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Leichter Anstieg : Bahn erhöht Preise im Fernverkehr

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Nimmt künftig wieder etwas mehr - der Fahrkartenautomat Bild: dpa

Das Fahren mit der von der Corona-Krise schwer getroffenen Bahn soll wieder teurer werden. Verbraucherschützer kritisieren dies als unpassend.

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          Die Deutsche Bahn hebt die Preise im Fernverkehr leicht an. Im Durchschnitt würden Fahrten um rund 1 Prozent teurer, teilte das Unternehmen mit. Zugleich werde das Angebot um 13.000 Sitzplätze ausgebaut. Geplant sei, bis 2026 insgesamt 8,5 Milliarden Euro in neue und modernisierte Züge zu investieren. Im Gegensatz zu den Fernverkehrsfahrten sollen die Preise für die Bahncard 25 und die Bahncard 50 nicht anziehen. Ab April müssen allerdings die Antragssteller einer Bahncard für Senioren mindestens 65 statt bisher 60 Jahre alt sein. Fahrkarten zum sogenannten Flexpreis verteuern sich im Durchschnitt um 1,5 Prozent, für Streckenzeitkarten und die Bahncard 100 liegt der Aufschlag im Durchschnitt bei 1,9 Prozent.

          Die Preise lägen aber auch nach der Erhöhung weiterhin unter Vorjahresniveau, erklärte die Bahn. Diese hat nicht nur die jüngsten Steuersenkungen weitergegeben. Im Fernverkehr der Bahn war der Steuersatz schon im Zuge des Klimapakets Anfang des Jahres von 19 auf 7 Prozent reduzier worden, wegen der im Corona-Konjunkturprogramm beschlossenen Mehrwertsteuersenkung liegt er aktuell bei fünf Prozent.

          Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisierte die angekündigte Preiserhöhung. Dies passe nicht richtig in die Zeit, sagte der Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. In Zeiten der Corona-Pandemie „gewinnt man die Leute nicht, indem man mehr Geld fordert". Gleichzeitig äußerte Naumann Verständnis für den von der Corona-Krise stark betroffenen Konzern. „Ich kann verstehen, dass die Bahn mehr Geld braucht." Die Züge des Konzerns sind derzeit nur sehr schwach ausgelastet - im September waren in den ICE- und IC-Zügen nach Unternehmensangaben durchschnittlich rund 30 Prozent der Plätze besetzt. Die Corona-Pandemie hat die Deutsche Bahn laut Konzernchef Richard Lutz "in die schlimmste finanzielle Krise seit ihrem Bestehen gestürzt". Im ersten Halbjahr verbuchte die Bahn 3,7 Milliarden Euro Nettoverlust, der Umsatz ging um knapp zwölf Prozent auf 19,4 Milliarden Euro zurück.

          Der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv), Klaus Müller, kritisierte die Preiserhöhung dagegen scharf: "Auf der einen Seite erhält das Unternehmen dieses Jahr eine fünf-Milliarden-Finanzspritze vom Steuerzahler. Auf der anderen Seite werden die Züge immer unpünktlicher, gibt es wenig Kulanz für die Kunden, versagt die Bahn bei der Digitalisierung." Er monierte, dass die Bahn "nun ausgerechnet die treuesten Kunden zur Kasse bittet, in dem sie Flexpreise, Streckenkarten und die Bahncard 100 teurer macht".

          Auch im Regionalverkehr werden einige Preise erhöht. Für rund 20 Prozent der Nahverkehrskunden werden diese zum 13. Dezember um durchschnittlich 1,5 Prozent steigen. Die Erhöhung betrifft nur Verbindungen außerhalb von Verkehrsverbünden oder Landestarifen. Gelegenheitsfahrer werden stärker belastet als Stammkunden: Einzeltickets kosten künftig 1,9 Prozent mehr, Zeitkarten 1,4 Prozent. Zum Tarifverband gehören neben DB Regio die Transdev-Gruppe, Abellio, Benex, National Express und Netinera.

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