https://www.faz.net/-hbv-7zr7f

Vorbild Handy-Vertrag : Die Waschmaschine mit Waschmittel-Abo

Eine Miele-Waschmaschine in einer Ausstellung. Bild: ddp

Es ist wie beim Handy: Die Waschmaschine kostet weniger - dafür kommt ein monatliches Waschmittel-Abo dazu. Das lohnt sich nicht für jeden.

          3 Min.

          Das sieht nach einem echten Schnäppchen aus: Im aktuellen Hausgeräteprospekt des Handelskonzerns Karstadt findet sich eine Miele-Waschmaschine für 599 Euro. Selbst in den billigsten Internetshops ist das Modell „WDA 110 WCS“ nicht für weniger als 748 Euro zu haben. Wie schafft es Karstadt, einen Preis anzubieten, der 20 Prozent unter dem der Online-Konkurrenz liegt?

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ein genauerer Blick auf das Prospektangebot zeigt: Es handelt sich um einen Perfectcare-Preis, der ein Waschmittel-Abonnement beinhaltet. Zwei Jahre lang liefert Miele Reiniger für Weiß- und Buntwäsche ins Haus, gegen Bezahlung natürlich. Ohne „Perfectcare-Vertrag“, so werden die potentiellen Kunden in kleinerer Schrift aufgeklärt, ist der Waschvollautomat für 799 Euro zu haben. Das liegt schon deutlich näher an der Preisempfehlung des Herstellers von 849 Euro.

          Bisher nur bei Miele

          Solche Rabatte kommen deutschen Kunden nicht von ungefähr sehr bekannt vor. In der Telekommunikationsbranche sind sie seit Jahrzehnten üblich, in weitaus extremerer Ausformung. Handys werden gerne für einen Euro unters Volk gebracht. Doch dieses Beinahegeschenk erhalten nur Kunden, die gleichzeitig einen zweijährigen Mobilfunkvertrag abschließen, mit dem zusätzliche Kosten verbunden sind.

          Mit dem Perfectcare-Programm geht Miele nun ähnliche Wege. Überraschend allerdings, dass ausgerechnet der traditionsreich-konservative Gütersloher Familienkonzern diese Premiere wagt. Miele hat sich in vielen Jahrzehnten einen Ruf als Unternehmen erarbeitet, das langlebige Maschinen produziert - und sich diese Qualität auch gut bezahlen lässt.

          Noch vor sieben Jahren verkündete ein Sprecher, man habe seit der Gründung 1899 auf Preisaktionen verzichtet. „Rabatte verärgern die Kunden, die keinen kriegen.“ Und irgendwann wisse niemand mehr, was ein angemessener Preis für die eigene Leistung sei.

          Das Waschmittel kostet 269 Euro

          Doch in der Hausgeräteindustrie wird inzwischen mit harten Bandagen gekämpft. „Andere Hersteller liefern sich etwa bei den Waschmaschinen und den Geschirrspülern Preisschlachten, mit deren Folgen auch Miele umzugehen hat“, sagt Frank Jüttner, Chef der Miele Vertriebsgesellschaft Deutschland.

          Darauf reagiere man aber gerade nicht mit einem marktschädigenden Preisverfall. Sondern mit Vermarktungsaktionen, die auf zusätzlichen Kundennutzen in Kombination mit einem verbesserten Preis-Leistungs-Verhältnis abzielten.

          Ob ein Waschmaschinenkäufer im Perfectcare-Programm tatsächlich von einem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis profitiert, muss jeder für sich entscheiden. Den eingesparten 200 Euro für die Maschine stehen zusätzliche Ausgaben von 269 Euro für Waschmittel gegenüber.

          Für diese Summe liefert Miele innerhalb von zwei Jahren sechs Packungen Vollwaschmittel „Ultrawhite“ und 14 Packungen des Flüssig-Colorwaschmittels „Ultracolor“. Dieses Gesamtpaket soll laut Unternehmen für insgesamt 672 Waschgänge reichen und den durchschnittlichen Bedarf eines Drei- bis Vier-Personen-Haushalts abdecken. Im Schnitt kostet damit also das Waschmittel für eine Maschinenladung 40 Cent.

