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Preisvergleich : Billiger ins Internet und zum Fernsehen der Zukunft

Bild: F.A.Z.

Fernsehen und Internet verschmelzen immer mehr. Über welchen Anbieter kann man am günstigsten die notwendigen Dienste in Anspruch nehmen?

          Der tiefgreifende Wandel hin zum „Smart TV“, der sich im Augenblick beim Fernsehen vollzieht, stellt viele Leute vor die Frage, mit welchem Anbieter sie das am besten machen. Die technischen Möglichkeiten, Filme nicht nur aus dem Angebot der Sender auszuwählen, sondern „on demand“ (auf Wunsch) beispielsweise bei Amazon, über Youtube, den Mediatheken der Sender oder den Streaming-Diensten wie Maxdome zu bestellen, schaffen ungeahnte Vielfalt im Fernsehprogramm. Sie stellen aber auch höhere Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der Internetverbindung.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Vor allem zwei Systeme kämpfen dabei im Wettstreit darum, wer in Zukunft die Menschen mit dem weltweiten Datenfluss im Internet verbindet: das Telefon- oder das Kabelfernsehnetz. Es geht darum, in welcher Welt die Menschen künftig surfen, chatten, Freunde treffen, Musik hören und Filme gucken werden.

          Kabel für die schnelle Internetanbindung eines Kabelnetzbetreibers: Welches Netz wird die Menschen in Zukunft mit dem Internet verbinden?

          Der Wettbewerb sei in letzter Zeit zwar tendenziell schwächer geworden, meint Thorsten Gerpott, Professor mit dem Schwerpunkt Telekommunikationswirtschaft in Duisburg. Trotzdem sei es für Verbraucher sinnvoll, sorgfältig zu vergleichen, welche Leistungen sie überhaupt benötigten, welche Ausbaustufe der Netze in ihrem Ort angeboten werde – und welcher Anbieter am günstigsten sei.

          Wie viel Datenleistung ein Haushalt braucht, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab: Vor allem bewegte Bilder bestehen aus großen Datenmengen. Michael Gundall von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hat dazu Faustregeln aufgestellt: Für ganz normales Surfen im Internet reichten in der Regel 16 Mbit pro Sekunde aus. „Das empfehle ich auch fortschrittlichen Senioren immer“, sagt Gundall.

          „Pampa-Zuschlag“ möglich

          Eine Familie dagegen, Vater, Mutter und zwei Kinder in der Pubertät, sollte wegen des Video-Streamings lieber 50 bis 100 Mbit einplanen. Oft sei es klug, meint Gundall, zunächst mal einen Vertrag mit einer geringeren Leistung abzuschließen. Wenn man dann merke, dass man größere Datenmengen brauche, sei es in aller Regel leichter, sich von dem Anbieter hochstufen zu lassen, als umgekehrt von einem teuren in einen billigen Tarif zu wechseln.

          Unter den Anbietern gibt es dabei sowohl regionale als auch solche mit einem überregionalen Netz. Das Internetvergleichsportal Verivox hat für diese Zeitung die Preise der wichtigsten überregionalen Anbieter verglichen (siehe Grafik), bei denen der Preis vor allem von der Datenübertragungsleistung abhängt. In unseren Testbeispielen schnitt Vodafone mit seiner Tochtergesellschaft Kabel Deutschland dabei recht gut ab – ähnlich war es beim letzten Anbietervergleich der Stiftung Warentest (Test 1/2015).

          Allerdings weisen die Verbraucherzentralen darauf hin, dass von manchen Anbietern wie Vodafone DSL oder 1&1 in bestimmten Regionen abseits der Großstädte eine Regionalzulage (im Techniker-Slang „Pampa-Zuschlag“) von 5 Euro im Monat zusätzlich erhoben wird.

          Kabelfernsehnetz ist in der Regel schneller

          Die Telekom ist dabei der größte Netzbetreiber fürs Telefonnetz – Kabel Deutschland, die jetzt zu Vodafone gehört und seit September ihre Produkte auch unter diesem Namen vermarktet, ist in Deutschland Marktführer für das Kabelfernsehnetz und akquiriert durchaus aggressiv. Allein von Juli bis September verkaufte die Vodafone-Tochtergesellschaft rund 98.000 neue Anschlüsse.

          Beide Netze wurden ursprünglich von der Bundespost aufgebaut, sind aber privatisiert und erheblich aufgerüstet worden. Der wichtigste Unterschied: Das Kabelfernsehnetz ist in der Regel schneller. Das hängt mit dem Material der Leitungen zusammen. Beide Netze setzen für große Strecken, auf denen viele Daten unterwegs sind, teure und leistungsfähige Glasfaserkabel ein. Das letzte Stück in die Wohnung aber legt das Kabelfernsehen über ein sogenanntes Koaxialkabel zurück, es ähnelt der Leitung zwischen Fernseher und Antennensteckdose.

          Bei den meisten Anbietern Schwächen im Kundendienst

          Das Telefonnetz dagegen setzt auf dem letzten Stück überwiegend sogenannte Kupferdoppeladern ein, zwei Leitungen aus Kupfer. Und zwar auf einem längeren Abschnitt, als beim Fernsehen das Koaxialkabel überbrückt. Zugleich ist die Kupferdoppelader weniger leistungsfähig als das Koaxialkabel. Nur ein kleinerer Teil aller Wohnungen ist hingegen direkt mit Glasfaser an das Telefonnetz angeschlossen.

          „Die Zahl der Haushalte, bei denen das Glasfaserkabel bis an den Keller führt, ist von 1,8 Millionen auf rund 2,4 Millionen gestiegen“, sagt Gerpott. „Das sind aber immer noch nur etwa 5 Prozent aller Haushalte.“ Zugleich versucht die Telekom derzeit, durch ein (nicht unumstrittenes) Verfahren namens „Vectoring“ ihre Telefonleitungen gleichfalls leistungsfähiger zu machen.

          Hinsichtlich des Service kam die Stiftung Warentest zu dem Ergebnis, der Kundendienst zeige bei den meisten Anbietern Schwächen. Die Verbraucherzentralen berichten, bei den Kabelnetzbetreibern komme in der Regel ein Techniker, der einem den Internetanschluss lege und alles einsatzfähig hinterlasse – bei der Telekom könne man diesen Service immerhin gegen einen Aufpreis bekommen.

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