https://www.faz.net/-hbv-9c11g

Das bisschen Haushalt : Warum eine Putzfrau die Ehe rettet

Arbeit, Kinder, Haushalt - etwas Geld für die Hilfe bei täglichen Aufgaben auszugeben, kann sich für die Beziehung lohnen. Bild: Picture-Alliance

Vielleicht liefe das Familienleben etwas harmonischer, wenn jemand anderes gegen Geld das nervige Staubsaugen, Bügeln und Wäschewaschen für uns erledigen würde? So ist es, sagen Studien. Aber zu viel des Guten ist auch wieder schlecht.

          3 Min.

          Wer kennt das nicht: Bei der Arbeit quillt das Email-Postfach über, das Telefon steht nicht still und kurz vor der Projektdeadline sind wieder Überstunden fällig. Kommt man dann nach Hause, will man eigentlich nur seine Ruhe, aber hier geht die Arbeit oft nahtlos weiter: Essen zubereiten, Saubermachen, Gartenarbeit, sich um Haus und Kinder kümmern. All diese Arbeiten kosten die Deutschen eine Menge Zeit. Dem Statistikportal Statista zufolge sind es bei Frauen 164 Minuten, bei Männern 90 Minuten pro Tag, wobei Familien und Paare länger damit beschäftigt sind als etwa Senioren und Singles.

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Aber vieles davon macht keinen Spaß, im Gegenteil, es stiehlt wertvolle Lebenszeit, in der man gemeinsam etwas Schönes unternehmen könnte. Und es produziert eine Menge Konflikte in der Partnerschaft, die bis zur Scheidung führen können. Anstatt wieder darüber zu streiten, wer den Flur saugt, liefe das Familienleben nicht runder, wenn wir den Job einfach outsourcen würden?

          Zumindest legen einige Studien aus Amerika das nahe. In einem Arbeitspapier haben Wissenschaftler der Harvard Business School zusammen mit der Universität British Columbia die Frage untersucht, ob der Zukauf von zeitsparenden, externen Haushaltsdienstleistungen Beziehungen verbessern kann. Die Studie, für die mehr als 4000 Personen in festen Paarbeziehungen befragt wurden, zeigt: Diejenigen, die mehr Geld für zeitsparende Haushaltsdienstleistungen ausgaben, waren zufriedener mit ihrer Beziehung. Zum einen, weil sie mehr schöne Aktivitäten mit dem Partner unternehmen konnten, zum anderen, weil es weniger Gründe zum Streiten gab.

          Ein Puffer für Stressspitzen

          Natürlich verdienen nicht alle Menschen genug, um andere für sich die Hausarbeit machen zu lassen. Andererseits machen es Plattformen wie www.helpling.de und www.betreut.de immer einfacher, eine bezahlbare und auch legale Unterstützung für den Haushalt zu finden. Der Untersuchung zufolge helfen solche Dienstleistungen besonders dabei, die Paare vor unkontrollierbaren Stressfaktoren wie hoher, unerwarteter Arbeitsbelastung im Job zu schützen, die sich negativ auf Beziehungen auswirken. Eine Art Puffer für Stressspitzen also.

          Das mag nicht überraschen: Wer zu wenig Zeit zum Entspannen hat, weil die Arbeit im Büro und Zuhause kein Ende nimmt, fühlt sich unwohler und unglücklicher, das kann sogar zu Depressionen führen und die körperliche Gesundheit beeinträchtigen. Im Umkehrschluss verbessert es unser Wohlbefinden, wenn wir einen Teil unseres Einkommens dafür verwenden, uns von lästigen Tätigkeiten freizukaufen, und so mehr Freizeit zur Verfügung haben. Das ist das Ergebnis einer Studie, die in der amerikanischen Wissenschaftszeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ veröffentlicht wurde. Ein paar Aufgaben jeden Monat für einen Betrag von 100 bis 200 Dollar (85 bis 170 Euro) outzusourcen, könne demnach die Lebenszufriedenheit deutlich erhöhen. Das Ergebnis basierte auf Umfragen unter 6000 Personen aus den Vereinigten Staaten, Kanada, Dänemark und den Niederlanden.

          Die Resultate hielten selbst dann stand, wenn man sie für die Variable Einkommen kontrollierte. Es scheint also nicht so zu sein, dass das Kaufen von Zeit nur ein Indikator für Reichtum ist, der dann wiederum zufriedener macht. Tatsächlich fanden die Wissenschaftler heraus, dass gerade in den unteren Einkommensgruppen eine starke Korrelation zwischen der Zufriedenheit und dem Kaufen von freier Zeit bestand.

          Um sicher zu gehen, dass das Kaufen von freier Zeit zu größerer Lebenszufriedenheit führt, machten die Forscher ein Experiment: In der Versuchsanordnung bekamen die Teilnehmer an zwei aufeinander folgenden Wochenenden jeweils 40 Dollar (34 Euro). An einem dieser beiden Wochenenden wurde ihnen per Zufallsauswahl aufgetragen, das Geld für etwas auszugeben, das ihnen Zeit spart (wie Essen zu gehen anstatt selbst zu kochen). Am anderen Wochenende durften sie mit dem Geld nur einen Gegenstand kaufen, der ihnen nicht mehr Freizeit verschaffte (etwa ein neues T-Shirt).

          Man kann es auch übertreiben

          „Geben die Leute die 40 Dollar zum Zeitsparen aus, berichten sie, dass sie bessere Laune haben und sich weniger gestresst fühlen“, sagt Ashley Whillans, Assistenzprofessorin an der Harvard Business School, die die Studie zum Tradeoff zwischen Zeit und Geld und diejenige zur Auswirkung von zeitsparenden Dienstleistungen auf Paarbeziehungen verfasst hat. „Aber man muss auch zur Kenntnis zu nehmen: Selbst wenn es das Wohlbefinden verbessern kann, ein wenig Geld fürs Zeitsparen auszugeben: viel dafür auszugeben, hat bisweilen sogar einen gegenteiligen Effekt.“

          Man kann es also übertreiben: Whillans und ihre Kollegen fanden heraus, dass sich das Wohlbefinden maximieren ließ, wenn 100 bis 200 Dollar pro Monat auf zeitsparende Dienstleistungen verwendet wurden. Gaben die Leute allerdings mehr aus, verringerte sich das Wohlbefinden wieder.

          Ein möglicher Grund: Wer zu viele Arbeiten abgibt, verliert an Kontrolle; er fühlt sich, als könne er nichts mehr selbst tun, seine Umgebung nicht aktiv mitgestalten. Ein anderer: Neben der Putzfrau noch den Gärtner und die Haushaltshilfe zu koordinieren wird komplizierter und erzeugt wieder neuen Stress. In einer anderen Arbeit fand Whillans zudem heraus, dass es ein schlechtes Gewissen bei manchen Menschen auslösen könne, unliebsame Arbeiten anderen aufzubürden – selbst wenn man sie dafür bezahlt.

          Schlechtes Gewissen hin oder her, wenn man sich mit gut 100 Euro im Monat auf lange Sicht den Scheidungsanwalt spart, ist das Geld sicher gut angelegt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.