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Autonomes Fahren : Selbst ist das Auto

Die Hand ruht: Diese S-Klasse lenkt und fährt selbst. Kameras zeigen die Umgebung.
Die Hand ruht: Diese S-Klasse lenkt und fährt selbst. Kameras zeigen die Umgebung. : Bild: Daimler

Möglich ist das durch den Einbau von Radar, Kameras und Sensoren in die Autos, die bis zu 250 Meter voraus sowie zu den Seiten und nach hinten schauen können. Sie erfassen also alle Autos und Hindernisse in der Nähe und durch die Fahrbahnmarkierungen auch die Fahrspuren. Ein Umbau der Straßen für die neue Technik ist nicht nötig. Das ist auch der Anspruch der Hersteller. Allerdings sorgen dann fehlende Markierungen dafür, dass auf solchen Abschnitten der Fahrer selbst fahren muss. Eine angepasste Infrastruktur kann es den Autos also erleichtern, autonom zu fahren. Nicht nur sichtbare Markierungen gehören dazu. Auch Ampeln, die immer auf der gleichen Höhe installiert sind, damit Kameras sie immer erkennen können. Und im besten Fall dem Auto schon vorher funken, wann sie auf Grün umstellen – es kann dann schneller losfahren. Oder Baustellenfahrzeuge in einer Wanderbaustelle, die mit ihren Signalen den Autos anzeigen, wo gerade die Baustelle anfängt. Oder Sensoren in der Fahrbahn, die die Autos schon Kilometer vorher auf Nässe und Glätte hinweisen.

Radar, Kameras und Sensoren suchen rundherum nach anderen Autos und Hindernissen.
Radar, Kameras und Sensoren suchen rundherum nach anderen Autos und Hindernissen. : Bild: Daimler

Was dabei möglich ist und wie es funktioniert, soll auf dem „Digitalen Testfeld Autobahn“ erprobt werden, das das Bundesverkehrsministerium, der Freistaat Bayern und die Auto- und IT-Industrie auf der A9 in Bayern einrichten wollen. Am Freitag haben die Beteiligten eine Absichtserklärung dafür unterzeichnet. „Das automatisierte und vernetzte Fahren ist die größte Mobilitätsrevolution seit der Erfindung des Automobils“, sagt Minister Dobrindt. Der Bund will 25 Millionen Euro für Sensoren auf der Strecke beisteuern. Noch in diesem Jahr soll es mit der Aufrüstung losgehen. Die deutsche Automobilindustrie will in den nächsten drei bis vier Jahren ihrerseits 16 bis 18 Milliarden Euro in die Entwicklung solcher Systeme investieren.

Voll automatisches Fahren kommt bald

Auch das macht klar, wie stark das Thema schon in der Realität angekommen ist. Allerdings sind die bisherigen und auf der IAA angekündigten Anwendungen nur Fahrassistenzsysteme: Das Auto unterstützt den Fahrer, korrigiert riskante Manöver und fährt teilautonom, der Fahrer muss aber immer seine Hand am Lenkrad haben, um eingreifen zu können, und er muss das Verhalten des Autos überwachen. Er hat weiter die Verantwortung. Das wird sogar kontrolliert – von Sensoren im Lenkrad. Der nächste große Schritt ist der Übergang zum automatisierten Fahren. Dann übernimmt das Auto vollständig die Kontrolle. In etwa fünf Jahren könnte es so weit sein. Audi will den Anfang machen. Anfang 2018, mit Verkaufsstart des neuen A8, soll der Staupilot erstmals selbständig handeln. Er übernimmt dann im Stop-and-go-Verkehr auf der Autobahn nicht nur Bremsen und Beschleunigung, sondern auch die Lenkung. Das Lenkrad fährt sich ein, der Fahrer muss nicht mehr auf die Straße achten.

Er darf sich dann auf E-Mails oder Filmeschauen auf dem autoeigenen Bildschirm konzentrieren. Er darf aber keinen Laptop auf dem Schoß aufklappen, denn er muss jederzeit die Führung übernehmen können, wenn das Auto es verlangt. Um das zu kontrollieren, wird der Fahrer von einer Kamera gescannt. Das wiederum verlangt die Zulassungsbehörde. Das Notebook würde erkannt, und nach mehreren Warnungen würde das Auto selbständig auf den Standstreifen fahren und mit Warnblinker anhalten. Das heißt aber auch, dass der Staupilot voraussichtlich nur dort funktionieren wird, wo es überhaupt Standstreifen gibt. Das Auto stellt sich dort auch ab, wenn der Fahrer die Steuerung nicht übernimmt, obwohl der Computer im Wagen es fordert.

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