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Hohe Inflation : Häufiger Preise vergleichen oder früher kaufen?

In Zeiten hoher Inflation will der Einkauf wohl überlegt sein. Bild: dpa

Viele deutsche Verbraucher reagieren laut einer Umfrage der GfK im Auftrag des Onlinehändlers Galaxus sensibel auf die hohen Inflationsraten und passen ihr Verhalten an – dies allerdings mit großen Unterschieden.

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          Vor noch nicht allzu langer Zeit schien das Thema Inflation für viele Deutsche nicht besonders beachtenswert, selbst wenn sie früher schon ganz andere Zeiten erlebt hatten. Denn noch vor zwei Jahren betrug die Inflationsrate in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Juni 0,9 Prozent. Zwölf Monate später waren es schon 2,3 Prozent und zuletzt 7,6 Prozent. Vor allem die Corona-Pandemie und ihre Folgen sowie der Ukrainekrieg gelten als Preistreiber. Deutlich gestiegen sind besonders die Preise für Energie wie Benzin, Heizöl oder Gas und Nahrungsmittel.

          Kerstin Papon
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Dieses Umfeld führt inzwischen dazu, dass immer mehr Menschen ihr Verhalten anpassen – und das nicht nur, weil sie es finanziell unbedingt müssten. So vergleichen im Durchschnitt vier von fünf Deutschen wegen der Inflation nun häufiger die Preise. Dies ergibt jedenfalls eine repräsentative Umfrage des Marktforschers GfK im Auftrag des Onlinehändlers Galaxus.

          Benzinpreise im Blick

          Verbraucher achteten stärker auf die Benzinpreise, suchten intensiver nach dem billigsten Flug oder öffneten beim Onlinekauf vielleicht zwei Dutzend Seiten, bevor etwa Windeln im Warenkorb landeten, heißt es. Natürlich spielt dabei das Einkommen eine wichtige Rolle. Denn laut der Umfrage vergleichen im Durchschnitt mehr als 80 Prozent der Menschen mit einem Haushaltseinkommen von netto weniger als 3000 Euro monatlich die Preise nun häufiger. Das tut dagegen zum Beispiel rund ein Viertel derjenigen nicht, die je Monat über ein Einkommen von netto mehr als 5000 Euro verfügen.

          Für das Einkaufen im Internet bedeute die hohe Teuerungsrate jedoch nicht, dass sich die Bandbreite der Preise dadurch vergrößere, sagt der Onlinehändler Galaxus. Die Preise etwa für Zahnbürsten, Kaffeemaschinen oder Handys seien im Internet so dynamisch und leicht zu vergleichen, dass Händler die höheren Preise im Einkauf nicht eins zu eins weiterreichen könnten.

          Würde dies trotzdem jemand versuchen, dann würde er auf seiner Ware sitzenbleiben, sagt Hendrik Blijden­stein, der für den Ein- und Verkauf von Galaxus verantwortlich ist. Mit Ausnahme von knappen Gütern. Denn in den vergangenen Monaten habe es zum Beispiel große Preisunterschiede bei den Grafikkarten oder Spielekonsolen gegeben.

          Inflationserwartungen sind altersabhängig

          Die Befragung zeige auch, dass die Inflation zum Teil sogar zu Sicherheits- oder Panikkäufen führe, sagt Galaxus. Dabei kaufe im Durchschnitt mehr als jeder Vierte Anschaffungen nun früher als ursprünglich geplant – aus Angst, die Preise würden weiter steigen. Vor allem viele Jüngere reagierten so.

          Laut der Analyse zögen etwa rund 38 Prozent der Befragten im Alter von 30 bis 39 Jahren Einkäufe deswegen vor. Im Alter von 60 Jahren an sagt dies rund ein Fünftel. Die Überlegung dahinter: Wenn zum Beispiel ein Sofa heute 400 Euro koste, Ende des Jahres jedoch vielleicht 450 Euro, „dann hole ich es lieber jetzt als später“.

          Und wie steht es um die Inflationserwartungen der Verbraucher? Vor allem ältere Menschen gehen von einer höheren Inflation aus. So rechnen acht von zehn Befragten im Alter von 70 Jahren und mehr mit einer Teuerung von gut 5 Prozent für das laufende Jahr, unter den 60- bis 69-Jährigen erwarteten dies rund drei Viertel. Dies sei kein Wunder, denn diese Menschen hätten auch schon die hohe Teuerung in den 1970ern und 1990ern erlebt, sagt Galaxus. Dagegen geht nur etwa jeder zweite Befragte in der Altersgruppe von 30 bis 39 Jahren von einer Inflation in dieser Höhe aus, von den 18 bis 29 Jahre alten erwarten dies 44 Prozent.

          Auch mit Blick auf das Einkommen unterscheiden sich die Inflationserwartungen der Bundesbürger. Laut der Umfrage rechnen Besserverdienende eher mit höheren Inflationsraten als Menschen mit geringeren Einkommen. Dabei treffe Letztere die Inflation überdurchschnittlich hart, weil Heizöl, Gas, Benzin oder Diesel einen größeren Teil ihres Budgets ausmachten, sagt Galaxus. Befragt wurden in der zweiten Juniwoche rund 1000 Einwohner Deutschlands im Alter von 18 bis 74 Jahren.

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