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Gebrauchtwagenportale : Mit einem Klick zum neuen Auto

Online werden viele Autos angeboten: Welchem Käufer kann ich vertrauen? Bild: Illustration Getty

In den Gebrauchtwagenbörsen ist es leicht, sein Wunschauto zu finden. Über die Seriosität des Verkäufers sagen die Portale nichts. Ein Test der wichtigsten Automobilseiten.

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          Was kostet neu 21.000 Euro und drei Jahre später gebraucht nur noch 11.000 Euro? Richtig, ein Golf-Viertürer mit ordentlicher Ausstattung. Und ohne Macken.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bei solchen Preisstürzen ist der Kauf eines Gebrauchtwagens in den ersten drei Jahren seines Lebens eine interessante Alternative zum Neuwagen. Dann wirkt noch die Garantie des Herstellers, und Reparaturen sind noch nicht fällig. Unverzichtbar vor dem Kauf ist ein Blick in die zahlreichen Autobörsen im Internet, in denen die Verkäufer ihre Modelle anbieten. Selbst wer dort nicht fündig wird, bekommt einen guten Überblick, wie viel das Wunschauto ungefähr kosten wird.

          Die größten Autobörsen sind Autoscout24 und Mobile.de. Sie haben im Monat mehr als 6 Millionen Besucher auf ihren Seiten und mehr als eine Million Fahrzeuge im Angebot. Auch quoka.de und gebrauchtwagen.de können zumindest mehrere hunderttausend Autos bieten. Quoka hat zudem ebenfalls viele Besucher auf seinen Seiten, weil die auch Kleinanzeigen zu anderen Themen einstellen. Bei Kalaydo ist das ähnlich.

          Von Klimaanlage bis zur Sitzheizung

          Die Börsen unterscheiden sich aber nicht nur im Umfang, sondern auch in den Kosten für eine Anzeige, den Abfragemöglichkeiten und der Bedienungsfreundlichkeit. Wer dabei die beste ist, hat der 2000 Mitglieder zählende Automobilclub „Mobil in Deutschland e.V.“ in einem umfangreichen Test der acht wichtigsten Autobörsen im Internet untersucht. Mobil sieht sich als junge und günstigere Alternative zum ADAC und konzentriert sich auf das Kernangebot Pannen- und Unfallhilfe.

          Autos kaufen und verkaufen über das Internet: Welches ist das beste Portal? Teil 1

          Ein Fazit des Vergleichs: Bei fast allen Börsen können die Käufer intensiv nach ihrem gesuchten Wagen recherchieren. Sie können 50 und mehr Suchkriterien anklicken - von Klimaanlage über Navigationssystem bis zur Sitzheizung. „Nur Quoka fällt hier negativ auf. Die Suchmaske bietet nur sieben Suchkriterien“, sagt Michael Haberland, der erste Vorsitzende des Automobilclubs. Für den Verkäufer habe das aber den Vorteil, dass er seine Anzeige schon in unschlagbaren vier Schritten eingestellt hat.

          Autos kaufen und verkaufen über das Internet: Welches ist das beste Portal? Teil 2

          Autokäufer zahlen nichts, Verkäufer schon

          Die Zielgruppe vergrößern manche Gebrauchtwagenportale wie etwa webauto.de, indem sie mit Autofachzeitschriften kooperieren. Man kann dann als Verkäufer seine Anzeige sowohl online wie auch in Print einstellen.

          Auf der Preisseite gibt es auch einige Überraschungen. Für die Kaufinteressenten sind die Seiten kostenfrei, für die Verkäufer nicht immer. Für Privatinserate gibt es meist eine kostenlose Variante, sie beschränkt aber oft die Zahl der anhängbaren Bilder des Wagens. Zahlreiche und aussagefähige Fotos sind aber ein zentrales Erfolgskriterium bei Anzeigen. Wer mehr Bilder einstellen will, muss bezahlen. Auch die Händler zahlen für ihre Inserate. Auffällig wurden zwei Anbieter. Webauto verlangt grundsätzlich mindestens 6 Euro für eine Anzeige. PKW.de ist nur auf den ersten Blick kostenlos. Um die Anzeige freischalten zu können, ist ein Code erforderlich, den der Verkäufer per SMS für 49 Cent erhält. Im Test des Automobilclubs musste die SMS sogar mehrmals angefordert werden, was jedes Mal extra kostete.

          Mobile.de gewinnt

          Sieger des Vergleichs wurde Mobile.de vor Autoscout24 und Kalaydo. Mobile.de glänzt mit einer übersichtlichen Seite und nur wenigen Schritten, bis eine Anzeige eingestellt ist. „Mit der Schlüsselnummer aus dem Fahrzeugschein werden viele Angaben zum Fahrzeug schon in die Anzeige übernommen, was viel Tipparbeit erspart“, lobt Michael Haberland von Mobil. „Zudem kann man durch das System sofort ein Preisschild und einen Flyer erstellen lassen, der zum Beispiel ins Auto geklebt werden kann.“ Für Autosuchende interessant: Der „Email-Suchauftrag“ schickt 28 Tage lang täglich neue Inserate, die dem Suchprofil entsprechen. Den letzten Platz belegte webauto.de.

