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Fahrdienst : Taxi oder Uber?

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Wir dagegen fühlen uns zeitgemäß, allerdings hat Rocco von der berüchtigten Baustelle kurz vor unserem Ziel offensichtlich noch nichts gehört. Sie trifft ihn völlig unvorbereitet. Er versucht sie zu umfahren und gerät trotzdem wieder an die gleiche Baustelle. Beim zweiten Anlauf klappt es. Nach 24 Minuten und zehn Kilometern sind wir am Ziel. Eine Minute später kommt die Quittung schon per Mail. 20 Prozent davon gehen automatisch an Uber. Statt der angekündigten 17,50 Euro werden nur 17 Euro von der Kreditkarte abgebucht. Psychologisch geschickt rundet Uber immer automatisch ab. Außerdem wird auf der Quittung die gefahrene Strecke auf einer Karte angezeigt, jeder Fahrer wird per GPS geortet. Bei Bedenken kann man Preis und Strecke von Uber nachträglich ganz einfach per Knopfdruck überprüfen lassen.

Erst nach dem Aussteigen merken wir, dass auch die Gepflogenheiten im Zeitalter des bargeldlosen Bezahlens noch unklar sind. Hätten wir jetzt ein Trinkgeld geben müssen? Uber selbst sagt, dass kein Trinkgeld nötig ist. Trotzdem ist es möglich, von vornherein eine Trinkgeldpauschale einzustellen, die automatisch mit dem Fahrpreis abgebucht wird. Wir trösten uns, dass das Trinkgeld des Internetzeitalters ohnehin die Bewertung ist. Sinkt die Bewertung eines Fahrers unter eine bestimmte Grenze, wird er aus der App verbannt.

Nur einen Tag später, auf der gleichen Strecke mit dem Taxi, läuft die Fahrt dagegen ganz nach dem bekannten Muster ab: Nach dem Anruf bei der Taxizentrale kommt rund fünf Minuten später eine Mercedes E-Klasse vorgefahren. Unser Taxifahrer wählt eine ganz andere Strecke und vermeidet damit die Baustelle, in die Rocco am Tag zuvor noch reingeraten ist. Allerdings umfährt er sie auch sehr viel weiter als Rocco. Doch wer weiß schon, ob das überhaupt nötig war. Am Ende ist die Fahrt im Taxi etwa sechs Minuten schneller, kostet aber fast sieben Euro mehr.

In Sachen Qualität und Professionalität steht Uber der Konkurrenz tatsächlich in kaum etwas nach, ein großer Vorteil ist oft der Preis. Taxis sind nur dann billiger, wenn die Uber-Preise wegen hoher Nachfrage steigen. Zudem lockt Uber häufig mit Aktionen: In der Nacht nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft etwa gab es für jede Fahrt einen 15-Euro-Gutschein. Die Uber-App überzeugt schon jetzt. Allein: Es fehlen Fahrer.

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