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Hürden der Elektromobilität : Der Irrweg zur E-Prämie

  • -Aktualisiert am

Elektrofahrzeuge am Fraunhofer-Institut in Stuttgart Bild: dpa

Kaufprämien und Steuernachlässe, kostenlose Auflade- und Parkplätze - alles gute Argumente für ein Elektroauto. Wäre da nicht der lange Weg zur E-Prämie. Ein Selbstversuch.

          Der alte Leasingvertrag läuft aus. Was kommt danach? Die Tatsache, dass ich im Ballungsraum Stuttgart lebe und sich die Landeshauptstadt nicht erst seit gestern zu Deutschlands Ökostadt Nummer Eins hocharbeitet, ließ mich zur Entscheidung kommen, beim nächsten Auto neue Wege zu gehen. Ein E-Auto muss her. Ich probiere das einmal. Zunächst für drei Jahre im Leasing.

          Man kann in Deutschland inzwischen unter 27 reinen Stromern wählen, vom Elektro-Smart bis zum Edelmodell von Tesla. Bisher haben aber meistens nur Behörden, Verbände und Firmen rund 70 Prozent der E-Fahrzeuge gekauft, so das Kraftfahrtbundesamt. Von Januar bis Ende Mai wurden in Deutschland rund 1,43 Millionen Benziner und Dieselautos neu zugelassen, aber gerade mal 14.583 E-Fahrzeuge. Nur 30 Prozent der Kunden sind Privatleute. Verständlich, denn der hohe Kaufpreis der E-Autos ist die erste große Hürde für die persönliche Veränderung in der eigenen Autopolitik.

          „Ein Opel Ampera kostet rund 43.000 Euro, ein vergleichbarer Astra 30.000 Euro“, heißt es beim ADAC. „Während der elektrische Peugeot iOn rund 22.000 Euro kostet, ist der vergleichbare Benziner 9000 Euro günstiger.“ Staat und Autobauer steuern zwar 4000 Euro Umweltprämie bei, aber ein E-Auto bleibt immer noch teuer. Geringere Betriebskosten können den Preisunterschied kaum ausgleichen, auch wenn im ADAC-Autokostenvergleich einige Stromer auf Augenhöhe mit Diesel und Benziner sind.

          Welches Auto gefördert wird

          Ich habe mich von diesen ganzen Fakten aber nicht kleinkriegen lassen. Mein Wunschauto hatte ich schnell gefunden, per Internet auch einfach konfiguriert und anschließend beim Händler meines Vertrauens bestellt. Das war im Mai 2017. Anfang Dezember 2017 durfte ich es dann endlich abholen.

          Nachdem ich mich über den Kfz-Steuerbescheid gefreut hatte (unter 30 Euro im Jahr) kam die Frage auf: Wie war das nochmal mit der E-Prämie? Ein Anruf beim Autoverkäufer brachte schnell Klarheit. Also in der Theorie – die jeder seit Juli 2016 kennt:

          Eine E-Auto-Prämie kann seit dem 2. Juli 2016 beantragt werden. Das Programm läuft Ende Juni 2019 aus. Die Förderung gilt nur für Fahrzeuge, die einen Netto-Anschaffungspreis von maximal 60.000 Euro aufweisen. Der schicke Tesla S war damit bisher außen vor. Jetzt darf man für das amerikanische Auto wieder eine Prämie beantragen, da Tesla die Zusage gemacht hat, das Modell auch in der Basis-Ausstattung zu einem Nettopreis unter 60.000 Euro zu verkaufen.

          Für einen reinen E-Wagen mit Batterie gibt es 4000 Euro, für eine Hybrid, der per Steckdose geladen wird und noch einen ergänzenden Verbrennungsmotor besitzt, sind es immerhin noch 3000 Euro. Für mich hieß das also: 3000 Euro sollten irgendwie von einer Behörde zu bekommen sein. Soweit verstanden.

          Nun ging es an die Beantragung. Auf der Internetseite des Bafa, des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle in Eschborn bei Frankfurt kam ich weiter. Es steht dort im schönsten Beamtendeutsch, was zu tun ist.

          „Wer zuerst beantragt, wird zuerst gefördert“

          Das Prinzip „Wer zuerst beantragt, wird zuerst gefördert“ hatte ich im Hinterkopf, ebenfalls die Zahl der bisherigen Fördergeld-Anträge. Da war noch Luft nach oben, also keinen Stress machen und mit der Liste an Dokumenten, die das Bafa für eine Förderung will, zum Autohändler. Innerhalb von einem Tag wurde mir von meinem Autohändler per Mail auch schnell geholfen.

          Dann kam das Charmante an diesem Antrag: Man kann diesen nur elektronisch stellen. In Zeiten von Internet, Smart Home und Amazon fand ich das am Anfang echt hip, weil es augenscheinlich schnell(er) geht. Alle Dokumente scannen, auf den Bafa-Server hochladen und eine Antragsnummer bekommen. Gesagt, getan.

          Stolz alles erledigt zu haben, wartete ich. Das war Anfang Dezember 2017. Anfang Januar 2018 bekam ich einen Brief vom Bafa mit dem Inhalt, dass eigentlich alle Daten fehlen würden. Das ganze Hochladen gut vier Woche vorher war also umsonst. Ich rief das Bafa an. Eine nette Sachbearbeiterin sagte mir, dass ich „ausnahmsweise“ die Dokumente per Mail zusenden dürfte. Super.

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