          Für alle Portale gilt: Sie sind Anzeigenplattformen, um Käufer und Verkäufer zusammenzuführen. Gekauft wird dann aber nicht wie bei Ebay anonym über das Netz, sondern indem sich die beiden treffen. Die Seriosität der Verkäufer prüfen die Portale nicht.

          Gebrauchtes Auto kostenlos bewerten lassen

          Wer die für ihn ideale Gebrauchtwagenbörse gefunden hat, muss vor einem Kauf oder Verkauf ausführlich die Preise recherchieren. Ein Weg dazu ist die Abfrage über die bekannte Schwacke-Liste. Sie ermittelt Durchschnittspreise auf Basis der Angebote in den Autobörsen und bei den Händlern. Jeden Monat werden die Daten aktualisiert. Sie liegen für alle in Deutschland erhältlichen Modelle der vergangenen zwölf Jahre vor. Die Abfrage berücksichtigt auch alle möglichen Sonderausstattungen, die bis zu 30 Prozent des Autowertes ausmachen können.

          Eine solche Preisabfrage kostet bei Schwacke 7,90 Euro. Sie bekommen dabei sowohl einen Preis, den sie voraussichtlich beim Händler für einen Gebrauchten zahlen müssten (Händler-Verkaufspreis), als auch einen Preis, den sie erhalten, wenn sie ihren Wagen dort in Zahlung geben (Händler-Einkaufspreis). Wer seinen Wagen an Privatleute verkauft, kann hoffen, bis zu 10 Prozent mehr als den Händler-Einkaufspreis zu erzielen.

          Gelände- oder Sportwagen verlieren besonders wenig an Wert

          Noch mehr gibt es dann nur, wenn der Wagen in besonders gutem Zustand ist, zum Beispiel ohne Lackschäden. „Einen Aufschlag erzielen Verkäufer auch bei regelmäßiger Wartung, dokumentiert durch ein lückenloses Scheckheft mit regelmäßigen Inspektionen und am besten noch mit einer gerade aktualisierten TÜV-Plakette“, sagt Jochen Ehrlich, Leiter der Marktredaktion bei Schwacke.

          Entscheidende Kriterien für die Wertentwicklung eines Autos sind Modell, Kilometerstand und Alter, die Ausstattung hingegen weniger. Das Modell sagt aus, wie schnell der Wert sinkt. Deutsche Hersteller sind meist wertbeständiger als ausländische Fabrikate. Beliebte Fahrzeuge wie Gelände- oder Sportwagen verlieren dabei besonders wenig, Autos aus den oberen Fahrzeugklassen hingegen oft viel, weil die Kunden angesichts der noch hohen Preise lieber einen Neuwagen kaufen als einen teuren Gebrauchten. Zusätzlich rutschten die Preise besonders dann, wenn ein Nachfolgemodell präsentiert wird.

          Bei hohem Kilometerstand drohen teure Reparaturen

          Der Kilometerstand sagt, wie hoch der Verschleiß des Fahrzeuges ist und welche Reparaturen fällig werden können. 10.000 zusätzlich gefahrene Kilometer sind vor allem dann ein Problem, wenn das Auto schon mehr als 70.000 Kilometer hinter sich hat, weil dann meist die teureren Reparaturen stark zunehmen. Da manche Kunden glauben, der Tacho sei frisiert und die Kilometerangaben damit zu niedrig, hat das Scheckheft einen weiteren Zweck: Es dokumentiert die Kilometerstände.

          Das Alter eines Autos ist vor allem in den ersten drei Jahren für den Preis wichtig. Dann ist der Wertverlust am stärksten und beträgt durchschnittlich rund 50 Prozent. Doch auch bei betagteren Fahrzeugen können drei Jahre Altersunterschied mehr als 1000 Euro Unterschied ausmachen. Die Preise sinken vor allem dann, wenn die Technologie veraltet ist, zum Beispiel, weil ESP, Klimaanlage oder der Airbag fehlen. Für die Einschätzung der Rostgefahr hat das Alter hingegen an Bedeutung verloren, weil die Wagen immer rostresistenter werden.

          Die Ausstattung ist nicht so entscheidend. Vor allem in den oberen Fahrzeugklassen werden zwar gewisse Extras wie etwa Ledersitze vorausgesetzt. Fehlen sie, gibt es Preisnachlässe, oder der Wagen verkauft sich gar nicht. Bei kleineren Modellen sind die Ansprüche der Käufer geringer. Aber für Extras wird auch hier kaum mehr gezahlt.

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