https://www.faz.net/-hbv-9h84j

Das liebe Geld : Eine kleine Geschichte der Geldfälschung

  • -Aktualisiert am

Ein falscher 300-Euro-Schein (oben) sowie eine Fälschung der neuen 50-Euro-Serie. Bild: dpa

Seit es Geld gibt, wird es gefälscht. Am niederträchtigsten gingen die Nationalsozialisten zu Werke.

          Der Auftrag, den Alfred Naujocks 1940 erhielt, war speziell, aber Naujocks war stets ein Mann für spezielle Aufträge gewesen. Bereits mit 20 Jahren trat er in die SS ein, machte dort rasch Karriere als brutaler und skrupelloser – ergo: talentierter – Terrorist. Naujocks hatte schon ein Jahr zuvor Weltgeschichte geschrieben: Als er mit einigen SS-Männern einen Scheinüberfall auf den Sender Gleiwitz startete, lieferte er dem nationalsozialistischen Regime den Vorwand für den Einmarsch in Polen. Auch der Auftrag, den Naujocks 1940 annahm, war kriegswichtig. Er musste Papier herstellen, er brauchte Druckfarben, Maler, Drucker, Lithografen, Graveure, Schriftsetzer und Bankexperten. Er sollte nämlich Geld fälschen.

          Alles diente dem Kriegsziel: Naujocks sollte englische Pfund-Noten fälschen, um die Wirtschaft des Kriegsgegners England mit Falschgeld zu überfluten und sie so in die Knie zu zwingen. Die Idee, eine Wirtschaft zu zerstören, indem man sie mit Falschgeld überflutet, schreibt der britische Ökonom John Maynard Keynes dem Sowjet-Diktator Lenin zu. Dieser habe gesagt, dass es keine elegantere Methode gebe, eine Gesellschaft zu zerstören, als ihre Währung zu ruinieren. Möglich, dass hier auch noch die Erfahrungen der frühen 1920er Jahre eine Rolle gespielt haben, als die Hyperinflation die deutsche Nation „so hasswütig, so hitlerreif“ gemacht hat, wie es der Autor Stefan Zweig formulierte.

          Die Blüten, die Naujocks herstellen ließ, waren erschreckend gut. Aber nur wenige dieser Blüten gelangten in den britischen Wirtschaftskreislauf – nicht das Fälschen war das Problem, sondern das Einschleusen nach England. Im April 1945 versenkten SS-Leute Blüten im Nennwert von 70 Millionen Pfund im Toplitzsee im österreichischen Salzkammergut.

          Die Blüten waren erschreckend gut

          Naujocks war nicht der erste Geldfälscher, der politische Ziele verfolgte: Die Briten bedienten sich bereits Ende des 18. Jahrhunderts dieser Methode der wirtschaftlichen Kriegsführung und schleusten gefälschtes Geld nach Frankreich. Später sollte Napoleons Finanzminister Joseph Fouché Falschgeld nach London, Moskau und Wien schicken. Und 1927 brachte eine Truppe von Exil-Georgiern gefälschte Rubel in Umlauf, mit dem Ziel, das Sowjetreich zu destabilisieren. Eine schwache Sowjetunion, so das Kalkül, hätte georgischen Unabhängigkeitsbestrebungen wenig entgegenzusetzen. Inwieweit die Fälscher dabei Unterstützung aus den Kreisen der Reichswehr und der Ölbranche erhalten hatten, bleibt unklar. Erfolgreich waren sie nicht. Gerade einmal 12 000 Scheine sickerten in den Geldkreislauf, dann wurden die Fälscher erwischt.

          Auch heute noch gibt es Staaten, die sich als Geldfälscher betätigen, vor allem Nordkorea eilt ein Ruf voraus. Seit Jahren kursieren sogenannte Super-Dollars, gefälschte 100-Dollar-Noten von außergewöhnlicher Qualität, von denen behauptet wird, dass sie aus nordkoreanischen Fälscherwerkstätten kommen. Allerdings wird auch dem amerikanischen Geheimdienst CIA vorgeworfen, dass er selbst diese Noten druckt, um damit am Kongress vorbei verdeckte Operationen in internationalen Krisengebieten zu finanzieren.

          Den meisten Geldfälschern in der Geschichte geht es allerdings weniger um politische oder moralische Motive, sondern mehr um den raschen Gewinn. Zumeist sind sie knapp bei Kasse, wie beispielsweise Peter Ritter von Bohr, der im 19. Jahrhundert beschloss, sein eigenes Geld zu drucken. Er tat das so kunstfertig, dass die damalige österreichische Nationalbank kurz davor stand, ganze Banknotenreihen einzuziehen. Als aber seine Frau eine sündhaft teure Uhr mit Falschgeld bezahlte, flog Bohr auf, er und seine Frau wurden verurteilt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Mordfall Lübcke : Die Falle der AfD

          Die AfD ist an Scheinheiligkeit nicht zu überbieten. Die Krokodilstränen über den Tod eines Repräsentanten des „Systems“, das sie aus den Angeln heben will, kann sie sich sparen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.