowohl für die Ölförderung in Iran als auch für die Ölausfuhren von Iran in andere Länder schon sinkende Zahlen gemeldet. Der Informationsdienstleister Platts berichtet, Iran habe im August nur noch 1,9 Millionen Barrel Öl je Tag ausgeführt, im Juli seien es noch 2,3 Millionen Barrel je Tag gewesen und im Juni sogar noch 2,5 Millionen je Tag. „Da Iran Öl in Tanks auf dem Land und auf Schiffen gelagert hat, ist die Produktion bisher weniger stark gefallen als die Exporte“, sagt Giovanni Staunovo, Ölfachmann der Schweizer Großbank UBS.

          Das Verhältnis zu China

          Die Exporte von Iran nach Europa sind allerdings schon auffällig stark zurückgegangen. Im Juli sind im Durchschnitt nur 410000 Barrel Öl je Tag nach Europa ausgeführt worden. Im vorigen Jahr waren es noch durchschnittlich 750000 Barrel je Tag gewesen. „Die Sanktionen zeigen hier also schon Wirkung“, meint Ölanalyst Edelmann.

          Die Exporte von Iran nach Indien und China haben dagegen zuletzt zugenommen. Der Anstieg sei allerdings nicht besonders hoch gewesen, berichten die Analysten. Inwieweit China als Abnehmer von Öl aus Iran anstelle von Amerika einspringt, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie sich der Handelskonflikt mit den Vereinigten Staaten entwickelt. „Kommt es zu weiteren Importzöllen auf chinesische Güter, dürfte China entsprechend mehr iranisches Öl importieren“, sagte Analyst Edelmann. Entspanne sich dagegen das Verhältnis, dürfte China eher mehr amerikanisches Öl importieren und iranische Barrel reduzieren.

          Seit Anfang April hat der Handel von Öl in Chinas Währung Renminbi statt in Dollar deutlich zugenommen. Das könnte auf eine Umgehung der amerikanischen Sanktionen durch China hindeuten, hieß es. Das sei aber noch nicht richtig belegt.

          Versicherungen wenden sich von iranischen Importen ab

          Auch andere Länder wollen sich nicht unbedingt an die amerikanischen Sanktionen halten. Indien und Japan etwa redeten über Ausnahmen, sagte Analyst Staunovo, und auch die europäischen Regierungen wollten das Iran-Atomabkommen weiterbestehen sehen. „Nur sollte man bei europäischen Unternehmen, wie auch bei südkoreanischen und japanischen, in Erinnerung haben, dass diese auf keiner amerikanischen Sanktionsliste enden wollten, weil sie dann keine Zahlungen im Dollar-Finanzsystem tätigen können“, sagte Staunovo. „Das ist auch der Grund, warum die Exporte bereits am Fallen sind.“

          Zudem sind Versicherungen vielfach nicht mehr bereit, Öltanker mit iranischem Öl zu versichern. Deshalb müsse Iran zunehmend auf die eigene Flotte ausweichen, berichten die Analysten. Nach China und Indien werde bereits Öl von Iran mit iranischen Staatstankern geliefert. Vermutlich seien alle chinesischen und indischen Ölunternehmen mit Amerika-Engagement nicht mehr bereit, iranisches Öl zu importieren, meint Analyst Staunovo. Die anderen kauften aber offenbar noch weiter Öl: „Deshalb werden die iranische Ausfuhren nicht auf null fallen – aber der Rückgang von Exporten und Förderung dürfte wegen Europa, Japan und Südkorea dennoch deutlich ausfallen.“

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