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Hohe Inflation : Deutsche gehen an ihre Ersparnisse

Hohe Inflation: Der Einkauf im Supermarkt will gut überlegt sein. So mancher Einkaufswagen bleibt in diesen Tagen leerer als üblich. Bild: dpa

Die stark steigenden Preise lassen die Rücklagen der Deutschen schmelzen. Schulden werden wahrscheinlicher. Die Angst vor der Zukunft ist bei vielen groß, auch in der Mittelschicht.

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          Unbeschwert einkaufen würden vermutlich viele Menschen gern wieder oder überhaupt einmal. Doch die hohe Inflation raubt nicht wenigen den Schlaf und macht sich inzwischen in fast allen Lebensbereichen bemerkbar. Während der Einkauf im Supermarkt immer teurer wird, reißt wenigstens die Tankfüllung derzeit ein etwas kleineres Loch in den Geldbeutel als noch vor Kurzem.

          Kerstin Papon
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Doch eine Inflationsrate von laut Statistischem Bundesamt hierzulande zuletzt 10,4 Prozent im Oktober bringt viele Menschen in große Bedrängnis. Als Preistreiber gelten vor allem hohe Energiekosten. Die Wahrnehmung vieler Konsumenten ist aber eine andere: Sie finden, dass die gestiegenen Kosten für Lebensmittel und Konsumgüter des täglichen Bedarfs die Hauptschuld an der wachsenden finanziellen Belastung tragen.

          Dies sagt in einer vom Meinungsforscher Yougov im Auftrag von Lowell, einem Anbieter von Forderungsmanagement, durchgeführten re­präsentativen Umfrage die große Mehr­heit (82 Prozent) der 2000 Be­fragten (von 18 Jahren an). Rund die Hälfte führt zudem höhere Mietkosten an, gut ein Drittel blickt ebenfalls be­unruhigt auf die Gesundheitskosten.

          Größere Anschaffungen werden verschoben

          Die Umfrage offenbart auch die wachsenden Sorgen vieler Deutscher vor finanzieller Not und Schulden. Gut die Hälfte der Befragten hat demnach Angst, die notwendigen Lebenshaltungskosten künftig nicht mehr zahlen zu können. Jeder Dritte rechnet damit, sich verschulden zu müssen. Manches kann man vielleicht selbst beeinflussen, größere Anschaffungen et­wa werden verschoben. Dies sagen in einer repräsentativen Umfrage der Auskunftei Schufa 70 Prozent der Befragten.

          Auch Investitionen in ein eigenes Haus oder Hochzeits- und Urlaubspläne werden auf Eis gelegt, um die finanzielle Situation nicht noch mehr zu belasten, sagt Lowell. Viele Veränderungen erfassen aber auch den Alltag. Nach der im Auftrag der Schufa von Nordlight Re­search im Oktober durchgeführten Um­frage erwartet gut ein Drittel der Be­fragten, dass das Einkommen nicht ausreichen wird, um den Lebensstandard zu halten.

          Beunruhigend zudem: Die Reserven schrumpfen. Laut Schufa hat die Hälfte der Befragten in den vergangenen sechs Monaten auf Ersparnisse zurückge­griffen, im Mai waren es noch 38 Prozent. „Die Menschen in Deutschland brauchen ihre Reserven auf“, sagt Ole Schröder, Vorstandsmitglied der Schufa Holding. Vor allem Menschen in unteren Einkommensgruppen kämen in Schwie­rigkeiten. Dort habe es schon vor der Krise kaum Rücklagen gegeben.

          Schwindende Rücklagen und steigende Preise wirken sich laut Schufa auch auf den täglichen Konsum aus. Rund drei Viertel der Befragten gaben an, beim Einkaufen weniger Geld auszugeben oder im Supermarkt nur das Notwendigste zu kaufen – Tendenz stei­gend.

          Auch das Zahlungsverhalten hat sich verändert. Etwa je ein Viertel der Befragten gab an, das Konto überzogen oder das Bezahlen von Rechnungen hinausgezögert zu haben, zum Teil über die Zahlungsfrist hinaus. Das sei eine beunruhigende Entwicklung, sagt Schröder. Die Zahl der Personen, die erstmals „Zahlungsstörungen“ gehabt hätten, sei von August bis Oktober ge­genüber dem Vorjahr um 20 Prozent gestiegen. Rund drei Viertel der Be­fragten hat große oder sehr große Angst vor der Zukunft, inzwischen auch in der Mittelschicht.

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