https://www.faz.net/-hbv-9qj3x

Fonds-Gebühren : „Manche Anleger sind gleicher als andere“

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Privatanleger zahlen stets höhere Gebühren für Investmentfonds als institutionelle Anleger. Das Analysehaus Morningstar zeigt auf, wie sehr diese Mehrkosten die Rendite aufzehren.

          3 Min.

          Wer einen Investmentfonds sucht, steht vor einem häufig unüberwindlich scheinenden Problem. Welcher der kaum voneinander zu unterscheidenden Fonds ist denn nun der richtige? Schwer zu beurteilen ist, ob die Strategie eines Managers erfolgversprechender ist als die eines anderen, ob er eine Strategie gut umsetzt, oder ob er überhaupt eine Strategie hat, die sich davon unterscheidet mehr oder weniger mit dem Markt mitzulaufen.

          Was sich indes beurteilen lässt, wenngleich nicht ohne etwas Aufwand, ist die Höhe der Gebühren. Und auch diese ist entscheidend, denn je mehr eine Fondsgesellschaft vom Ertrag abzwackt, um so weniger bleibt für die Anteilseigner übrig.

          Das Fondsanalysehaus Morningstar hat erst zu Anfang des Monats einmal mehr untersucht, wie Gebührenhöhe und Ertragspotential zusammenhängen und kam einmal mehr nicht nur zu dem Ergebnis, dass sich die höheren Gebühren einer aktiven Verwaltung eines Fonds in der Regel nicht lohnen. Viel mehr kam Morningstar auch zu dem Ergebnis, dass es sich um so weniger lohnt, je höher die Gebühren sind, also mit dem höheren Preis zumeist keine adäquate Mehrleistung bezahlt wird.

          Weniger Gebühren für gleiche Leistung

          Selten überträfen mehr als 30 Prozent der teuren Fonds einer Kategorie ihre passiven Konkurrenten. Dagegen liege die Erfolgsquote günstigster Fonds zum Teil bei 50 Prozent und mehr. Das nützt nur Privatanlegern, vor allem in Deutschland und Österreich wenig. Denn „die meisten wirklich günstigen Fonds sind institutionellen Anlegern vorbehalten“, schreibt Morningstar. Privatanlegern blieben daher meist doch nur die Indexfonds.

          So hätten etwa im Fünftel der günstigsten Fonds auf Schwellenländer- und Euroraum-Aktien 70 Prozent der Fonds innerhalb von zehn Jahren überdurchschnittlich gut abgeschnitten, von den teuersten 20 Prozent jedoch nur jeder siebte.

          Beim Analyst Rating von Morningstar sollen Gebühren zukünftig eine stärkere Rolle bei der Bewertung von Investmentfonds spielen. Gerade gute Morningstar-Ratings sind trotz einer Vielzahl von Fonds-Ratings bei Fondsgesellschaften sehr begehrt, um für ihre Produkte zu werben.

          Künftig sollen die Gebühren von der prognostizierten Mehrrendite eines Fonds (Alpha) abgezogen werden. Damit werden künftig unterschiedliche Tranchen der gleichen Fonds anders bewertet – mit Recht, denn in der Regel zahlen institutionelle Anleger für dieselbe Managerleistung erheblich weniger Gebühren als Privatanleger.

          Die institutionelle Tranche des Rentenfonds „AXA WF Global Sustainable Aggregate“ komme mit Gebühren von 0,55 Prozent jährlich aus. Die Privatkundentranche ist fast dreimal so teuer mit der Folge, dass nach Kosten die Rendite halb so hoch ausfällt. Die institutionelle Tranche des JPM Europe Strategic Dividend-Aktienfonds ist mit 0,16 Prozent Gebühren regelrecht spottbillig. Privatanleger aber zahlen nach Morningstar-Daten mehr als das Zehnfache, in einer anderen Tranche sogar das Fünfzehnfache, mit entsprechenden Folgen für den Ertrag.

