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Discounter : Kaufland zieht in den Preiskampf mit Aldi

Hochwertig? Eine Quengelkasse bei Kaufland Bild: Picture-Alliance

Kaufland und die anderen Discounter unterbieten ihre Preise immer weiter. Dabei hat die Handelskette eigentlich etwas ganz anderes vor.

          Mit Red Bull hat der Krieg angefangen. Der Energy-Drink stand im April plötzlich bei Aldi im Regal, und das zu einem sehr attraktiven Preis. Eine Provokation für den Dauerrivalen Lidl, der traditionell viel mehr Markenartikel im Sortiment hat als Aldi. Seither liefern sich die Discounter Preisschlacht um Preisschlacht, und auch das Lidl-Schwesterunternehmen Kaufland mischt kräftig mit. Markenartikel, die Aldi neu aufnimmt, von Lenor bis Hohes C, werden sofort billiger angeboten. Dauerhaft, wie die Kaufland-Werbeanzeigen versprechen.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          So dreht sich die Spirale weiter. Beispiel Balisto-Riegel: Den Aldi-Preis von 1,99 Euro unterbot Kaufland deutlich mit 1,59 Euro. Jetzt kosten die Schokoriegel auch bei Aldi nur noch 1,59 Euro. Zum Wochenanfang startet Kaufland die nächste Runde mit weiteren Kampfpreisen. Flammkuchen und Pizza von Wagner kostet vom 20. Juli an nur noch 2,29 Euro statt 2,69 Euro, Bahlsen-Butterkekse sind für 99 Cents statt 1,29 Euro zu haben, und der Preis für Paulaner Weißbier sinkt von 85 auf 69 Cent.

          Die Verbraucher können sich freuen, die Markenartikler dagegen müssen tief durchatmen. Ihnen wird mit solchen Preiskämpfen die Chance verbaut, ab und zu mit richtig tollen Sonderangeboten Aufmerksamkeit zu erregen. Solche Schmerzen sind durchaus kalkuliert. „Wir wollen, dass der Industrie klar ist, dass es von uns eine Gegenreaktion gibt, wenn Aldi bedient wird“, sagte Klaus Gehrig im Gespräch mit dieser Zeitung: „Mal sehen, wer den längeren Atem hat.

          Viertgrößter Lebensmittel-Händler der Welt

          Wenn Gehrig so etwas sagt, hat das Gewicht. Der 67 Jahre alte Vollbluthändler leitet die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören. Mit zuletzt 79,3 Milliarden Euro Umsatz ist das Stiftungsunternehmen mit Sitz in Neckarsulm der viertgrößte Lebensmittelhändler der Welt, nach Walmart, Costco und The Kroger Co, allesamt amerikanische Konzerne.

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          Der Preiskampf kommt für Kaufland eher ungelegen, denn das Unternehmen ist gerade dabei, ein neues Profil zu entwickeln. „Niedrige Preise sind selbstverständlich“, sagt Frank Lehmann, der seit 2013 Kaufland führt. Sie reichen aber nicht aus, noch mehr Kunden anzulocken. In Europa ist der Umsatz zuletzt von 19,7 auf 20,3 Milliarden Euro gewachsen. Das sind nicht die Wachstumsraten, die man im Schwarz-Imperium für gut hält. Die Ergebnisse seien schon besser gewesen, sagt Konzernchef Gehrig mit hörbarem Unmut in der Stimme. Alles kommt jetzt auf den Prüfstand: Farbgebung und Anmutung der Filialen, die Plazierung, vor allem aber die Sortimentsgestaltung.

          „Der Zwei-Euro-Bauch muss weg“

          Frank Lehmann nimmt das Marmeladensortiment, um das aktuelle Problem zu beschreiben. Das Regal wird dominiert von Produkten mit Preisen um zwei Euro. Rund 10 Prozent seien besonders billig, mit Preisen um einen Euro herum, nur jedes fünfte Glas wird für rund drei Euro gekauft. „Der Zwei-Euro-Bauch muss weg“, sagt Lehmann. Es gebe zu viel Mittelmaß, und natürlich nicht nur bei der Marmelade. „An unseren Bedientheken für Wurst und Käse dürfen keine Wünsche offenbleiben“, gibt Lehmann die Marschrichtung vor.

          „Wir wollen wertiger werden“, lautet die Devise für die gesamte Neuausrichtung mit dem Namen „K2020“, die jetzt gestartet wurde. Das wird wohl bedeuten, dass es auch eine besonders teure Marmeladensorte ins Kaufland-Regal schafft, aber auch eine spezielle Sorte aus der jeweiligen Region.

          Örtliche Spezialisten sollen eine Chance bekommen. Die Kunden schätzen es, wenn die Maultaschen nicht aus der Fabrik kommen, sondern vom allseits beliebten örtlichen Metzger. Die entsprechenden Kontakte zu knüpfen - auch für Nudeln und Milchprodukte, Bier, Saft oder Wein - passt aber eher nicht ins Muster des Zentraleinkäufers, der es gewohnt ist, mit der Industrie Milliardenvolumina zu verhandeln. Regionale Zentralen entstehen daher jetzt in Berlin und Leipzig, in Ingolstadt, Dortmund und Heilbronn.

          Zwei Dutzend der 640 Filialen in Deutschland - die zuletzt einen Umsatz von 13,4 Milliarden Euro erzielten - könnten letztlich ausgemustert werden, weil sie nicht ins zukünftige Konzept passen. „Wir waren der Jäger“, erinnert Kaufland-Chef Frank Lehmann an die Entstehung des Filialnetzes. Etwa die Hälfte der Märkte habe man den Wettbewerbern abgekauft. Teilweise sind sie viel zu groß, räumt Lehmann ein. Großflächen, auf denen man sich wie im Irrgarten fühlt, kommen bei der Kundschaft zumindest in Deutschland nicht mehr so gut an. Für die perfekte Kaufland-Filiale reichen 3000 bis 5000 Quadratmeter, sagt Lehmann. Das Nonfood-Programm wird daher ausgemistet. Fahrradschläuche, Stricknadeln und Aktenordner wird man in Zukunft bei Kaufland eher nicht mehr finden.

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