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EU-Verbraucherschutz : Kontrolleure entdecken fast 2500 gefährliche Produkte

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Spielzeug steht vor allem im „Rapex“-Bericht der EU-Kommission, in dem sie über gefährliche Produkte auf dem Markt informiert Bild: dpa

Kinder können sich an Spielzeug verletzen oder Kleinteile verschlucken. Über die Sicherheit von Produkten wachen Kontrolleure in Europa. Sie entdeckten 2014 so viele gefährliche Waren wie nie zuvor. Ein trauriger Rekord.

          Der aufblasbare Schwimmreifen in Form einer Ente war hübsch, hatte aber kein Sicherheitsventil. Wenn ein kleines Kind darin sitzen und im Pool oder Meer planschen würde, könnte es das Ventil einfach herausziehen. Dann würde die Luft aus der Ente gehen - und das Kind im Wasser versinken. Gefährlich waren selbst das niedliche pinke Plüschpferd oder die blaue Thermoskanne, deren Innenverkleidung mit Asbest verseucht war. All diese Produkte wurden in Europa im vergangenen Jahr aus dem Verkehr gezogen. In 2014 waren es fast 2500. So viele wie nie zuvor. Mehr als ein Viertel davon waren Puppen, Teddys und andere Spielsachen. Das geht aus dem neuesten Jahresbericht zum Schnellwarnsystem „Rapex“ hervor, den die EU-Kommission in Brüssel vorstellte.

          Zumeist stammen die Produkte aus China (einschließlich Hongkong). Europas Behörden warnten die Verbraucher mit Rückrufaktionen, nahmen die Produkte vom Markt oder verhängten Verkaufsverbote. „Spielsachen sind ein ganz wichtiges Problem, das die Schwächsten trifft“, sagte EU-Verbraucherkommissarin Vera Jourova. Um dies zu ändern, arbeite die EU-Kommission an strengeren Normen für die Sicherheit von Spielzeug und werde weitere Informationskampagnen starten.

          Neben Spielsachen (28 Prozent) machten im vergangenen Jahr Kleidung, Textilien und Modeschmuck (23 Prozent) den größten Anteil aus. Fast zwei Drittel der Waren kommen dem Bericht zufolge nach wie vor aus China, einem der wichtigsten Handelspartner der EU. Allein bei den in der EU verkauften Spielsachen stammen mehr als 90 Prozent aus chinesischer Produktion.

          Insgesamt 2435 gefährliche Produkte waren 2014 in den 28 EU-Staaten sowie in Norwegen, Island und Liechtenstein entdeckt worden (plus drei Prozent gegenüber dem Vorjahr). Dies sei aber nur bedingt ein Hinweis auf mehr gefährliche Waren, sondern vor allem ein Ergebnis besserer Kontrollen. Auch bei Online-Artikeln gab es einen deutlichen Zuwachs.Mit 296 gefährlichen Waren lag Deutschland an erster Stelle vor Ungarn und Spanien. Ein schädliches Produkt wird gemeldet, wenn es in dem jeweiligen Land zum ersten Mal auftaucht.

          2014 wurden in Europa fast 2500 gefährliche Produkte aus dem Verkehr gezogen. So viel wie nie zuvor

          Durch das seit 2004 bestehende Schnellwarnsystem „Rapex“ tauschen die EU-Mitgliedsstaaten,  Lichtenstein, Island und Norwegen und die EU-Kommission Informationen zu gefährlichen Produkten aus. Erkennt ein Mitgliedsstaat ein gefährliches Produkt und nimmt es vom Markt oder verbietet dessen Einfuhr, erhalten die anderen Mitgliedsländer diese Information durch das Schnellwarnsystem. Diese können dann entsprechende Maßnahmen ergreifen, um Verbraucher zu schützen, beispielsweise durch die Rücknahme des Produkts oder ein Importverbot. Nicht erfasst von diesem Schnellwarnsystem werden Nahrungsmittel, Arzneien und Medizinprodukte, da es dafür eigene Mechanismen gibt.

          Verbraucher und Unternehmen können sich selbst in der Internetdatenbank des Schnellwarnsystems zu gefährdenden Produkten informieren. 2014 machten fast zwei Millionen Menschen von diesem Angebot Gebrauch.

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