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Lotería de Navidad : Der Reiz der sechs Richtigen

Ein Mann schaut in Madrid Lose für die traditionelle spanische Weihnachts-Lotterie an. Bild: dpa

Morgen beginnt die traditionelle spanische „Lotería de Navidad“. Schon die alten Chinesen haben Lotto gespielt. Warum fasziniert uns das?

          5 Min.

          Noch ein Tag, dann geht der Wahnsinn wieder los. Am 22. Dezember um 9 Uhr beginnt die Ziehung der Gewinne der spanischen „Lotería de Navidad“ – der Weihnachtslotterie. Atemberaubende 2,38 Milliarden Euro gehen nach der Auslosung im Teatro Real, dem Opernhaus Madrids, an die glücklichen Gewinner. 70 Prozent der Spanier nehmen an der Lotterie teil, was die Auslosung zu einem nationalen Ereignis werden lässt. Traditionell verkünden zwei Schüler des Colegio San Ildefonso die Nummern der Gewinnlose singend.

          Inge Kloepfer

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Der Hauptgewinn beträgt vier Millionen Euro, er wird insgesamt 170 mal verlost. „El Gordo“ nennen die Spanier diesen Hauptgewinn, zu Deutsch: „der Dicke“. Es gibt insgesamt 100.000 Lose, und von jedem Los wiederum 170 Serien, die Preise jeder Gewinnklasse werden also immer 170-mal ausgezahlt. Weil ein Los sehr teuer ist, bilden sich vielfach Tippgemeinschaften. Die Lose, auch das gehört zum vorweihnachtlichen Ritual, muss man sich an einer der Tausenden Verkaufsstellen im Lande beschaffen.

          Längst ist die „Lotería“ auch im Ausland bekannt. Denn die spanische Weihnachtslotterie ist die größte der Welt. Lotto gespielt wird allerdings schon lange, seit sage und schreibe 2200 Jahren.

          Die Anfänge des Lottos führen weit aus Europa hinaus nach Ostasien. Dort wurde im alten China zur Zeit der Han-Dynastie das Glücksspiel erfunden. Die Erfindung geht auf den notorischen Geldbedarf des chinesischen Staates zurück, der damals in viele kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt war. Der Legende nach soll ein chinesischer General in den Anfangsjahren der Han-Dynastie zwischen 205 und 187 vor Christus das Lottospiel nur deshalb erfunden haben, weil sich seine Kriegskasse nach jahrelangen Kämpfen erschöpft hatte.

          In China erfunden

          Die Bevölkerung allerdings weigerte sich, die Kriegslust des Generals mit weiteren Abgaben zu finanzieren. Das machte ihn erfinderisch. Angeblich ersann er die Urform des Keno, eines Glücksspiels, das nicht wie das Lotto der heutigen Zeit auf der Auswahl bestimmter Zahlen aus einer Grundgesamtheit basiert. Damals wurde stattdessen auf der Basis von 1000 Schriftzeichen gespielt. Dies war alsbald so beliebt, dass sich das Spiel über das gesamte Reich ausdehnte und der Legende nach Jahre später noch half, den Bau der Chinesischen Mauer zu finanzieren.

          Dabei machten sich schon die Herrscher im alten China zwei menschliche Eigenarten zunutze, die wesentlich zum Erfolg des Lottospielens in unterschiedlichen Epochen und auf allen Kontinenten beitragen: die Sehnsucht nach anstrengungslosem Reichtum und die Freude an den Unwägbarkeiten des Zufalls. Beides währt ein Menschenleben lang.

          Nicht nur im alten China wurde Lotto zum Massenphänomen. 200 Jahre später wurde die Lotterie im alten Rom unter Kaiser Augustus zu einem großen Erfolg. Wieder ging es darum, eine neue Einnahmequelle für die dringenden Renovierungsarbeiten in der Ewigen Stadt zu finden, deren Bewohner nicht mehr gewillt waren, noch höhere Steuern zu zahlen. Auf recht bizarre Weise wurde später unter dem exzentrischen Kaiser Elagabal Lotto gespielt, der im Jahr 218 den Thron bestieg und bis zu seiner Ermordung im Jahre 222 herrschte. Er gab Lose aus, deren Gewinn nicht immer Geldmünzen, sondern auch Schlangen oder Sklaven waren.

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