https://www.faz.net/-hbv-9j5fu

Contracting : Eine Heizung zum Mieten

Neue Heizung gesucht? Bild: Frank Röth

Neue Heizungen sind teuer und machen Arbeit. Es geht auch anders: Eine neue Anlage kann man sich mittlerweile ausleihen. Lohnt sich das?

          3 Min.

          Knapp 70 Prozent aller Heizungen in Deutschland sind älter als 15 Jahre, ein Drittel sogar älter als 20 Jahre. Das ist auf Dauer teuer, denn der Energieverbrauch der alten Anlagen ist deutlich höher als bei modernen. Und unökologisch ist es in Zeiten des Klimawandels auch.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Keiner wird dem widersprechen wollen, doch eine neue Heizung ist auch ganz schön teuer. Mehr als 10.000 Euro mit Einbau kommen da schon mal zusammen. Die sollte man zwar als vorausschauender Immobilienbesitzer aus den Rücklagen zur Verfügung haben. Aber nicht immer ist das der Fall. Manch einer will das Geld zudem lieber für andere Investitionen im Haus zurückhalten.

          Da scheint ein alternativer Weg zur modernen Heizung attraktiv: die neue Anlage zu mieten. Experten sprechen von Heizungs-Contracting. Angeboten wird das von Energieversorgern wie Eon, Innogy oder Stadtwerken, von Installateuren oder den Herstellern von Heizungen. Sie installieren auf eigene Kosten eine moderne Anlage im Keller des Hausbesitzers. Sie übernehmen für die Laufzeit des Mietvertrages – in der Regel zehn bis fünfzehn Jahre – die regelmäßige Wartung, Reparaturen im Notfall, und sie bezahlen den Schornsteinfeger. Am Ende der Laufzeit bauen sie die Anlage wieder ab oder verkaufen sie zum Restwert an den Hauseigentümer.

          Auch für Mieter eine Option

          Der muss sich also um nichts kümmern, ein Rundum-sorglos-Paket. Wie ein Wohnungsmieter, der sich bei jedem Problem an seinen Vermieter wenden kann. Das ist einer der großen Vorteile der Heizungsmiete. Zudem muss man sich anders als beim Kauf nicht in die technischen Details der Anlage einarbeiten. Ein anderer Vorteil: Die Immobilienbesitzer ersparen sich mehrere tausend Euro Investitionskosten. Stattdessen müssen sie dem Heizungsanbieter eine Monatsmiete für die Anlage zahlen. Bei Miete über einen Energieversorger verpflichten sie sich zudem, die Energie für die Laufzeit von ihm zu beziehen.

          Diese Heizungsmiete wurde zunächst für öffentliche Gebäude mit komplizierten Heizungsanlagen, etwa in Schwimmbädern, erdacht. Hier konnten die Contracting-Anbieter ihre Erfahrungen als zusätzlichen Vorteil einbringen. Und die oft verschuldeten Kommunen sparten sich hohe Aufwendungen. Seit einigen Jahren gibt es das Contracting auch für Privatleute.

          Und zwar nicht nur für Immobilienbesitzer. Auch Wohnungsmieter kommen damit zunehmend in Kontakt. Sei es über den Vermieter, sei es über kleinere und mittlere Hausverwaltungen oder die kleine Wohnungsbaugesellschaft, die sich um die Heizung nicht mehr kümmern will. Die Kosten können sie auf die Mieter überwälzen. Dazu müssen die Mieter aber bei laufenden Mietverträgen zustimmen, was viele Vermieter nicht wissen. Die Mieter wiederum wundern sich dann über teilweise höhere Kosten als Folge des Contracting.

          Denn billiger als der eigene Kauf sind Contracting-Angebote nicht. Über die ganze Laufzeit gerechnet, sind sie teurer. Zum einen können die Hausbesitzer nicht die verbilligten Förderkredite der KfW-Bank für Heizungen nutzen und auch nicht die sonst niedrig verzinsten Kredite der Banken. Zum anderen ist die monatliche Gebühr für den Service vergleichsweise hoch angesetzt. Und schließlich verhindert die jahrelange Energielieferung vom Heizungsanbieter, dass der Immobilieneigentümer günstigere Lieferanten auswählen kann. Er muss dann auch Preiserhöhungen akzeptieren, ein Kündigungsrecht hat er nicht – anders als sonst bei Tarifanpassungen. Nur für das erste, manchmal auch noch das zweite Jahr gibt es eine Preisgarantie.

