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Energie : Gaspreise sind trotz des CO2-Preises günstig

Erdgas wurde zuletzt teurer. Bild: dpa

Deutschland gehört bei Erdgas, anders als bei Strom, in Europa nicht zu den teuren Ländern. Mit welchen Nebenkosten müssen Haushalte aktuell rechnen?

          2 Min.

          Der Gaspreis für Verbraucher hierzulande ist zuletzt durch die Einführung eines CO2-Preises zwar gestiegen. Trotzdem gehört Deutschland in Europa noch zu den Ländern mit einem eher durchschnittlichen Gaspreis. Das geht aus einem europäischen Preisvergleich hervor, den das Internetportal Check 24 erstellt hat und der F.A.Z. vorab vorliegt.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im ersten Halbjahr 2021 ist demnach der Gaspreis für Verbraucher in Deutschland im Durchschnitt um 3,4 Prozent gestiegen: Im Juni zahlte ein Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden im Durchschnitt 1289 Euro für Erdgas, im Januar waren es 1247 Euro gewesen.

          440 Grundversorger haben demnach seit Januar ihre Preise angehoben, rund 2,3 Millionen Haushalte waren davon betroffen. Ein Grund dafür sei die Einführung eines CO2-Preises für fossile Energieträger im Zuge des Klimaschutzes gewesen.

          Für Deutschland seien das jetzt schon Rekordpreise, heißt es in der Studie. Im europäischen Vergleich lägen die deutsche Gaspreise aber nur im Mittelfeld. Das ist offenbar anders als bei Strom: Dessen Preis ist hierzulande im ersten Halbjahr auch noch mal weiter gestiegen. Dabei wechselt Deutschland sich aber immer mit Dänemark auf dem ersten Platz der teuersten Länder in Europa ab.

          Im Jahr 2020 unter EU-Durchschnitt

          Im vergangenen Jahr jedenfalls, so viel lässt sich schon abschließend sagen, lagen die deutschen Gaspreise klar unterhalb des EU-Durchschnitts. Inklusive aller Abgaben und Steuern kam man beim Gaspreis hierzulande im zweiten Halbjahr 2020 auf durchschnittlich 6,2 Cent je Kilowattstunde. In der Europäischen Union waren es im Durchschnitt 7 Cent je Kilowattstunde.

          Deutlich günstiger ist Gas allerdings im Osten Europas: In Lettland kostete die Kilowattstunde Gas zum Beispiel nur 2,8 Cent, in Litauen 3 Cent und in Ungarn 3,1 Cent. Am teuersten war Gas in Schweden und den Niederlanden. Hier wurden jeweils mehr als 10 Cent je Kilowattstunde fällig.

          Große Lieferungen aus Russland

          Setze man die Gaspreise ins Verhältnis zur jeweiligen Kaufkraft, gehöre Deutschland neben Luxemburg, Litauen oder Belgien sogar zu den günstigsten Ländern, heißt es in dem Vergleich. Demnach war Gas in Spanien, Portugal und Italien am teuersten.

          Wo genau das in Deutschland verbrauchte Gas jeweils herkommt, ist offenbar nicht immer ganz leicht nachzuverfolgen. Nach Zahlen der Unternehmensberatung McKinsey jedenfalls stammten im Jahr 2017 rund 45 Prozent der deutschen Gasimporte aus Russland, 29 Prozent aus den Niederlanden, 21 Prozent aus Norwegen und 5 Prozent aus sonstigen Ländern.

          Nach Angaben des Bundesverbands der Energie -und Wasserwirtschaft (BDEW) kommen ungefähr 5 Prozent des in Deutschland verbrauchten Erdgases aus eigener Förderung, und da vor allem aus Niedersachsen. In Deutschland werde derzeit weit überwiegend Erdgas genutzt, das über Pipelines transportiert werde. Über das europäische Gasnetz könne allerdings auch Erdgas nach Deutschland geliefert werden, das aus LNG-Terminals („Liquefied Natural Gas“, Flüssigerdgas) an europäischen Küsten stamme.

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