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Versicherungsprobleme : Die Tücken des privaten Car-Sharings

Der Schlüssel zur Spritztour muss nicht immer von einem Mietwagen-Unternehmen kommen. Bild: dpa

Vermiete dein Auto und lass es für dich arbeiten! So werben Car-Sharing-Plattformen, die Privatwagen vermitteln. Doch es will gut gerechnet sein. Und die Autoversicherung hat auch mitzureden.

          Es klingt herrlich: Geld verdienen mit dem Auto, wenn es ohnehin nur ungenutzt herumsteht. Private Car-Sharing-Plattformen wie Drivy, Snappcar, Getaway oder Turo machen es möglich. Das kann tatsächlich eine gute Idee sein, will aber wohl überlegt sein.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wer etwa bei Snappcar die Probe aufs Exempel macht, kann in Frankfurt einen VW Touran am 2. Mai für 37,37 Euro mit 100 Freikilometern mieten. 32,50 Euro sind der reine Mietpreis, jeder weitere Kilometer kostet 15 Cent. Bei Betriebskosten je Kilometer etwa von 18,8 Cent*, ist zumindest jeder Extra-Kilometer für den Vermieter ein Verlustgeschäft.

          Nutzt der Mieter die 100 Freikilometer aus, so betragen die Betriebskosten 18,80 Euro. 25 Prozent des Mietpreises gehen an Snappcar, unter dem Strich blieben also 5,575 Euro. Das ist eine ungefähre Beispielrechnung. Die jeweils zutreffende kann nach Vermietbedingungen, Fahrzeug und Halter ganz anders ausfallen.

          Mehrleistung muss sich rechnen

          Was in dieser Rechnung allerdings fehlt, ist der Verschleiß. Mit einer höheren Kilometerleistung durch die Vermietung ist Ersatz früher notwendig – und der müsste durch die Vermietung hereingeholt werden. Insofern ist gut rechnen angesagt, denn den Mietpreis legen die Anbieter der Fahrzeuge selbst fest. Dabei ist darauf zu achten, dass von diesem die Vermittlungsgebühr abgeht. Die beträgt bei Snappcar und Turo 25 Prozen des Mietpreises, bei Drivy sind es 30 Prozent.

          Was das Geschäft zudem deutlich erschweren kann, ist ein Versicherungsproblem. Wolfgang Schütz, Geschäftsführer des Verivox Versicherungsvergleichs, weist darauf hin, dass viele Autoversicherer privates Car-Sharing in ihren Bedingungen ausschließen.

          Die Car-Sharing-Anbieter bieten daher aber auch eigene Versicherungslösungen an. Turo, Snappcar und Drivy arbeiten mit der Allianz zusammen. Zumindest Turo bietet die Möglichkeit, die Versicherung abzulehnen und dem Mieter die eigene Versicherung zur Verfügung zu stellen. Bezahlt wird die Versicherung in der Regel vom Mieter.

          Wer zahlt im Schadensfall?

          Indes seien auch mit dieser Lösung nicht alle Versicherer einverstanden, sagt Schütz. Diesen fehlt die Rechtssicherheit. Da ungeachtet der Kurzzeitversicherung der Car-Sharing-Plattform die Versicherungsbestätigung des eigentlichen Autoversicherers weiter bei der Zulassungsstelle vorliege, könne am Ende doch eine Leistungspflicht bestehen, fürchten sie.

          Die Anbieter der Car-Sharing-Policen könnten mit der Begründung einer bestehenden Doppelversicherung den Versicherer des Fahrzeughalters in Regress nehmen. Auch Kunden und Unfallgeschädigte könnten weiter den Schaden direkt bei ihrem Versicherer geltend machen. Darauf verlassen, dass die Versicherung des Fahrzeughalters für den Vermietungszeitraum sozusagen außer Kraft gesetzt ist, wollen sich offenbar nicht alle Versicherungsunternehmen ohne Weiteres.

          Allerdings, so Schütz, gebe es auch Versicherer, die privates Car-Sharing als unproblematisch ansehen. Potentielle Vermieter sollten sich bei ihrem Versicherer jedenfalls frühzeitig informieren. „Aktuell kennen wir keine Urteile zu Schadenfällen. Wir sehen aber noch Klärungsbedarf zwischen den Anbietern – auch im Sinne der Autofahrer, die gern das private Car-Sharing nutzen möchten.“

          Die genannten Probleme beziehen sich auf das kommerzielle Leihen von Privat an Privat. Alle Plattformen bieten die Möglichkeit, als gewerblicher Verleiher aufzutreten. Hier gilt eine private Kfz-Versicherung grundsätzlich nicht. Snappcar kooperiert zudem mit Europcar. Kunden des Autovermieters können ihre Fahrzeuge über Snappcar hier sozusagen untervermieten.

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