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Haushaltsbudget : Warum uns das billige Öl nicht mehr Geld spart

  • -Aktualisiert am

Der niedrige Ölpreis stärkt die Kaufkraft der Deutschen und schiebt die Konjunktur an. Bild: dpa

Öl ist so billig wie lange nicht mehr. Und es steckt in vielen unseren Produkten. Trotzdem werden nur Benzin und Heizöl billiger. Was ist da los?

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          Dank der weltweit sinkenden Ölpreise können sich Autofahrer an den Tankstellen über fallende Benzinpreise freuen. Zwar fallen diese angesichts des hohen Steueranteils am Benzinpreis nicht ganz so üppig aus wie zum Beispiel in den Vereinigten Staaten, wo der Steueranteil niedriger ist. Trotzdem ist es schön zu sehen, dass man zur Abwechslung gerade vor Feiertagen günstiger tanken kann. Auch Heizöl ist so günstig wie seit Jahren nicht mehr. Alles in allem also ein Grund zum Freuen. Schließlich haben wir nun mehr Geld zum Konsumieren – eine direkte Folge des niedrigen Ölpreises. Das aktuelle GfK-Konsumklimabarometer unterstreicht dies:

          Die Kauflaune der Deutschen ist nämlich so gut wie seit acht Jahren nicht mehr. Das GfK-Konsumklimabarometer für Januar kletterte um 0,3 auf 9,0 Punkte. Ökonomen hatten lediglich 8,8 Zähler erwartet. In den ersten Reaktionen auf die neuesten Daten hieß es klar: „Der Ölpreis macht’s. Der deutliche Rückgang der Ölpreise hebt die Kauflaune der deutschen Verbraucher, denn er stellt eine deutliche Entlastung der Haushaltsbudgets dar“, so beispielsweise Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim. Weiter sagt sie: „Aus diesem Grund haben wir unsere Konsumprognose und damit auch unsere Wachstumsprognose für das kommende Jahr nach oben genommen. Unsicherheiten wie die Russland-Krise bleiben, doch wir gehen davon aus, dass gerade der Konsum ein deutlich stabilisierendes Element für die wirtschaftliche Entwicklung 2015 sein wird.“

          Der Konsum dient also als Stütze der deutschen und europäischen Wirtschaft im kommenden Jahr. Die Ökonomen scheinen sich alle einig zu sein, dass ein sinkender Ölpreis für die Volkswirtschaft positiv ist und als eine Art Konjunkturprogramm bezeichnet werden kann. Dies sagte auch zum Beispiel Bundesbank-Chef Jens Weidmann. Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt den positiven Effekt eines Ölpreisrückgangs um 30 Prozent auf das Wirtschaftswachstum um zusätzliche 0,8 Prozent.

          Stellt sich die Frage an dieser Stelle, ob wir als Verbraucher abseits der Tankstelle und dem heimischen Öltank noch weiter von einem niedrigen Preis des schwarzen Goldes profitieren können. Werden nun auch andere Produkte günstiger, deren Preis zum Beispiel wie bei Verpackungen mit dem verwendeten Rohöl als Ausgangsprodukt oder mit steigenden und fallenden Transportkosten zusammenhängt? Wohl eher nicht.

          Zunächst einmal setzt sich der Preis, beispielsweise von Joghurt, nicht nur aus dem Verpackungspreis (Becher) oder den Transportkosten zusammen – also den zwei Faktoren, bei denen Öl als Rohstoff eine unmittelbare Rolle spielt. Daher dürfte sich ein Preisrückgang schon allein deshalb in Grenzen halten. Zudem braucht es eine Weile, bis sich die durch geringere Energiepreise gesenkten Produktionskosten auch im endgültigen Supermarktpreis niederschlagen und wir uns über dauerhafte Niedrigpreise im Kühlregal freuen dürfen.

          Hinzu kommt, dass in vielen Branchen langfristige Lieferverträge geschlossen werden, so dass nicht jede Preisänderung bei Erdöl sofortige Auswirkungen auf sämtliche Produkte hat, die Rohöl zum Ausgangsstoff haben. Bei den Plastikbechern, mit denen wir zum Beispiel bei Joghurtverpackungen jeden Tag in Berührung kommen, dürfte sich an den Preisen auch selbst bei einem langfristig niedrigen Ölpreis nichts ändern. Schließlich sind wir Deutschen stolz auf unser Recycling, so dass das schon verwendete Plastik zum Umweltschutz beiträgt und die Abhängigkeit von neuem Erdöl verringert. Freuen wir uns also einfach über die niedrige Tankstellen-Quittung auf dem Weg in die Innenstädte und Einkaufszentren, bevor wir uns dann anschließend ins weihnachtliche Geschenkekaufen stürzen.

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