          Noch liegen konkrete Veränderungen nicht vor, da das neue Rating erst ab Ende Oktober sukzessive eingeführt wird. Aber teure Fondstranchen hätten künftig Nachteile gegenüber günstigeren, so Morningstar. Eine Fondstranche mit (hypothetischen) Gebühren von 2 Prozent etwa werde eher ein negatives prognostiziertes Alpha aufweisen als etwa eine Tranche mit nur Gebühren von 0,2 Prozent. Ein negatives Alpha - also: eine Fondstranche mit einem Minderertrag! – erhält aber weder ein „Gold“, „Silver“ oder „Bronze“ von Morningstar, sondern „Neutral“, wenn nicht sogar „Negative“.

          Beim bekannteren Sterne-Rating, spielen diese Unterschiede heute schon eine Rolle und führen dazu, dass unterschiedliche Tranchen gleicher Fonds eine unterschiedliche Zahl von Sternen erhalten. Dass „manche Anleger gleicher sind als andere“ werde sich künftig auch in den „Analyst Ratings“ niederschlagen, schreibt Morningstar und rechnet die Folgen vor: Aus einer Anlagesumme von 10.000 Euro würden bei einer Rendite von 6 Prozent jährlich nach 20 Jahren gut 32.000 Euro. Bei einem Gebührenabstand von mindestens 1,4 Prozentpunkten jährlich zwischen teuerster und günstigster Tranche wie in einer Stichprobe des Analysehauses,  werden nur 24.600 Euro daraus. „Die krasse Benachteiligung von Privatanlegern bei den Kosten führt folgerichtig zu einer krassen Benachteiligung bei der Rendite.“

          In einer separaten Analyse hat sich Morningstar mit dem Einfluss der sogenannten „Kickbacks“, also Rückvergütungen gezahlter Provisionen, auf das Rating beschäftigt. Ergebnis: Die Fonds-Ratings sind über all dort besser, wo es diese nicht oder höchstens eingeschränkt gibt. Fonds aus den Niederlanden und Skandinavien schnitten aus diesem Grund stets deutlich überdurchschnittlich ab, weil eben die  Vertriebskosten von den Produktkosten getrennt werden und damit nicht die Wertentwicklung belasten. Zudem gebe es dort eine ausgeprägte Indexfonds-Tradition. Und diese seien nun einmal günstig. Daher sei es kein Zufall, wenn Fonds aus Ländern, in denen diese teuer seien und in denen es keine Indexfonds-Tradition gebe, durchschnittlich schwach abschnitten. Besonders Portugal, Spanien, Österreich und Italien stünden am Ende der Länder-Rangliste.

          Weitere Themen

          Zusatzrente vom Chef

          FAZ Plus Artikel: Betriebsrenten : Zusatzrente vom Chef

          Die Regierung macht Betriebsrenten attraktiver: Künftig werden weniger Krankenkassenbeiträge fällig. Vier Millionen Rentner dürfen sich freuen. Und was ist mit dem Rest?

          Wer baut, bekommt Geld geschenkt

          Pläne der KfW : Wer baut, bekommt Geld geschenkt

          Die Staatsbank will erstmals Kredite mit Negativzinsen vergeben. Profitieren sollen Privatleute, Mittelstand und Kommunen. Bis die Negativzinsen beim Endkunden ankommen, könnte es allerdings noch dauern.

          Topmeldungen

          ÖVP-Vorsitzender Sebastian Kurz (r.) Ende Oktober bei der konstituierenden SItzung des österreichischen Parlaments in Wien mit seinem früheren Innenminister Herbert Kickl (M.) und ÖVP-Chef Norbert Hofer

          Casino-Affäre : Der lange Schatten der alten Koalition

          Nach der FPÖ gerät in Österreich nun auch die ÖVP in Bedrängnis. In der sogenannten Casino-Affäre ermittelt die Staatsanwaltschaft inzwischen wegen Korruption und Untreue gegen den ehemaligen Innenminister.

          Buttigieg in Iowa vorn : Suche nach der Mitte

          Pete Buttigieg liegt in den Umfragen zur demokratischen Vorwahl in Iowa erstmals vorn. Ist er der Hoffnungsträger für die Zentristen oder nur der Aufreger des Monats? In jedem Fall verfügt er über ein gut gefülltes Konto.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.