https://www.faz.net/-hbv-9v80j

Fintech-Gründer : „Auslandsüberweisungen werden nie kostenlos“

Eine Tafel für Wechselkurse in Mexiko City. Die Aufschläge auf die die offiziellen Kurse machen Geldtransfers teuer. Bild: Reuters

Michael Kent vom britischen Finanz-Start-up Azimo spricht über die Sicherheit von Geldtransfers, die Stärke des Dollars und wie sie mit den Kosten zusammenhängen.

          2 Min.

          Die meisten Fintechs werden aus einer Frustration heraus gegründet. Darüber, dass bestimmte Finanzdienstleistungen ineffizient sind – und teuer. Auch Michael Kent, einer der Gründer des britischen Überweisungsdienstleisters Azimo, gehörte zu diesen Entrepreneuren. Dabei bot er selbst, noch vor der Gründung des Fintechs 2012, Kunden Auslandsüberweisungen an – damals aber noch in Filialen und nicht digital.

          Antonia Mannweiler

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          „Es wurde bei uns eingebrochen, Geld wurde bei Eheproblemen aus den Kassen genommen“, sagt Kent. Kurzum: Das Geschäft war nicht effizient. Die Digitalisierung habe alles verändert, nur nicht in „unserem“ Sektor, sagt er. Aber erst durch das Smartphone sei der Erfolg des Fintechs möglich gewesen, betont er. Auch Glück habe eine Rolle gespielt. Der Zeitpunkt sei günstig gewesen und die etablierten Finanzdienstleister faul. Neben den Platzhirschen Western Union und Moneygram für Auslandsüberweisungen haben sich daher immer mehr Finanz-Start-ups wie Transferwise oder Transfergo auf den Markt gewagt. Den Filialen ist Kent aber indirekt treu geblieben. Kunden von Azimo können ihr Geld auch stationär abholen.

          Anbieter verwenden ungünstige Wechselkurse

          Zwar sind Überweisungen dank des Sepa-Verfahrens innerhalb der Eurozone nahezu kostenfrei. Transfers über die Eurozone hinweg kostet die Verbraucher mitunter aber viel mehr. Das liegt nicht nur an den ausgewiesenen Gebühren, sondern auch an den Wechselkursaufschlägen der Anbieter. In vielen Fällen verwenden Überweisungsdienstleister ungünstige Wechselkurse und orientieren sich nicht an den offiziellen Referenzwerten. Selbst augenscheinlich kleine Abweichungen haben in der Summe einen großen Effekt. „Unsere Wechselkurse werden sekündlich angepasst“, sagt Kent dazu.

          Zwar bietet Azimo die ersten beiden Überweisungen unentgeltlich an, für jede weitere zahlen Kunden aber rund 3 Euro. Das Geld erhalten die Empfänger direkt. Die Konkurrenz bietet teilweise unterschiedliche Preise an, je nachdem, wie schnell das Geld verschickt werden soll. Wer den Betrag sofort überweisen will, zahlt mehr; wer warten kann, weniger. Für Azimo käme so etwas nicht in Frage, erwidert Kent. Man wolle allen Kunden schnelle Überweisungen ermöglichen. Für den Anbieter gebe es zudem nahezu keinen Kostenunterschied zwischen schnellen oder langsamen Überweisungen, ergänzt er.

          Dollar-Stärke macht Auslandsüberweisungen teuer

          Dass Auslandsüberweisungen jemals kostenlos werden, sieht Kent jedoch nicht. Sicherheit koste Geld und erfordere, sich an die Vorgaben der Regulierung zu halten. Und auch die Dollar-Stärke im Vergleich zum Euro mache Auslandsüberweisungen teuer. Wenn etwa Geld von Deutschland in die Philippinen geschickt werde, müsse erst Euro in Dollar getauscht werden und dann Dollar in Philippinische Pesos. Die Banken im Ausland präferierten noch immer Dollar-Devisen. Und sollten die Kosten oder Gebühren in der Zukunft ganz wegfallen, würden Verbraucher am Ende immer noch einen Preis zahlen müssen, den ihrer Daten.

          3,5 Millionen Sender und Empfänger von Auslandsüberweisungen hatte Azimo im vergangenen Jahr, sagt Kent. Der zweitwichtigste Markt des Fintechs nach Großbritannien sei Deutschland. Man wolle sich auch weiterhin auf Kontinentaleuropa fokussieren, betont er. Allein 125 Milliarden Euro würden dort jährlich überwiesen, und das nur von Privatunternehmen. Nach Amerika wolle man dagegen nicht. Dort sei die Konkurrenz zu groß – und die Regulierung von europäischen Unternehmen sehr strikt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.