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Ausfälle bei Lufthansa : Welche Ansprüche Flugreisende jetzt haben

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Bild: dpa

Vom Streik betroffene Lufthansa-Passagiere können umbuchen, stornieren oder mit der Bahn fahren. Wer sich früh kümmert, kann dem Chaos so weitgehend entgehen. Ob es ein Recht auf Entschädigung gibt, ist aber umstritten.

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          Der Ausstand der Lufthansa-Flugbegleiter bringt für zahlreiche Reisende Flugausfälle und Wartezeiten mit sich. Wegen des Streiks fallen am Donnerstag und Freitag voraussichtlich 1300 von insgesamt 6000 geplanten Flügen aus, 180.000 Passagiere sind betroffen. Die Lufthansa will mit einer Schlichtung allerdings versuchen, das Schlimmste zu verhindern.

          Für Streikbetroffene gilt: Erster Ansprechpartner für Flugreisende ist immer die Fluggesellschaft. Im Fall von Pauschalreisen ist es der Reiseveranstalter. Auch der jeweilige Flughafen bietet auf seiner Internetseite ausführliche Informationen über die aktuellen Abflug- und Ankunftszeiten. Bei Informationen aus dem Internet ist es sinnvoll, sich diese auszudrucken, um später einen Beleg in der Hand zu haben.

          Geld zurück

          Grundsätzlich können Kunden einen streikbedingt gestrichenen Flug stornieren, sie bekommen dann ihr Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist – und auch länger, da für gewöhnlich ein Rückstau entsteht. Ist ein Ersatzflug erst am kommenden Tag oder später möglich, muss die Airline Übernachtungen und Transfers zum Hotel bereitstellen. Bei einer Pauschalreise muss der Reiseveranstalter für eine Ersatzbeförderung sorgen.

          Kostenlos umbuchen

          Im aktuellen Streikfall gibt die Lufthansa an, dass Kunden ihren für einen der beiden Tage gebuchten Flug kostenlos auf eine Verbindung mit Lufthansa oder einer ihrer Töchter in den nächsten zehn Tagen umbuchen können – unabhängig davon, ob der Flug tatsächlich gestrichen wird oder nicht.

          Auf Strecken in Deutschland können Fluggäste laut Lufthansa auch die Deutsche Bahn nutzen. Dazu können sie ihr Ticket online in einen Fahrschein der Bahn umwandeln. Wer das vorab tut, braucht dann gar nicht erst zum Flughafen zu kommen, heißt es von der Fluggesellschaft.

          Verspätung

          Bei Flügen bis zu 1500 Kilometern Länge haben Fluggäste ab zwei Stunden Verspätung Anspruch auf Betreuungsleistungen – also Telefonate, Getränke, Mahlzeiten und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel. Bei einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden, ab 3500 Kilometern nach vier Stunden.

          Auch bei einer großen absehbaren Verspätung sollten Passagiere immer zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft doch früher einen Ersatzflug anbieten kann und Reisende ihn verpassen.

          Entschädigung?

          Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut einer EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro. Das gilt jedoch nur, wenn kein „außergewöhnlicher“ Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks aber ebenso wie widriges Wetter oder Vulkanausbrüche als außergewöhnlichen Umstand. Entschädigungen gibt es daher zur Zeit nicht. Verbraucherschützer haben an dieser Sichtweise allerdings rechtliche Zweifel, in dieser Frage dürften in nächster Zeit Gerichtsurteile folgen.

          Nach Ansicht des Fluggastrechteportals Airhelp können betroffene Passagiere ihren Entschädigungsanspruch sogar einklagen. Grund für diese Auffassung ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom April 2018. Laut diesem Urteil sei selbst ein unangekündigter Streik des Flugpersonals kein außergewöhnlicher Umstand, der Fluggesellschaften von ihrer Pflicht befreie, Entschädigungen auszuzahlen.

          Dem widerspricht der Airhelp-Konkurrent Euflight. Das ist insofern interessant, als Euflight das Urteil erstritten hat. In dem Fall sei es um „wilde Streiks“ bei der Fluggesellschaft Tuifly gegangen, bei denen es sich um außergewöhnliche Umstände gehandelt habe. Aus Sicht von Euflight haben Lufthansa-Kunden daher keinen Anspruch auf Entschädigung.

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