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Autonomes Fahren : Selbst ist das Auto

Solche Übernahmen können manchmal nötig sein. Etwa, wenn der Stau sich auflöst. Denn der Staupilot fährt nur bis Tempo 60. Dann hat der Fahrer 15 Sekunden Zeit, um per Knopfdruck am Lenkrad wieder selbst die Kontrolle zu bekommen. Allerdings ist das nur ein Problem für eine Übergangszeit. Die Autohersteller erwarten, das schon etwa 2021 die Wagen auch die Autobahnfahrt bis 130 Stundenkilometer allein hinbekommen. Schneller geht es noch nicht, weil Radar und Sensoren noch nicht so weit nach vorne schauen können. Für Auf- und Abfahrten auf die Autobahn ist dabei weiter der Fahrer zuständig, weil die Systeme nicht um scharfe Kurven schauen können. Auch an Autobahnkreuzen muss deswegen der Fahrer selbst aktiv werden.

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Das zeigt: Bis zum völlig autonomen Fahren in jeder Situation ist es noch ein langer Weg. Die Autobahn wird den Anfang machen, weil die Steuerung für die Computer dort leichter ist als in der Stadt. Es gibt keine Ampeln, querende Fußgänger, wild fahrende Radfahrer oder Bälle von Kindern, die auf die Straße rollen. Autos, die selbständig in der Stadt fahren, stellen die Techniker vor ungleich größere Herausforderungen. Solche Wagen werden die Krönung der langen Übergangszeit zur autonomen Fahrwelt sein. Die Autohersteller schätzen, dass sie in 20 bis 30 Jahren zugelassen werden könnten. Bis dahin dürften auch die letzten Kinderkrankheiten ausgeräumt sein. So haben die Systeme Probleme bei Eis und Schnee, wenn die Fahrbahnmarkierungen nicht zu sehen sind. Oder bei Nebel sowie tiefstehender Sonne, die die Kamera blendet. Hilfe könnte dann immer genaueres, in Echtzeit aktualisiertes Kartenmaterial bieten, das es derzeit aber noch nicht gibt. Vor diesem Hintergrund erklärt sich das große Interesse der Autohersteller an Kartenproduzenten. Vor wenigen Wochen kauften BMW, Audi und Daimler Nokias digitalen Kartendienst Here für 2,8 Milliarden Euro. Er soll das Trio unabhängiger von Karten von Google und Apple machen.

Google und Apple mischen mit

Diese Übernahme verdeutlicht, dass der Kampf zwischen Autoherstellern und IT-Konzernen um die Daten längst entbrannt ist. Das Auto erreicht die IT-Welt. Warum also sollten sich nur die klassischen Autobauer auf dem Feld der mobilen Zukunft bewegen? Längst mischen deswegen auch Zulieferer wie Bosch und Continental in diesem Spiel mit. Sogar Google, das schon seit Jahren mit eigenen Modellen und als Pionier des autonomen Fahrens die Autohersteller vor sich hertreibt. Und nun auch noch Apple. Sie alle wuchern vor allem mit dem Pfund der großen Mobilitäts- und Kartendaten, die sie ständig von Handy- und Internetnutzern sammeln. Sie sehen das Auto als Computer auf vier Rädern. Ein ganz anderer Ansatz.

Die großen Player haben schon etliche Gefährte auf der Straße, vor allem im sonnigen Kalifornien. Nach Mitteilung des California Department of Motorvehicles (CDMV) waren Mitte August 78 solcher Testwagen im Einsatz: Volkswagen mit drei Autos, Mercedes mit fünf, Google mit 48 seiner Wagen, der Elektroautobauer Tesla mit zwölf und Bosch mit zwei Autos. Dazu kommen die Unternehmen Delphi und Cruise Automation, die ebenfalls daran arbeiten. In Deutschland sind auch Audi und BMW eifrig am Entwickeln. Es ist ein riesiger Markt. Die Boston Consulting Group schätzt ihn bis 2025 auf 42 Milliarden Dollar.

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