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Umfrage unter Wählern : Anhänger der AfD und der Linken fürchten höheren Strompreis

Ein Politikum: Die Angst vor ansteigenden Strompreisen wächst bei den Wählern – am meisten fürchten die AfD-Wähler höhere Kosten. Bild: dpa

Die Märkte stellen sich künftig auf noch höhere Strompreise ein. Eine aktuelle Verivox-Umfrage fragt: Was sagen eigentlich die Wähler dazu?

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          Der Strompreis im Großhandel hat den höchsten Stand seit sechs Jahren erreicht – das lässt auch für die Strompreise für Verbraucher nichts Gutes ahnen. Das war für das Internetportal Verivox, das von der Vermittlung günstigerer Stromtarife lebt, Anlass für eine Umfrage. Mit welcher Entwicklung beim Strompreis rechnen die Menschen – und wie hängt das mit ihrer politischen Einstellung zusammen? Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier habe im Vorfeld zum Netzgipfel am 20. September, bei dem Vertreter von Bund und Ländern mit Netzbetreibern über den Stromnetz-Ausbau diskutieren sollen, „bezahlbaren Strom für alle“ gefordert“. „Doch die Verbraucher stellen sich auf steigende Preise ein.“

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mehr als die Hälfte der Verbraucher in Deutschland (58 Prozent) gingen der Umfrage zufolge davon aus, dass die Strompreise in Deutschland in den nächsten zwölf Monaten weiter steigen. 44 Prozent erwarten leicht steigende, weitere 14 Prozent stark steigende Strompreise. Ungefähr jeder Vierte (27 Prozent) gab an, sich auf stabile Preise zu verlassen. Nur acht Prozent der Bürger gehen der Umfrage zufolge davon aus, dass Strom in Deutschland auf Jahressicht günstiger werden könnte. Und das, obwohl die Strompreise für Verbraucher schon seit längerem auf einem Rekordniveau sind. Immerhin 46 Prozent der Befragten nannten das Strompreisniveau „nicht mehr akzeptabel“. 56 Prozent empfanden die Stromrechnung als deutliche finanzielle Belastung.

          Ursache in Ökostrom-Umlage

          Beschäftigt hat sich Verivox auch mit der Frage, in welchen politischen Lagern der Pessimimus zur Strompreisentwicklung besonders ausgeprägt ist. Besonders verbreitet ist die Erwartung steigender Strompreisen demnach unter den Wählern der AfD (70 Prozent), gefolgt von Wählern der Linken (69 Prozent), den Grünen (66 Prozent), der FDP (61 Prozent) und der SPD (58 Prozent). Bei den Wählern der Union rechnen 54 Prozent mit teurerem Strom, also etwas weniger.

          In den vergangenen Jahren hatte vor allem die Ökostrom-Umlage (EEG-Umlage) für höhere Strompreise in Deutschland gesorgt. In diesem Jahr nun ist diese Umlage, mit der alternative Stromerzeugung gefördert wird, sogar leicht gesunken. Allerdings reformiert die Europäische Union den Handel mit sogenannten CO2-Zertifikaten, die Unternehmen zum Ausstoß von Kohlendioxid berechtigen. Diese Zertifikate sollen im Zuge einer Reform dieses Systems stärker verknappt werden als ursprünglich geplant.

          Großhandelspreise auf Rekordniveau

          Hintergrund ist der Klimaschutz. Das hat den Preis der Zertifikate zuletzt in die Höhe getrieben, er hat sich innerhalb weniger Monate von 5 auf 20 Euro je Tonne vervierfacht. Weil aber viele Kraftwerke solche Zertifikate für die Stromerzeugung brauchen, ist auch der Strompreis an der Strombörse EEX deutlich gestiegen. Analysten der Großbank HSBC hoben gerade in einer Studie über die Aktie des Energiekonzerns RWE hervor, dass sie im Zuge der Zertifikate-Verknappung mit einem höheren Strompreis rechnen. Sie kommen zu einer Kaufempfehlung für RWE.

          „Tatsächlich gibt es erste Hinweise auf baldige Strompreiserhöhungen“, sagte Mathias Köster-Niechziol, Energiefachmann von Verivox. „Die Großhandelspreise befinden sich auf Rekordniveau, so dass einige Energieversorger angesichts steigender Einkaufspreise unter Druck geraten könnten.“ Aufatmen könnten Verbraucher hingegen bei der EEG-Umlage: „Sie soll laut aktueller Prognosen im nächsten Jahr stabil bleiben.“

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