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Baltikum : Wo Bargeld unerwünscht ist

Verwirrt Touristen: Der öffentliche Nahverkehr in Tallinn, wo es statt Automaten nur NFC-Validatoren in den Bussen und Bahnen gibt Bild: dpa

Während in Deutschland ein Rüffel droht, wenn jemand einen Kleinbetrag mit Karte bezahlt, ist es in Estland, Lettland und Litauen umgekehrt. Die Corona-Krise gibt vor allem der kontaktlosen Zahlung weiteren Schub.

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          Unversehens ereilt den hungrigen Strandbesucher im lettischen Küstenort Vecāķi das schlechte Gewissen. Sehr tief gräbt die Bedienung des Imbisswagens „Vegistop“ nämlich in einem kleinen Portemonnaie, um das Wechselgeld für den Burger zusammenzusuchen, der mit einem Zehn-Euro-Schein bezahlt wurde. „Es ist für uns besser, wenn Sie mit Karte bezahlen“, antwortet sie auf die Frage, ob alles in Ordnung sei. Schnell ist die innereuropäische Verständigung wiederhergestellt – mit der Erklärung, dass in Deutschland demjenigen ein Rüffel droht, der einen Kleinbetrag nicht in bar bezahlt.

          Die Episode zeigt: Die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen sind Länder, in denen bargeldloses Bezahlen weit vorangeschritten ist. Eine Erhebung der lettischen Nationalbank belegt dies. Laut ihrem „Payment Radar“ vom Februar tätigt der durchschnittliche Lette 64 Prozent seiner Transaktionen bargeldlos. Dagegen wickelten die Deutschen laut dem Handelsforschungsinstitut EHI im vergangenen Jahr 73 Prozent ihrer Zahlungen im Einzelhandel in bar ab. Erst durch die Corona-Pandemie findet im Bargeldland Deutschland ein Umdenken hin zur bargeldlosen Zahlung statt. Von der baltischen Selbstverständlichkeit, in jedem Restaurant und in jeder Bar mit Karte bezahlen zu können, ist Deutschland aber noch weit entfernt.

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