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Autonomes Fahren : Selbst ist das Auto

Für den einzelnen Autobesitzer muss die neue Welt hingegen gar nicht teuer sein. Die Fahrassistenzpakete im neuen 7er BMW und in der neuen E-Klasse kosten zwischen 2500 und 3000 Euro und damit nicht viel mehr als heutige Assistenz-Ausstattungen. Der Parkpilot im neuen 7er ist schon für 550 Euro zu haben. Das Bestreben ist es, auch vollautomatische Anwendungen bezahlbar zu halten. „Mehrkosten von höchstens 5000 Euro wären ein gutes Ziel“, sagt Daimler-Entwickler Hafner. Schließlich sind die Sensoren, Kameras und Radare heute schon eingebaut, viel kommt auch künftig nicht mehr hinzu. Die Herausforderung sind die Algorithmen, die das Auto steuern.

So sitzen wir, wenn wir nicht mehr fahren: Die Konzeptstudie F015 von Mercedes
So sitzen wir, wenn wir nicht mehr fahren: Die Konzeptstudie F015 von Mercedes : Bild: Daimler

Eine Herausforderung werden auch die selbstfahrenden Autos selbst. In der Endphase der Automatisierung werden sie die Mobilität und die Gesellschaft völlig verändern. Alle können dann ein eigenes Auto nutzen: Blinde, Jugendliche, Hochbetagte, selbst Betrunkene müssten sich um Promillegrenzen nicht mehr scheren. Schließlich kümmert sich jetzt der Computer um die sichere Fahrt. Die Autofahrt wäre keine tote Zeit mehr. Man könnte sie zum Lesen, Entspannen oder Arbeiten nutzen. Das macht auch Fernpendeln attraktiver, die Wohnmodelle könnten sich ändern. Die Autohersteller müssen mehr auf die Gestaltung der Innenräume und die Bordunterhaltung achten. Daimler hat dazu ein Konzeptauto F015 entworfen. Dort sitzen sich die vier Mitfahrer gegenüber wie im Zug, abgewandt vom Lenkrad.

Und auch der Verkehr würde sich verändern. Er würde deutlich sicherer, schließlich entstehen 90 Prozent der Unfälle durch menschliches Versagen. Der Verkehr würde harmonischer fließen, die Straßen könnten mehr Autos aufnehmen, Autobahnen bis zu 80 Prozent mehr. Es gäbe weniger Staus. Parkhäuser sparten 30 Prozent Platz, weil die Parkbuchten kleiner dimensioniert werden können, weil die Fahrer schon vorher aussteigen.

Haftungsfragen müssen geklärt werden

Vorteile des autonomen Autozeitalters gibt es also genug. Technisch könnte alles viel schneller gehen. Doch es müssen noch viele Rechtsfragen geklärt und Gesetze geändert werden. Wer haftet, wenn etwas passiert? Braucht der Fahrer überhaupt noch einen Führerschein? Welche Anforderungen an den Fahrer bestehen dann noch? Sollte es trotz aller Technologie zu einem Unfall kommen, muss schließlich jemand ein Warndreieck aufstellen.

Der Rechtswissenschaftler Fabian Stancke von der Brunswick European Law School hat sich auf dieses Gebiet spezialisiert. „Es sind viele Fragen und viele Rechtsgebiete betroffen“, sagt er. Das macht die Sache kompliziert und zieht den Prozess, bis sich autonomes Fahren wirklich durchsetzt, in die Länge. Ist zum Beispiel ein Software-Fehler an einem Unfall schuld, käme die Produkthaftung zur Geltung. Das Gleiche gilt, wenn ein Sensor nicht funktioniert. „Schwierig wird es in der Übergangszeit der nur teilweise selbstfahrenden Autos, wenn nicht ganz klar ist, ob das Auto allein gefahren ist oder der Fahrer nicht doch eingegriffen hat.“ Bis heute gilt nämlich nach dem Wiener Übereinkommen über den Straßenverkehr von 1968, dass der Fahrer sein Auto unter allen Umständen jederzeit beherrschen muss. Erst 2014 passten die Vereinten Nationen die Vereinbarung an, die aber noch in nationales Recht umgesetzt werden muss. Nun ist nur noch wichtig, dass der Fahrer die Systeme zur Not stoppen kann. Aber unbeaufsichtigt kann das Auto nun immer noch nicht in den Verkehr entlassen werden.

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