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Digital bezahlen : Deutsche Banken gegen Paypal

Deutschlandzentrale von Paypal in München. Banken und Sparkassen wollen jetzt ein eigenes Online-Bezahlsystem anbieten. Bild: Imago

Die deutsche Kreditwirtschaft will ein eigenes Online-Bezahlverfahren entwickeln. Denn Paypal dominiert den Markt. Der Name steht schon fest: Pay Direkt. Wir erklären, wie es funktionieren soll.

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          Wer im Internet einkaufen will, sammelt seine Bücher, Hotelzimmer oder Schuhe in einem virtuellen Warenkorb. Am Ende geht es dann wie fast immer im Leben ums Bezahlen. Da hat der Online-Kunde die Wahl, ob er seinem Online-Händler via Internet seine Bankverbindung nennt, ob er die Kreditkartennummer eingibt oder ob er sich bei einer Internet-Zahlungsplattform wie Paypal registriert. Bei Paypal, einen Unternehmen des amerikanischen Internetauktionshauses Ebay, aber bald durch den angekündigten Börsengang eigenständig, haben sich schon 15 Millionen Deutsche angemeldet.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Vergeblich sucht man bisher ein etabliertes Online-Bezahlverfahren, das die deutschen Banken und Sparkassen anbieten. Im vergangenen Sommer haben die privaten Banken und die Genossenschaftsbanken eine Gesellschaft gegründet: die Gesellschaft für Internet und mobile Bezahlverfahren (GIMB). Seither versuchen sie, ein Bezahlverfahren zu entwickeln. Es soll Ende dieses Jahres startbereit sein.

          Datenschutzgarantie zur Abgrenzung von der Konkurrenz

          Nach Informationen dieser Zeitung wird es in etwa so funktionieren: In dem Moment, wo der Online-Käufer seinen Warenkorb auf der Internetseite des Online-Händlers bezahlen soll, erscheint eine weitere Zahlungsmöglichkeit - Pay Direkt. Wer per Mausklick diese Möglichkeit wählt, wird ins Online-Banking-Portal seiner Bank geführt. Dort muss sich der Kunde einmal fürs Online-Bezahlen registriert haben. Dann kann er, ähnlich wie bei Überweisungen, seine Daten in einer gewohnten - und wie die Banken werben: sicheren - Umgebung eingeben und bezahlen.

          Um sich im Gegensatz zu den als „Datenkraken“ verschrieenen Internetunternehmen zu positionieren, versprechen die Banken, die Daten ihrer Kunden nicht für Werbezwecke zu benutzen. Der Online-Händler erhält zudem in seinem System eine Zahlungsgarantie.

          Ob die Banken mit ihrem eigenen Zahlverfahren die Online-Einkäufer überzeugen können, bleibt abzuwarten. Es geht dabei auch um einen Test, wer bei den Leuten mehr Vertrauen genießt: die Banken oder die Internetunternehmen mit ihren Bezahldiensten. Zweifellos hat das Image der Banken erheblich gelitten. Gerade jungen Menschen erscheinen Internetunternehmen sympathischer. Das gilt sogar, obwohl viele die vom Kunden beim Online-Kauf preisgegebenen Daten verwenden, um ihm Werbung zu unterbreiten.

          Paypal ist etabliert, die deutschen Banken dagegen sind spät dran. Mehr als eine Kopie des Bezahlvorgangs von Paypal, das Werben für mehr Datensicherheit und eine angemessene Nutzerfreundlichkeit werden sie nicht bieten können. Erschwerend kommt hinzu, dass die Sparkassen sich bisher noch nicht darauf verständigen konnten, wie sie der von privaten Banken und Genossenschaftsbanken gegründeten Entwicklungsgesellschaft beitreten und wer dafür die Kosten übernimmt. Zudem wacht das Bundeskartellamt aufmerksam, ob die deutsche Kreditwirtschaft durch ein abgestimmtes Verhalten unzulässig unliebsame Konkurrenten wie Paypal vom Markt drängen will.

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