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„Cash Back“-Service : Bargeld aus dem Supermarkt

So klein kann ein Geldautomat sein: Kartenlesegerät in einem Supermarkt Bild: Robert Kneschke

Kunden kommen nicht nur am Geldautomaten an Bares. Auch viele Geschäfte und Tankstellen bieten diesen Service an. Doch einen Haken gibt es meist auch hier.

          5 Min.

          Wer kennt das nicht: die Suche nach dem nächsten und möglichst auch noch kostenfreien Geldautomaten, weil im Portemonnaie Ebbe herrscht? In den Innenstädten mag diese Suche noch vergleichsweise rasch zum Ziel und damit zu Bargeld führen, doch in ländlichen Gegenden sieht das bisweilen ganz anders aus. Und bei weitem nicht überall kann man stattdessen auch mit Plastikgeld, also mit seiner Girokarte oder der Kreditkarte bezahlen. Da ist es wenig verwunderlich, dass immer mehr Kunden ein besonderes Angebot des Handels gerne annehmen und bei ihrem Einkauf an der Supermarktkasse gleich noch Bargeld mitnehmen. Bekannt ist dieser Service auch unter dem Namen „Cash Back“. Doch überall klappt das leider noch nicht.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Seit dem Jahr 2003 bietet der Handelskonzern Rewe diesen Service in derzeit bundesweit gut 3300 Märkten an. Damit dürfte das Unternehmen hierzulande der Vorreiter gewesen sein. Seit 2008 ist das Abheben von Bargeld überdies bei dem zum Rewe-Konzern gehörenden Lebensmitteldiscounter Penny in rund 2200 Ladengeschäften möglich. Auch die Baumarktkette Toom macht mit. Einzige Voraussetzung ist ein Mindesteinkauf von 20 Euro. Dann kann sich der Kunde mit seiner Girokarte (ehemals EC-Karte) bis zu 200 Euro in bar auszahlen lassen – und das gratis und grundsätzlich auch mehrmals täglich. Letzteres wird vom Kreditinstitut festgelegt und liegt in dessen Ermessen. Der Kunde muss allerdings die Pin-Nummer seiner Girokarte kennen. Denn nur die Unterschrift auf dem Kassenzettel reicht für das Abheben im Supermarkt nicht aus. An einem Geldautomaten ist das gleichwohl nicht anders.

          Der gewünschte Geldbetrag wird später zusammen mit dem Einkaufswert vom Bankkonto des Kunden abgebucht. Der Supermarkt geht – anders als bei einer elektronischen Lastschrift (Girokarte plus Unterschrift) – kein Risiko ein. Nach der Eingabe der Geheimnummer erfolgt eine automatische Prüfung und Bestätigung der Zahlung durch das kartenausgebende Kreditinstitut. Die Zahlung ist dann garantiert. Der Geschäftsinhaber benötigt dadurch auch keine Erlaubnis für das Betreiben eines Kreditgeschäfts nach dem Kreditwesengesetz. Anders wäre dies beim elektronischen Lastschriftverfahren. Wichtig ist zudem, dass der Kunde kurz vor dem Bezahlvorgang für den Kauf von Waren oder Dienstleistungen ausdrücklich um Bargeld gebeten hat. Ein bestimmter Mindesteinkaufswert ist dagegen gesetzlich nicht vorgesehen.

          Der Supermarkt geht kein Risiko ein

          Der Bargeldservice unterliege dem Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz aus dem Juni 2009, heißt es bei Rewe. Zuvor sei eine Sondererlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht nötig gewesen, um ihn anbieten zu können. Nach Angaben des Bundesverbandes deutscher Banken ist Cash Back in Verbindung mit einem Warenumsatz von mindestens 20 Euro zum Jahresanfang 2013 besser geregelt worden. Damals trat zwischen Banken und Händlern ein Vertragswerk in Kraft, welches das Geldabheben in Supermärkten als Teil des „electronic cash“-Verfahrens (Girokarte plus PIN) festlegt.

          Der Service erfreue sich hoher und noch wachsender Akzeptanz der Kunden, sagt Thomas Bonrath, Sprecher der Rewe-Group, der zugleich für Rewe und Penny spricht. Der Käufer spare sich dadurch den Weg zur Bank oder zum Geldautomaten und vermeide mitunter hohe Gebühren bei Auszahlungen durch „fremde“ Banken. Mit ihrem Angebot werben die Rewe-Märkte auch aktiv, sei es durch die Frage des Kassierenden, über Lautsprecher in den Märkten oder in der wöchentlichen Prospektwerbung. Das Werbegesicht von Rewe ist Fußball-Nationalspieler und Bayern-Star Thomas Müller, der auf Fotos strahlend einen Fächer aus Geldscheinen in die Höhe streckt. Im Jahr 2011 wurde der Bargeldservice von Rewe zunächst durch eine nationale Kampagne mit Fernsehspots beworben – natürlich mit dem berühmten Kicker.

          Andere Supermarktketten bieten die Auszahlung von Bargeld zwar ebenfalls an, zeigen sich jedoch nicht ganz so offensiv. Seit rund anderthalb Jahren ist das Geldabheben auch bei Netto Marken-Discount möglich – in allen rund 4150 Märkten. Auch hier beträgt der Mindesteinkaufswert 20 Euro. Dann können Kunden ebenfalls bis zu 200 Euro kostenfrei an Bargeld mitnehmen, wenn sie das wünschen. Christina Stylianou, Leiterin der Unternehmenskommunikation von Netto Marken-Discount, berichtet darüber, dass die Nachfrage der Kunden hoch sei und der Service positiv angenommen werde. Besonders in ländlichen Regionen seien solche Angebote wichtig. Aktiv angesprochen wird der Kunde bei Netto nicht. Es gibt nur Hinweise in den einzelnen Märkten und Handzettel.

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