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Fahrdienst : Taxi oder Uber?

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Tatsächlich dauert es exakt zwanzig Minuten, bis Rocco in seinem dunkelblauen Fiat Scudo um die Ecke biegt. Das Auto ist sauber und geräumig, ein Taxameter ist nicht nötig. Unser Fahrtziel im Nordend kennt Rocco, aber er trägt es umgehend in die App und in sein Navigationssystem ein. Jeder Uber-Fahrer ist über eine App auf dem iPhone mit der Zentrale verbunden. Von dort bekommt er auch die Kunden. Schnell erfahren wir, dass Rocco genauso unbedarft ist wie wir: Es ist erst seine dritte Fahrt für den Vermittlungsservice. Rocco ist um die fünfzig Jahre alt und waschechter Italiener - und fährt auch wie einer.

Doch Rocco weiß um die Ängste seiner deutschen Kunden und versichert, wir seien so gut versichert wie bei jedem normalen Taxi auch. Womit wir auch schon beim Knackpunkt des neuen Fahrdienstes wären: Denn Roccos Hinweis klingt zwar beruhigend. Versicherungen sehen das allerdings ein wenig anders. Sie reden von einem „rechtlichen Graubereich“, der sich da auftut. Denn was ist mit Fahrzeugen, die als Privatwagen versichert sind, aber hin und wieder gewerblich benutzt werden?

Für Versicherungen ist diese rechtliche Grauzone jedenfalls eine wunderbare Gelegenheit, um im Fall der Fälle noch schnell aus der Nummer herauszukommen. Schließlich werden Privatfahrzeuge im Normalfall als Pkw ohne Vermietung zur privaten Nutzung versichert, heißt es bei der Allianz. Wird das Auto anders verwendet als vereinbart, kann das die Risikosituation erheblich erhöhen. Das bedeutet im schlimmsten Fall, dass sich die Versicherung weigert zu zahlen. Dann greift zwar immer noch die Haftpflichtversicherung des Fahrzeugs. Doch diese könnte den Regress auf 5000 Euro beschränken, warnt die Allianz. Rechtssicherheit gibt es auf diesem Gebiet allerdings noch nicht.

Bei Rocco können wir uns beruhigt zurücklehnen: Denn wenn er nicht gerade für Uber fährt, bringt er mit seinem Van Kinder zur Schule und erledigt andere Chauffeur-Dienste. Deshalb hat er auch einen Personenbeförderungsschein, den er uns stolz zeigt. Viele andere Fahrer bei Uber haben ihn nicht. Fahrer werden kann jeder, der nicht vorbestraft ist und ein eigenes Auto hat, das nicht älter als neun Jahre ist. Nicht umsonst laufen Taxifahrer mit europaweiten Streiks gegen die laxen Spielregeln Sturm, sogar Wagen des Konkurrenten wurden bereits demoliert.

Hätten wir ein Trinkgeld geben müssen?

Sie müssen schließlich ganz andere Voraussetzungen aufbieten, um Kunden durch die Gegend fahren zu dürfen: Jeder Taxifahrer braucht eine Lizenz von der Stadt. Die aber sind rar und werden deshalb häufig für hohe Summen auf dem Schwarzmarkt gehandelt, zu Spitzenzeiten in Frankfurt für angeblich bis zu 100.000 Euro. Außerdem müssen sie in Tests fundierte Ortskenntnisse nachweisen - obwohl viele lästern, davon sei inzwischen nicht viel zu spüren. In Hamburg wird gerade vor Gericht über ein Verbot des Dienstes gestritten. Ubers Standpunkt ist einfach: Das Unternehmen sieht sich nur als Vermittler zwischen Fahrgästen und selbständigen Fahrern. Deshalb dürfen Uber-Fahrer auch keine Kunden vom Straßenrand oder Taxistand mitnehmen, sondern nur Aufträge über die App annehmen. Außerdem müssen sie den vollen Mehrwertsteuersatz zahlen, Taxis nur den ermäßigten. Uber hält diese Gesetze für nicht mehr zeitgemäß. „Viele von den Vorschriften wurden geschrieben, bevor es das Internet gab, bevor es Handys gab“, sagt Patrick Studener von Uber Deutschland.

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