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Hohe Dispozinsen : Vorsicht vor allzu großen Geschenken

Manch einer verfällt bei Weihnachtsgeschenken in einen wahren Konsumrausch, obwohl er sich diesen eigentlich gar nicht leisten kann. Bild: dpa

Gutgemeintes gerade zu Weihnachten kann in einer Schuldenspirale enden, wenn der Dispo zu lange zu hoch bleibt.

          Kaum etwas ist schöner, als anderen eine Freude zu bereiten. Das denken gerade zu Weihnachten viele Menschen. Nicht wenige verfallen so in einen wahren Konsumrausch, obwohl sie sich diesen eigentlich gar nicht leisten können – abgesehen davon, dass Gesten oft weit mehr zählen als die tatsächliche Größe eines Geschenks. Der Preis: ein Konto, das immer weiter ins Minus rutscht, teure Dispozinsen oder noch höhere Überziehungszinsen. So kann das ohnehin überdimensionierte Geschenk rasch noch viel teurer werden.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          So werden im Bundesdurchschnitt nach Daten der FMH-Finanzberatung derzeit Dispozinsen von 9,28 Prozent fällig, wobei die Spanne unter den analysierten Instituten von gut 4 bis rund 12,5 Prozent reicht. Für geduldete Überziehungen sind es durchschnittlich sogar fast 11 Prozent. Davon spricht man dann, wenn der vom Finanzinstitut gewährte Dispositionsrahmen noch überschritten wird.

          Eine repräsentative Umfrage des Internet-Kreditportals Smava zusammen mit dem Meinungsforscher Yougov ergibt nun, dass im Durchschnitt gut zwei Drittel der deutschen Verbraucher im Alter von 18 Jahren an bis zu 1000 Euro für die letzten Tage des Jahres ausgeben wollen – für Weihnachtsgeschenke, Festessen, Silvesterfeiern oder Reisen. Zudem gehen 20 Prozent der Befragten davon aus, diese Ausgaben über einen Dispokredit finanzieren zu müssen, und 18 Prozent schließen ihn nicht aus. Die Kehrseite:

          Nur die wenigsten Befragten wüssten um die vergleichsweise hohen Zinsen dieses Kredites, heißt es von Smava. Dabei leihe sich im Durchschnitt jeder Dritte das Geld auf diese Art und Weise bis zu einem Jahr lang. Der Haken: Für Dispokredite seien anders als zum Beispiel für Ratenkredite keine regelmäßigen Tilgungen vorgesehen. Zudem sind die Zinsen vergleichsweise hoch. Laut FMH kostet ein Ratenkredit mit 36 Monaten Laufzeit im Bundesdurchschnitt aktuell rund 4,2 Prozent. Auch hier ist die Zinsspanne weit, nach FMH-Daten reicht sie von 2,5 bis 9 Prozent.

          Teure Dauerverschuldung

          Würden Dispokredite über eine längere Zeit hinweg genutzt und nicht vollständig getilgt, könnten Verbraucher in eine teure Dauerverschuldung geraten, warnen die Fachleute von Smava. Diese Gefahr bestehe für jeden dritten Nutzer. Denn ein Drittel der Nutzer brauche bis zu einem Jahr, um die Ausgaben für die Festtage zurückzuzahlen. Weitere 10 Prozent überzögen das Konto sogar länger, glichen es nie aus oder machten sich über die Rückzahlung keine Gedanken. Je länger aber die Tilgung dauere, desto eher lohne sich ein Ratenkredit.

          Keinesfalls sollten Verbraucher einen Dispo dauerhaft nutzen, sagen auch die Fachleute des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen. Denn der billigste Dispokredit sei teurer als ein günstiger Ratenkredit. Wer merke, dass sein Konto nicht mehr aus dem Minus herauskomme, sollte daher eine Umschuldung über einen Ratenkredit prüfen. Eine Alternative könne ebenfalls ein Rahmenkredit mit einem günstigen Zinssatz sein. Dieser Kredit funktioniere ähnlich wie ein Dispo, werde aber getrennt vom Girokonto geführt und sehe eine monatliche Tilgung vor.

          Die Verbraucherschützer haben weitere Tipps. So raten sie, eine kleine, jederzeit verfügbare eiserne Reserve für unerwartete Kosten zu bilden. Zudem könne das Führen eines Haushaltsbuches ein wichtiger Schritt sein, um die finanzielle Situation in den Griff zu bekommen. Denn wer Einnahmen und Ausgaben überblicke, bekomme eine wichtige Basis, um Sparpotentiale zu erkennen und das Budget zu steuern. Auch der Wechsel des Kreditinstitutes im Falle zu hoher Zinsen oder professioneller Rat von anerkannten Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen könne sich lohnen. Besser ist es allerdings, von vornherein bewusster mit dem Geld umzugehen und Geschenke lieber mal eine Nummer kleiner auszuwählen.

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