          Lohnt sich das?

          Wie sich das auswirkt, soll das Beispiel Eon zeigen. Der Energieversorger bietet das Contracting bundesweit in vielen Regionen an, unter dem Namen Eon Wärme Service. Er installiert Erdgas-Brennwertheizungen der Marken Viessmann oder Vaillant. Die Laufzeit beträgt zehn Jahre. Die Preise werden für jeden Kunden individuell kalkuliert, abhängig von der gewünschten Heizungsanlage und den örtlichen Gegebenheiten. Dazu arbeitet Eon mit lokalen Heizungsbetrieben zusammen, die auch die Installation übernehmen. Eon nennt in einem Musterbeispiel eine Heizungsmiete von 98 Euro für eine Heizung im Wert von 7000 Euro. Da die Heizungen oft teurer sind, muss auch mit höheren Mieten gerechnet werden. Hinzu kommen die Grundgebühr für die Gaslieferung und die verbrauchsabhängigen Gaskosten. Eon hat sie in dem Beispiel mit 16.000 Kilowattstunden im Jahr für die Stadt Hannover kalkuliert.

          Grundgebühr und verbrauchsabhängige Kosten summieren sich in dem Beispiel auf 96 Euro im Monat. Das ist teuer. Günstigster Anbieter ist nach Angaben des Vergleichsportals Verivox derzeit die Gasag mit 69 Euro im Monat. Eon selbst bietet für Kunden, die keine Heizung mieten, einen Tarif von 72 Euro monatlich im ersten Jahr an, danach 86 Euro. Das heißt: Eon verlangt für seinen Wärme-Service im Jahr rund 320 Euro mehr als der preiswerteste Anbieter, über die Laufzeit von zehn Jahren also schon 3200 Euro. Neukundenrabatte, die ein Kunde theoretisch jedes Jahr bei einem Lieferantenwechsel bekommen könnte, erhalten die Heizungsmieter selbstverständlich nicht.

          Contracting lohnt sich also für Vermieter, wenn sie die Kosten auf die Mieter überwälzen können. Mit Instandhaltungskosten für die eigene Heizung geht das nicht. Und für alle anderen ist es vor allem bequem und bietet finanzielle Planbarkeit und die Sicherheit, dass die Anlage möglichst störungsfrei läuft. Aber günstiger ist sicher der eigene Kauf einer Heizung. Wer sich dennoch auf das Contracting einlässt, sollte den Vertrag an einigen Stellen selbst genau lesen oder von einem Anwalt oder Experten der Verbraucherzentralen durchforsten lassen. Wichtige Fragen sind dabei zum Beispiel: Kann der Verbraucher die Heizung frei wählen? Welche Kosten muss er noch tragen, zum Beispiel die Demontage der bisherigen Heizung? Werden die Energiepreise auch gesenkt, wenn der Marktpreis sinkt? Was passiert bei Vertragsende mit der Heizung? Erst wer darauf Antworten hat, kann den Vertrag unterschreiben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein besonderes Tänzchen: Kneissl mit Putin auf ihrer Hochzeit in der Südsteiermark

          Kneissl geht zu Rosneft : Wer mit Putin tanzt

          Einst sorgte Österreichs frühere Außenministerin für Aufsehen, weil sie den russischen Präsidenten zu ihrer Hochzeit einlud. Nun zieht Karin Kneissl in den Aufsichtsrat von Rosneft ein – einem besonderen Unternehmen.
          Die Regierungschefs Dänemarks und Österreichs, Mette Frederiksen und Sebastian Kurz, treffen am 4. März Israels Ministerpräsidenten, Benjamin Netanjahu.

          Frederiksen und Kurz in Israel : Trilaterale Traumfabriken für Impfstoff

          Die Regierungschefs Österreichs und Dänemarks vereinbaren gemeinsame Projekte mit Israel zur künftigen Impfstoffbeschaffung. Netanjahu kommt das im Wahlkampf gelegen – die Reaktionen in der EU sind kühl.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.