          Das Waschmittel kommt von Dalli

          Verglichen mit den Waschmitteln eines Discounters, ist das ein stolzer Preis. Bei Lidl etwa kostet eine Waschladung mit der Hausmarke „Formil“ zwischen 12 (Vollwaschmittel) und 14 Cent (Color). Miele verlangt für sein Miele-Waschmittel also in etwa dreimal mehr. Und liefert auch eine Begründung: Bei „Perfectcare“ handele es sich um sehr hochwertige Artikel, die „ein sehr namhafter Hersteller in enger Abstimmung mit Miele und auf Miele-Geräten exklusiv für Miele entwickelt hat und produziert“. Der Hersteller heißt Dalli. Er produziert unter anderem auch die Aldi-Hausmarke „Tandil“.

          Unter Experten stößt die Miele-Idee durchaus auf Wohlwollen. Von einem innovativen Ansatz spricht der Unternehmensberater Hermann Simon. Entscheidend sei, dass sich Miele von einem Einmalgeschäft - mit der Waschmaschine - zu einem Geschäft mit wiederkehrenden Erlösen - mit den Waschmitteln - wende.

          Voraussetzung ist freilich, dass der Käufer nach Ablauf der zwei Jahre sein Abo nicht kündigt. Dann zumindest wäre es für die Käufer ein echtes Schnäppchen: Mit einem Nettopreis von 69 Euro - 269 Euro minus 200 Euro Geräterabatt - über zwei Jahre unterbietet das Miele-Waschmittel preislich noch die deutschen Discounter. Ob Miele dann auf seine Kosten kommt, steht auf einem anderen Blatt.

          Die Waschmaschine für einen Euro?

          Zunächst soll das Kombiprojekt Maschine-Waschmittel bis April laufen. Außer der Waschmaschine wird auch ein Geschirrspüler verbilligt angeboten. Miele konzentriert sich zunächst auf Geräte im Einstiegsbereich. Eine spätere Ausweitung sei nicht ausgeschlossen.

          „Die Idee wurde vor längerer Zeit intern geboren“, berichtet Vertriebschef Jüttner. „Pate stand in gewisser Weise die Mobilfunkbranche.“ So weit wie die Telekomindustrie will der Hausgerätehersteller allerdings nicht gehen. Auf die Frage, ob es vorstellbar sei, auch Hausgeräte künftig für einen Euro anzubieten, antwortet der Vertriebsmanager: „Für Miele nicht.“

          Zumal man erst einmal Erfahrungen sammeln will. Die Resonanz sei zwar überwiegend positiv, aber viele Händler und auch Endkunden stünden dem Konzept derzeit skeptisch gegenüber. Hier gelte es, weitere Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit zu leisten. Das dürfte auch dringend notwendig sein: Alleine mit dem Schnäppchenargument hat schon manches Unternehmen seine Marke kaputtgemacht.

          Weitere Themen

          Weltgrößter Börsengang erfolgreich Video-Seite öffnen

          Aramco-Aktie im Plus : Weltgrößter Börsengang erfolgreich

          Der weltgrößte Börsengang des Ölkonzerns Saudi Aramco ist ein Erfolg: Die Aktien der saudiarabischen Staatsfirma debütierten am Mittwoch mit 35,2 Riyal an der Börse in Riad. Das ist ein Plus von zehn Prozent im Vergleich zum Ausgabepreis.

          Topmeldungen

          Bildungsministerin Karliczek : Die Unterfliegerin

          Bildungsministerin Anja Karliczek gilt als ungeschickt, die Länder wollen sie in der Debatte um Bildungszusammenarbeit sogar ausbooten. Sie macht trotzdem weiter. Ein Porträt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.