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Corona-Krise : Nachfrage nach Bargeld steigt

Abheben am Bankautomaten in einer Filiale in Frankfurt Bild: Patrick Junker

Die Corona-Krise sorgt auch für eine höhere Nachfrage nach Bargeld. Die Bundesbank befürchtet keine Engpässe. Und eine Quarantäne für Geldscheine halten Mediziner für „Unsinn“.

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          Die Bundesbank spürt aufgrund der Coronakrise eine verstärkte Nachfrage nach Bargeld. Bundesbank-Bargeldvorstand Johannes Beermann sagte am Dienstag in einer Pressekonferenz, allein am Montag habe die Nachfrage nach Bargeld in Deutschland rund 0,7 Milliarden Euro über dem durchschnittlichen Wert gelegen. Das sei ein Anstieg, aber nicht in ganz außergewöhnlichem Maße. Normalerweise lägen die täglichen Bargeld-Ein- und Auszahlungen zwischen 1,5 und 3 Milliarden Euro am Tag.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Bundesbank gehe davon aus, dass sich Banken zusätzlich mit Bargeld eingedeckt hätten, weil sie höhere Abhebungen ihrer Kunden erwarteten. So wie die Menschen sich mit Lebensmitteln und anderen Alltagsgegenständen eindeckten, so besorgten sich einige offenbar auch bestimmte Bestände an Bargeld.

          Die Bundesbank befürchte aber keine Engpässe, sagte Beermann: „Unsere Tresore sind gut gefüllt.“ Das Bargeld werde in Deutschland nicht ausgehen. „Die Bargeldversorgung in Deutschland ist sichergestellt“, betonte Beermann.

          „Genug frische Geldscheine“

          Die Bundesbank arbeite für die Bargeldversorgung mit Banken, Sparkasse, Volksbanken und Wertdienstleistern zusammen. Selbst wenn Bankfilialen geschlossen werden sollten, gebe es über die Geldautomaten genug Bargeld. „Wir haben genug frische Geldscheine gedruckt“, sagte Beermann. Man habe mit dem früheren EZB-Präsidenten Mario Draghi sogar Diskussionen darüber gehabt, ob man bestimmte Geldscheine der alten Euroserie aus den Bundesbanktresoren vernichten sollte, habe sich aber zum Glück dagegen entschieden.

          Die 35 Filialen der Bundesbank seien gut aufgestellt. Seit der vergangenen Woche gebe es dort als Vorsichtsmaßnahme auch aufgeteilte Teams („Split Teams“). Zudem werde der Samstag jetzt zusätzlich zum ganz normalen Geldbearbeitungstag gemacht.

          Keine Scheine-Quarantäne

          Von Praktiken, Geldscheine jetzt in Quarantäne zu nehmen, hält die Bundesbank nichts. Aus Amerika war berichtet worden, dass die Notenbank Federal Reserve (Fed) alle aus Asien zurückkehrenden Dollar-Banknoten zunächst für einige Zeit einlagere. Aus China gab es sogar Berichte über eine „Desinfektion“ von Geldscheinen. Die Bundesbank argumentiert, bislang sei kein Fall bekannt, in dem eine Infektion mit dem neuen Coronavirus übern einen Geldschein erfolgt sei.

          Réne Gottschalk, Leiter des Frankfurter Gesundheitsamtes und Infektiologe, sagte, eine Quarantäne von Geldscheinen sei „Unsinn“. Der Hauptübertragungsweg für Corona sei die Tröpfcheninfektion beim Husten oder Niesen, nicht über Oberflächen. Ausschließen sollte man in der Medizin nie etwas, sagte Gottschalk, aber es sei kein Fall bekannt, in dem die Krankheit über Geldscheine übertragen worden sei – „und erst recht nicht über Münzen, die sind aus Metall, und das mögen Viren gar nicht.“ „Ich stelle keine Geldscheine unter Quarantäne, so wenig wie Tische oder Koffer“, sagte Gottschalk.

          In der Finanzkrise hatte die Bundesbank im Nachhinein über auffällige Abhebungen großer Geldscheine an bestimmten Tagen berichtet, vor allem Fünfhunderter. Jetzt räumte Beermann ein, dass unter den zusätzlichen Abhebungen am Montag viele 100- und 200-Euro-Scheine dabei gewesen seien. „In der Finanzkrise hatten wir ja noch 500-Euro-Scheine, die gibt es jetzt ja nicht mehr“, sagte Beermann. Die Abschaffung habe das Zahlenverhältnis der verschiedenen Euroscheine verschoben. Das könne eventuell den etwas höheren Anteil an Hundertern und Zweihundertern erklären.

          Beermann vertrat nicht die Ansicht, dass jetzt in der Coronakrise alle Leute zum bargeldlosen Zahlen übergehen sollten. Die Bundesbank verhalte sich gegenüber den Zahlungswegen neutral. Auch Gottschalk meinte, er werde seinen Gewohnheiten da treu bleiben. „Wenn Sie in die Supermärkte gehen, sehen Sie, dass da weiterhin viele bar zahlen“, sagte Beermann. Im Schnitt verwende jeder 1,2 Mal am Tag Bargeld.

          Drei von vier Zahlungen in den Supermärkten würden auch in diesen Tagen bar erfolgen. „Geld ist im normalen Leben und auch in der Krise unersetzlich“, sagte Beermann. Die Banknoten im Euroraum seien gut vor Verschmutzung geschützt, zudem würden verschmutzte Scheine regelmäßig ausgetauscht. Banknoten zu 5 und 10 Euro seien sogar eigens mit einem Schutzlack gegen Verschmutzung überzogen, weil sie besonders häufig benutzt würden und durch besonders viele Hände wanderten.

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