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Herrenoberhemden im Test : Welches Hemd passt am besten?

  • Aktualisiert am

Welches Hemd darf’s heute sein? Bild: Stefan Finger

Weißes Hemd ist gleich weißes Hemd? Von wegen. Lukas Koschnitzke hilft bei der Auswahl: Teuer ist nicht immer gut.

          4 Min.

          Was für Frauen die Schuhe, sind für Männer die Hemden: Mehr als 21 Exemplare hat der deutsche Durchschnittsmann im Kleiderschrank hängen. Holzfällerhemden wirken maskulin, bunte Hemden verbreiten Urlaubsfeeling, Polohemden verweisen auf einen sportlichen Träger. Doch was, wenn gerade kein Holz gehackt wird, der letzte Urlaub Ewigkeiten her ist und der Bierbauch das Polo wölbt? Dann wird es Zeit für den Klassiker, das Hemd, mit dem Mann so gut wie nie falsch gekleidet ist: das schlichte weiße Hemd. David Beckham trägt es sexy, Wolfgang Schäuble seriös, Millionen tragen es täglich am Schreibtisch oder auf Hochzeiten. Kein Wunder also, dass der Frankfurter Modeberater Andreas Rose sagt: „Das weiße Hemd ist das wichtigste Kleidungsstück des Mannes.“ Ein Dutzend Hemden gehören seiner Meinung nach in den Kleiderschrank des Mannes. Mindestens.

          Doch so einfach ist es nicht. Zu unterschiedlich sind Schnitt, Stoff und, ja, sogar der Farbton. Weiß ist eben nicht gleich weiß. Welches Hemd also bietet das beste Gesamtpaket?

          Ein Test soll Klarheit bringen. Es treten an: günstige gegen teure Hemden, Nischenanbieter gegen Marktführer, jeweils in unterschiedlichen Designs. Neben Optik und Preis werden Tragekom-fort und Knitterfestigkeit bewertet. Sechs der acht Hemden im F.A.S.-Test bestehen aus hundertprozentiger Baumwolle, nur Eterna und Tom Tailor mischen etwas Elasthan bei, um den Stoff geschmeidiger zu machen. Optisch ist dieser Trick nicht zu erkennen.

          Auf den größten sichtbaren Unterschied, die Dicke des Stoffes, sollte man achtgeben: Besonders das Seidensticker-Hemd ist sehr dünn gewebt und wirkt dadurch, erst recht nach einigen Stunden Tragen, zu transparent. Unästhetisch ist das vor allem, wenn sich die Ränder von darunter getragenen T-Shirts oder Unterhemden abzeichnen. Stilberater Rose rät von Unterhemden zwar gänzlich ab. Besonders für stark schwitzende oder frierende Männer gibt es aber wohl keine Alternative.

          Bild: F.A.Z.

          Das Hemd von Hennes & Mauritz (H&M) hingegen würde auch das dickste Unterhemd verdecken: Sein Stoff ist extrem dick und fest, beim Tragen wirkt es steif, optisch erinnert es an die blütenweißen Baumwollhemden der 68er-Ikone Rainer Langhans. Dass man mit einem weißen Hemd nie falsch angezogen sein kann, stimmt hier nicht - für schickere Anlässe fällt das H&M klar durch.

          Positiv überrascht hingegen das Elf-Euro-Hemd des Discounters Lidl, dem man seinen Preis nicht ansieht. In den Supermärkten gibt es die Hemden nur manchmal zu kaufen, im Online-Shop bietet Lidl ganzjährig eine Auswahl. Der Nachteil: Statt das Hemd mit Augen und Händen begutachten zu können, bleibt für einen ersten Eindruck nur die Zoomfunktion des Computers. Dafür sind die Kleidungsstücke so günstig, dass auch ein Fehlkauf finanziell nicht weh tut.

          Dass die Gleichung „Preis gleich Qualität“ nicht immer aufgeht, zeigt das Hemd von Tom Tailor, das rund fünfmal so teuer ist. Der Stoff wirkt künstlich, durch das beigemischte Elasthan fühlt sich das Hemd fast wie ein Anorak an. Die nächste Enttäuschung folgt dem ersten Waschgang, bei dem das Hemd vollständig zerknittert. Bei diesem 50-Euro-Hemd gilt: Entweder der Träger investiert eine Viertelstunde ins Bügeln - oder er bemüht die Wäscherei.

          In vergangenen Jahrhunderten symbolisierten weiße Hemden Reichtum, weil nur reiche Männer sich das häufige Wechseln und Waschen leisten konnten. Noch heute ist die korrekte Reinigung eine Wissenschaft für sich. Für den F.A.S.-Test werden alle Hemden rund ein Dutzend Mal gewaschen, jeweils vier Exemplare in derselben Maschine, mit demselben Prozedere. Manche Hersteller legen doppelseitige Anleitungen bei: Knopfleiste schließen, auf links drehen. Mit 400 Umdrehungen pro Minute schleudern lassen, sofort glatt streichen und auf einen Bügel hängen.

