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Lohnt die Dieselprämie? : So viel Geld können Autokäufer sparen

Feilschen kann genauso gut sein wie eine Dieselprämie. Bild: plainpicture/Maskot

Autohersteller locken mit Rabattaktionen: Wer seinen alten Diesel verschrottet und einen Neuwagen kauft, erhält hohe Prämien. Leider gibt es ein paar Haken.

          Nach dem Dieselgipfel wird so mancher Autofahrer auf die Idee kommen, sich ein neues Auto zuzulegen. Nicht nur, dass die Sorge groß ist, der in die Jahre gekommene Diesel könnte eines Tages aus den Städten verbannt werden. Auch die Hersteller schaffen Anreize. Daimler und BMW werben plakativ mit einer Umweltprämie von 2000 Euro, bei VW sind es sogar 10.000 Euro, die der Kunde erlassen bekommt, wenn er seinen alten Diesel mit Euronorm 1 bis 4 umtauscht in einen Neuwagen. Sollten Dieselbesitzer jetzt schleunigst zum nächsten Autohaus fahren, um von den Angeboten zu profitieren?

          Anna Steiner

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Gemach. Nicht für jeden lohnen sich die Angebote auch nach einer genaueren Überprüfung noch. Wer von den ganz hohen Rabatten profitieren will, muss erst mal gehörig blechen: Bei VW gibt es die 10.000 Euro erst beim Kauf eines Touareg (Listenpreis ab 54.400 Euro). Wenn es auch ein ausländischer Hersteller sein darf: Ford zahlt einen Umweltbonus von 8000 Euro, jedoch ebenfalls erst beim Kauf eines höherklassigen Fahrzeugs ab 40.000 Euro.

          So viel Geld können Autokäufer sparen
          Fahrzeug Rabatt Maximalrabatt*
          VW Up 2.000 € 11.760 € (E-Golf)
          Golf 5.000 €
          Touareg 10.000 €
          Audi A1 3.000 € 11.785 € (Q7 E-Tron)
          A3 5.000 €
          Q7 10.000 €
          Skoda Citigo 1.750 € 6000 € (Octavia Erdgas)
          Fabia 3.000 €
          Yeti 4.000 €
          Seat Mii 1.750 € 8000 € (Alhambra)
          Ibiza 3.000 €
          Alhambra 4.000 €
          Ford Ka+ 1.750 € 9500 € (Mondeo Hybrid)
          Focus 5.000 €
          Edge 8.000 €
          Renault Twingo 2.000 € 7000 € (z.B. Espace)
          Megane 5.000 €
          Espace 7.000 €
          Porsche Viertürer 5.000 € 5.000 €
          Daimler 2.000 € 2000 € + Inzahlungnahme
          BMW 2.000 € + Inzahlungnahme 6000 € (i3)
          Quelle: Hersteller

          Für Gregor Kolbe, verkehrspolitischer Sprecher der Bundesverbraucherzentrale, ist die Sache klar: „Viele Besitzer älterer Diesel kaufen gerade deshalb ältere Autos, weil sie sich keinen Neuwagen leisten können.“ Die sogenannte Umweltprämie wird jedoch nur auf Neuwagen gezahlt. „Die Fahrzeugneupreise sind aber so hoch, dass die Rabatte nur einen Bruchteil der Gesamtsumme ausmachen und der Kunde doch den Großteil selbst finanzieren muss“, rechnet Kolbe vor. „Viele werden daher nicht in den Genuss der Prämie kommen, weil sie es sich schlicht nicht leisten können.“

          Bei Kleinwagen fällt die Prämie entsprechend geringer aus. Ein Beispiel: Für den kleinsten VW, den Up, zahlt der Hersteller 2000 Euro Prämie bei sachgemäßer Verschrottung eines alten Diesels. Neu würde der Kleinstwagen 10.000 Euro kosten. Wenn man nun davon ausgeht, dass bei geschicktem Handeln im Autohaus auf Neuwagen ohnehin meist ein Preisnachlass von zehn bis 20 Prozent durch den Händler gewährt wird, ist der finanzielle Vorteil für den Käufer gering.

          Mit Prämie gibt es den Up für rund 8000 Euro, ohne Prämie mit einem angenommenen Handelsrabatt von 15 Prozent für 8500 Euro. Bei teureren Up-Modellen wie dem Cross-Up gibt es bei gleichbleibenden Bedingungen keinen Preisunterschied mehr. Hinzu kommt, dass man für die Verschrottung derzeit keine Vergütung bekommt. Verbraucherschützer befürchten zudem, dass die Händler auf ihre eigenen Rabatte verzichten und stattdessen mit den Prämien der Autobauer werben. „Das kann dazu führen, dass sich am Preis nicht so viel ändert, weil der normale Handelsrabatt einfach ersetzt wird“, beklagt Kolbe.

          Und auch der Automobilklub ADAC rät zu erhöhter Aufmerksamkeit: „Der Neuwagenkäufer sollte genau darauf achten, ob das Gesamtangebot stimmt.“ Auch der Restwert eines Altfahrzeuges müsse angemessen berücksichtigt werden. Dieser ist angesichts der drohenden Fahrverbote, die auch nach dem Dieselgipfel längst nicht vom Tisch sind, schwer zu berechnen. Eine seriöse Aussage zu einem möglichen Wertverlust für gebrauchte Diesel ist zurzeit nicht möglich. Erst wenn konkrete Details zu etwaigen Fahrverboten vorliegen – sind nur einzelne Städte betroffen, oder wird doch bundesweit die „blaue Plakette“ eingeführt – wird hier Klarheit herrschen.

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