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Von Nulllinie zu „Reflation“ : Die Preise könnten wieder steigen

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Die Preise hierzulande könnten bald steigen - und das hat Gründe. Bild: dpa

Kaum noch Teuerung, vieles wird sogar billiger - das war seit einiger Zeit die Preisentwicklung bei vielen Waren und Dienstleistungen. Nun mehren sich die Anzeichen, dass es teurer wird. Welche Faktoren den Ausschlag geben.

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          Seit zwei Jahren haben sich Verbraucher in Deutschland und vielen anderen Industrieländern daran gewöhnt, dass der Einkauf kaum noch teurer wird. Die Inflationsrate dümpelte nahe der Nulllinie - und manchmal sogar darunter. Doch das könnte sich bald ändern. Viele Experten rechnen mit künftig stärker steigenden Preisen, Anleger an den Finanzmärkten stimmen sich schon auf eine „Reflation“ ein. Welches könnten die Gründe dafür sein?

          Staatsausgaben

          Seit der Wahl Donald Trumps zum künftigen amerikanischen Präsidenten rechnen viele Anleger mit einer drastischen Erhöhung der Staatsausgaben in den Vereinigten Staaten. Trump hat versprochen, eine halbe Billion Dollar locker zu machen, um unter anderem die Infrastruktur auf Vordermann zu bringen. Dadurch könnte die Wirtschaft zumindest kurzfristig in Schwung kommen, was die Preise nach oben treiben dürfte. Diese Erwartung führt schon jetzt zu steigenden Zinsen an den Kapitalmärkten, weil die Anleger einen Ausgleich für den erwarteten Wertverlust des Geldes verlangen. Eine Steigerung der öffentlichen Ausgaben zeichnet sich aber nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern beispielsweise auch in Großbritannien ab. Und der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, forderte jüngst auch mit Blick auf die Eurozone, die Politik müsse das Wachstum stützen.

          Handelsbarrieren

          „Unternehmen werden die Vereinigten Staaten nicht mehr ohne Konsequenzen verlassen“, sagte Trump kürzlich vor Arbeitern in Indianapolis. Der künftige amerikanische Präsident will die heimische Wirtschaft vor Konkurrenz aus dem Ausland schützen. Sollte dies gelingen, dürften steigende Löhne die Preise nach oben treiben. Eine Abschottung von Amerikas Wirtschaft durch höhere Zölle würde Importe teurer machen und dadurch das Preisniveau anheben. Außerdem könnten andere Länder als Reaktion darauf ebenfalls Zölle erheben oder erhöhen. Es drohen Handelskonflikte. Finanzminister Wolfgang Schäuble warnte vor einem Rückfall in Nationalismus und Marktabschottung: „Wir können die Globalisierung nicht zurückdrehen, und wir wollen das auch nicht.“

          Ölpreise

          Ein wichtiger Grund für die schwache Inflation waren bislang die niedrigen Ölpreise. Seit Mitte 2014 fielen die Kosten für das „schwarze Gold“ immer weiter. Doch jetzt könnte sich eine Kehrtwende abzeichnen. In dieser Woche stiegen die Ölpreise auf den höchsten Stand seit dem Sommer 2015. Auslöser war eine Ankündigung des Ölkartells Opec und eines Dutzends weiterer Förderländer, gemeinsam die Produktion zu kürzen. Insgesamt soll demnach das weltweite Ölangebot um etwa 2 Prozent reduziert werden, damit der Preis wieder nach oben geht. Viele Experten bezweifeln aber, dass die Förderländer wirklich ernst machen werden. „Die Erfahrung lehrt, dass derartige Vereinbarungen letztlich nur Lippenbekenntnisse sind“, meint Eugen Weinberg, Rohstoffexperte bei der Commerzbank.

          Geldpolitik

          Spätestens seit der Finanzkrise gehören die Notenbanken zu den wichtigsten Akteuren an den Finanzmärkten. Selbst kleinste Andeutungen von Währungshütern, die für höhere oder niedrigere Leitzinsen sprechen, führen immer wieder zu starken Kursausschlägen. Doch das könnte sich jetzt ändern. „Die Zentralbanken treten in den Hintergrund“, sagt Claudio Borio, Experte bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Denn während die lockere Geldpolitik mit Niedrigzinsen und milliardenschweren Wertpapierkäufen die Inflation bislang nicht anheizen konnte, werden entsprechende Impulse womöglich stattdessen aus dem Weißen Haus kommen. Inzwischen gilt daher eine Leitzinsanhebung der amerikanischen Notenbank Fed bei der kommenden Sitzung am Mittwoch als ausgemachte Sache.

          Lage der Weltwirtschaft

          Einer der Gründe für die Mini-Inflation in zahlreichen Ländern ist laut Experten auch eine langjährige Flaute der Weltwirtschaft. Seit dem vergangenen Jahr fehlt vor allem wegen der Abschwächung des Wachstums in China neuer Schwung. Doch inzwischen zeigen sich einige Ökonomen wieder optimistischer. Nach einem Plus von 2,9 Prozent in diesem Jahr rechnet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) für die beiden kommenden Jahre mit einem Wachstum der Weltwirtschaft um über 3 Prozent. Und wenn der globale Konjunkturmotor besser läuft, steigen auch die Löhne und dadurch wiederum die Preise.

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