          So penibel wir die Waschvorgaben auch befolgen: Das Attribut „bügelfrei“ erfüllt keines der Hemden auch nur annähernd. Am besten schlagen sich noch Olymp und van Laack. Experte Rose nennt bügelfreie Hemden sogar eine „Irreführung der Verbraucher“. Zwar gibt es Hemden, die weniger zerknittert aus der Maschine kommen als andere. Doch aufs Bügeln verzichten sollte nur, wer einen ordentlichen Auftritt allgemein für spießig hält. Alle anderen sollten, gerade vor Bewerbungsgesprächen, zum Bügeleisen greifen - oder greifen lassen. Hotelschläfer und Bügelfaule hingegen können ihre Hemden während des Duschens einfach ins Bad hängen: Der heiße Wasserdampf in der Luft glättet die Falten binnen Minuten. Zumindest fast.

          Testsieger Olymp bietet einen guten Tragekomfort und Blickdichte, bei anständigem Preis

          Wenn es um ihre Hemden geht, zeigen sich die deutschen Männer preisbewusst. Knapp die Hälfte gibt für ein Hemd zwischen 20 und 60 Euro aus, zeigen Untersuchungen. Nur jeder Fünfte greift demnach beim Kauf tiefer in die Tasche. So bedienen auch die gängigen deutschen Markenhersteller das mittlere Preissegment: In den Kollektionen von Seidensticker, Eterna oder Olymp finden sich kaum Hemden über der 60-Euro-Schwelle. Diese drei Unternehmen teilen rund die Hälfte des deutschen Hemdenmarktes unter sich auf.

          Das Hemd von Seidensticker, dem nach eigenen Angaben bekanntesten Hemdenhersteller in Deutschland, sitzt angenehm und leicht auf der Haut. Punktabzüge gibt es allerdings für den zu transparenten Stoff. Einen guten Tragekomfort und Blickdichte, bei anständigem Preis, bietet Testsieger Olymp aus Baden-Württemberg, dessen Hemden zum Standard zählen in deutschen Büros - gut erkennbar am häufig eingestickten Vierecks-Symbol auf der Brusttasche. Eine Spielerei, von der Modeexperten wie Andreas Rose allerdings abraten: Die Brusttasche zerstöre den ansonsten seriösen Eindruck, den ein weißes Hemd vermittele. „Gut gefüllte Brusttaschen mit Kugelschreiber oder Visitenkarten sehen einfach nie nach jemandem aus, der etwas zu sagen hat“, meint Rose. Eterna hingegen, der dritte große Hersteller, verzichtet bei den meisten weißen Hemden ganz auf eine Brusttasche. Der optische Effekt: weniger Krankenhausarzt, mehr Business-Mann. Das schlechtere Abschneiden etwa gegenüber Walbusch verdankt Eterna nur dem deutlich höheren Preis - bei ansonsten gleich guten Eindrücken.

          Wer ein Hemd für besondere Anlässe sucht, wird bei Edelmarken wie van Laack fündig: Die Hemdenpreise beginnen hier im dreistelligen Bereich, dafür verspricht das Unternehmen „hochexklusive Qualität“ - was das Hemd tatsächlich einhält. Der Stoff liegt wunderbar seidig auf der Haut, ist sehr dicht gewebt und knittert kaum.

          Selbst dem Volk auf der Straße scheint das zu gefallen. Wer das Hemd in der Bahn oder beim Bäcker trägt, wird schon mal von Fremden darauf angesprochen: „Darf man das mal anfassen?“ Man darf - auch wenn bei allen weißen Hemden stets die Angst mitschwingt, sich hässliche Flecken einzufangen.

          Beim Preis zucken die Hemdbewunderer jedoch zusammen, 160 Euro sind nun einmal sehr viel Geld für ein Hemd. Die Neugierde wird zur Skepsis - und aus einem weichen Hemd ein einfaches Kleidungsstück. Tatsächlich ist der Preis der große Haken: Ein Van-Laack-Hemd kostet so viel wie sechs Hemden von Walbusch, die lediglich etwas fusselanfälliger sind.

          Je teurer das Hemd, desto brennender außerdem eine andere Frage: Was, wenn es mittags in der Kantine Spaghetti mit Tomatensauce gibt? Sollte man für solche Gelegenheiten immer ein billiges Ersatzhemd parat halten?

          Vielleicht sind manche Hemden auch nur zu schade für den Alltag.

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