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Im Selbstversuch : Geteiltes Taxi, halber Preis

Einsteigen zur Testfahrt: Mal sehen, ob nachher noch ein weiterer Fahrgast zusteigt. Bild: Jens Gyarmaty

Clever Shuttle heißt ein neuer Fahrdienst. Er ist günstiger als ein Taxi und bequemer als ein Bus. Wir haben es ausprobiert.

          Muss denn Taxifahren immer so teuer sein? Unter zehn Euro ist eine Fahrt kaum zu kriegen. Dabei wäre es so bequem, wenn man nicht immer auf Straßenbahn und Bus ausweichen müsste, um weniger Geld auszugeben. Ein bezahlbares Taxi, das wäre schön.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der amerikanische Fahrdienst Uber hat es in Deutschland probiert. Privatleute fuhren gegen geringes Entgelt mit ihrem eigenen Auto Uber-Kunden durch die Stadt. Doch das Konzept scheiterte an deutschen Gesetzen. Seit 2014 versucht es ein deutsches Start-up. Es ist bisher deutlich erfolgreicher.

          Clever Shuttle heißt es. Neben den Gründern haben sich die Deutsche Bahn mit 20 Prozent und Daimler mit zehn Prozent beteiligt. Es ist bisher in Berlin, Hamburg, München, Leipzig und seit Donnerstag auch in Stuttgart aktiv, Dresden folgt Ende August, Frankfurt im Herbst. Es ist behördlich genehmigt und kann damit nicht das Uber-Schicksal erleiden – das Unternehmen verstrickte sich in vielen Rechtsstreitigkeiten mit der Taxi-Lobby. Die Grundidee von Clever Shuttle: Autos des Unternehmens holen wie ein Taxi die Kunden am Treffpunkt ab, nehmen dann aber bis zum Ziel bis zu drei weitere Personen mit.

          Das Konzept wirkt wie eine organisierte Fahrgemeinschaft in der Stadt. Organisiert von Clever Shuttle, das die Fahrwünsche mit Hilfe der eigenen Software so kombiniert, dass mehrere Passagiere zusammenfahren können, ohne lange Umwege zu benötigen. Eine maximal 50 Prozent längere Fahrtzeit ist erlaubt, in der Stadt bedeutet das meist eine nicht mehr als fünf Minuten längere Fahrzeit.

          Testsituation: Kneipen-Hopping am Abend

          Der Lohn dafür: Mehr Passagiere bedeuten weniger Kosten für den Einzelnen, der Fahrpreis beträgt in der Regel nur rund die Hälfte des regulären Taxipreises und liegt auf kurzen Strecken nicht viel höher als ein Ticket für den öffentlichen Nahverkehr. Gebucht wird die Fahrt über eine App, gefahren wird mit 110 Elektrowagen von Nissan und 50 Wasserstoffautos von Toyota, die 260 Fahrer sind bei Clever Shuttle angestellt. Sie müssen einen sogenannten kleinen Personenbeförderungsschein besitzen, wurden also ärztlich und psychologisch auf ihre Eignung untersucht. Ortskenntnisse brauchen sie anders als die normalen Taxifahrer nicht nachzuweisen. Die sind auch nicht unbedingt nötig, da sie in der Regel ihrem Navigationssystem folgen. Einem Stau können aber auch sie ausweichen.

          Ob das alles so funktioniert, will ich selbst testen. Meine Anmeldung ist schnell vollbracht: Name, E-Mail-Adresse, Handynummer, dazu maximal erwünschte Wartezeit. Wer dazu seine Kreditkartendaten angibt, kann den Fahrpreis automatisch abbuchen lassen. Man kann aber auch jede Tour bar beim Fahrer bezahlen. Als Teststadt bietet sich Leipzig an. Hier wird der neue Dienst am stärksten genutzt und dürfte nach Unternehmensangaben spätestens im August erstmals profitabel sein.

          Die geplante Fahrtroute ist in Blau eingezeichnet, das Shuttle (grünes Auto) mit Fahrer Manuel ist noch etwas entfernt.

          Erste Testsituation: Kneipen-Hopping am Abend. Ich befinde mich in der Karl-Heine-Straße, eine der Ausgehstraßen Leipzigs. Von dort soll es in die andere beliebte Meile der Stadt gehen, die Karl-Liebknecht-Straße, knappe fünf Kilometer entfernt. Es ist Dienstag, 22 Uhr, die Leute sind noch unterwegs, die Bars gut besucht. Die App von Clever Shuttle zeigt mir den Stadtplan von Leipzig, er entspricht der Karte von Apple für das iPhone. Ich sehe, welche Fahrer gerade wo unterwegs sind. Und wo Clever Shuttle überall nutzbar ist, nämlich fast im ganzen Stadtgebiet einschließlich der Ränder. In anderen Städten sind es meist die zentrumsnahen Viertel.

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