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Benzinpreise : Deutsche Tankstellen verdienen nicht viel

Tankstelle in Frankfurt Bild: Michael Braunschädel

Seit fünf Jahren gibt es in Deutschland jetzt eine „Markttransparenzstelle“ für Benzin. Sind die Preise an den Tankstellen dadurch gesunken?

          Fünf Jahre gibt es sie jetzt, die sogenannte Markttransparenzstelle für Kraftstoffe. Grund genug für das Bundeswirtschaftsministerium, einmal nachzufragen, was das Ganze gebracht hat. Die Idee war einfach: Die Preise von mehr als 14.000 deutschen Tankstellen werden an eine zentrale Datenbank gemeldet, die daraus Daten für Benzinpreis-Apps liefert. Mit denen sollen die Autofahrer einen besseren Überblick bekommen, wo Benzin gerade billig ist – damit der Wettbewerb den Mineralölgesellschaften die Macht nimmt, übertrieben hohe Preise zu verlangen. Aber nutzen die Leute die Benzinpreis-Apps überhaupt? Und wenn ja: Hat das Auswirkungen auf die Preise an den Tankstellen?

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Ministerium jedenfalls berichtet, seit der Einrichtung der Markttransparenzstelle hätten rund 350 Benzinpreis-App-Anbieter wie Clever-Tanken beantragt, diese Daten nutzen zu dürfen. 50 Apps seien jetzt im Einsatz. Manche hätten vorher mit Benzinpreisen gearbeitet, die von Nutzern gemeldet wurden – doch die neuen Daten seien „aktueller und zuverlässiger“.

          In einer repräsentativen Umfrage unter Autofahrern sagten rund zwei Drittel, ihnen seien die Apps bekannt, aber nur ein Drittel gab an, eine heruntergeladen zu haben. Von Letzteren sagten zwei Drittel, die Dienste „ständig“ bis „gelegentlich“ zu nutzen. Nach Ansicht des Ministeriums dürften also mehrere Millionen Verbraucher in Deutschland diese Apps nutzen.

          Österreich lässt Preisänderungen nur einmal am Tag zu

          Die Autofahrer wurden auch befragt, von wie viel Cent Ersparnis sie es überhaupt lohnend finden, Benzinpreise zu vergleichen. Dazu wurden nur Leute ausgewählt, die ihr Benzin selbst bezahlen müssen. Von denen gab ungefähr die Hälfte an, schon bei 5 Cent je Liter Unterschied zum Wechsel zu einer anderen Tankstelle oder einen anderen Zeitpunkt am Tag bereit zu sein. Für ungefähr ein weiteres Viertel seien 10 Cent je Liter Preisersparnis nötig. Tatsächlich tankt laut Umfrage heute ein Viertel der Befragten zu anderen Tageszeiten als früher – etwa 15 Prozent haben seit dem Aufkommen der Apps ihre Tankstelle gewechselt.

          Ob das Benzin in Deutschland durch die Apps wirklich billiger geworden ist, dazu legt sich das Ministerium nicht fest. Es verweist aber auf eine Untersuchung der Regierung in Österreich, derzufolge die Benzinpreise in Deutschland nach Abzug der Steuern beziehungsweise hinsichtlich der Margen zu den niedrigsten in Europa zählten; für Österreich selbst gelte das nicht. Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil Österreich einen anderen Weg der Benzinpreis-Regulierung gegangen ist und Preisänderungen nur einmal am Tag zulässt, stets um 12 Uhr. Das hatten manche auch für Deutschland schon gefordert.

          Leute tanken wirklich, wenn es günstig ist

          Zum Ferienbeginn und jeweils am Freitag seien heute, anders als noch in den Jahren 2008 bis 2011, keine höheren Benzinpreise mehr feststellbar, schreibt das Ministerium. Dafür schwankten die Preise stärker im Tagesverlauf. Früher gab es an einer Tankstelle im Durchschnitt 1,2 Preiserhöhungen und 3,6 Senkungen am Tag, nun 3,1 Erhöhungen und 7,4 Senkungen.

          Die Muster der Benzinpreisänderungen im Tagesverlauf hätten sich mehrmals verändert. Vor Mitte 2015 fielen die Preise, ausgehend von hohen Preisen in der Nacht, kontinuierlich auf ein Minimum gegen Abend, bevor sie mit einer großen Preiserhöhung wieder auf das nächtliche Ausgangsniveau stiegen. Von Sommer 2015 an konnte unter anderem eine zusätzliche Preiserhöhung gegen Mittag beobachtet werden. Im April 2017 kam eine weitere Preiserhöhung gegen 17 Uhr hinzu. Zuletzt habe sich Anfang 2018 die drastische Preiserhöhung, die bis dahin in den späten Abendstunden zu beobachten war, zum Teil auf den frühen Morgen verlagert. Eher günstig tankten Autofahrer weiterhin mittags gegen 12 Uhr und am frühen Abend etwa zwischen 19 und 20 Uhr.

          Bleibt eine Frage übrig: Bieten die Mineralölgesellschaften das Benzin jetzt nur zu den Zeiten am Tag billig an, zu denen sowieso keiner tankt, weil alle mit Essen, Fernsehen oder Ausgehen beschäftigt sind? Oder tanken die Leute, umgekehrt, doch überwiegend zu den billigen Zeiten? Das Ministerium erwähnt, dass der Ökonom Justus Haucap sich damit beschäftigt hat. Auf Anfrage sagte Haucap: „Das Zweite ist der Fall – die Leute nutzen die Preistäler intensiv und tanken, wenn es günstig ist.“ Und zwar zunehmend, seit es Markttransparenzstelle, Apps und eine entsprechende Berichterstattung in den Medien gebe. Vorher seien nur 29 Prozent aller Benzinmengen an einer Tankstelle zu den 10 Prozent günstigsten Preisen getankt worden, danach 37 Prozent. Der Anteil zu den 20 Prozent günstigsten Preisen sei von 44 auf 54 Prozent gestiegen, der Anteil zu den 25 Prozent günstigsten Preisen von 50 auf 59 Prozent. „Besonders teuer ist es nachts, nach 21 Uhr“, sagt Haucap, „aber da tanken auch am wenigsten Leute.“

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