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Bundesliga : Was kostet es, Fußballfan zu sein?

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Die Fans des 1. FC Köln kommen am günstigsten auf ihre Kosten. Bild: ddp Images

Im Dortmunder Stadion ist die Bratwurst am günstigsten, in Köln das Trikot und in Wolfsburg die Dauerkarte. Wir haben die Preise in der Bundesliga verglichen.

          Auch Fans des FC Bayern haben ihre Schmerzgrenze: 100 Euro für das billigste Ticket? Zum Champions-League-Spiel bei Arsenal London zeigten die Münchener Auswärtsfans kamerawirksam, was sie von dieser Preispolitik hielten: Demonstrativ kamen sie fünf Minuten zu spät in den Gästeblock. Auf einem Banner stand: „Respect Fans!“ Ohne Fans sei Fußball sowieso keinen Penny wert, hatten andere getextet. Eine Aktion, die auch die traditionell abgemolkenen Arsenal-Anhänger begeisterte. Umgerechnet 1400 Euro kostet beim Londoner Premier-League-Klub die günstigste Dauerkarte, zehnmal mehr als beim deutschen Rekordmeister.

          „Die deutschen Fans können sich im internationalen Vergleich noch glücklich schätzen“, sagt Peter Rohlmann. Der Inhaber der Beratungsagentur PR Marketing ermittelt seit Jahren die Fankosten und hat daraus einen Index entwickelt. Ergebnis: Auch die Bundesligisten drehen – mit unterschiedlicher Intensität – an der Preisschraube: „In den vergangenen sechs Jahren sind die Fankosten um mehr als 13 Prozent gestiegen und damit rund 65 Prozent kräftiger als die allgemeinen Lebenshaltungskosten“, sagt der Marketingexperte aus Rheine. Rohlmann bildet einen Fan-Warenkorb. Darin landen das aktuelle Trikot, die günstigste Dauerkarte, dazu pro Heimspiel eine Wurst und ein Liter Bier. Vor sechs Jahren war dieses Ensemble noch für 397 Euro zu haben, in der laufenden Saison muss ein Fan dafür 451 Euro ausgeben. Wer auch noch die Auswärtsspiele auf sich nimmt, landet inklusive der Fahrtkosten bei gut 2200 Euro im Jahr.

          Stadionwurst um 17 Prozent teurer geworden

          Für die Bundesliga haben die fanbezogenen Einnahmen wachsende Bedeutung: Sie machen heute schon ein Drittel des 2,3 Milliarden Euro großen Erstligaumsatzes aus. Während die Gesamterlöse der Klubs binnen zehn Jahren um 105 Prozent wuchsen, legten die fanbezogenen Einnahmen sogar um 142 Prozent zu. Und das, obwohl zeitgleich auch im Sponsoring und bei den TV-Geldern enorme Steigerungen zu verzeichnen waren.

          Rohlmann spricht von einer „eher vorsichtigen Verteuerung“ bei einem stark steigenden Zulauf, der für die Mehreinnahmen sorgt: Im Fünfjahresvergleich stiegen die Preise für die Stadionwurst um 17 Prozent und für Bier um sieben Prozent. Trikots wurden hingegen um 18 Prozent verteuert, die Dauerkarten in der billigsten Stehplatzkategorie um zwölf Prozent. „Erhebliche Unterschiede gibt es jedoch zwischen den Vereinen.“ So geht bei den Tickets der VfL Wolfsburg als billiger Jakob durch. Die Wurstmeisterschaft teilen sich Schalke und Borussia Dortmund noch, während das günstigste Bier nur der BVB serviert. Die Anhänger des 1. FC Köln und von Darmstadt 98 können am preiswertesten ins Trikot schlüpfen.

          Knifflig bleibt für die Klubs die Frage, wie stark sie ihre Anhänger zur Kasse bitten können, ohne Widerwillen zu erzeugen. Als deutsche Meister der Fanfreundlichkeit können nach der Studie der 1.FC Köln, VfL Wolfsburg und Mainz 05 gelten. „Sie haben in allen Ausgabekategorien die ausgewogensten Preise“, sagt Rohlmann. Während sich Traditionsklubs wie Gladbach, Schalke und Dortmund noch im oberen Feld halten, rangiert Bayern München wenig löblich neben Werder Bremen, dem HSV und Hertha BSC am Tabellenende. „Wenn Fans den Eindruck bekommen, die Liebe zu ihrem Klub werde ausgenutzt und nur noch monetarisiert, beginnt für das Management zeitaufwendige Krisenarbeit“, sagt Rohlmann. Freilich würden bei der Preissetzung auch Ausrüster und Caterer ein Wort mitreden. Den Kurs allerdings geben die Klubchefs vor.

          Der 1. FC Köln gibt sich moderat beim regulären Trikotpreis

          Weniger sei oft mehr, sagt Rohlmann. „Es gilt, die Loyalität und Treue der Fans zu pflegen – auch durch Verzicht auf absolute Margennutzung.“ Als Eintracht Frankfurt mit einem Ausrüsterwechsel 2014 den Trikotpreis von 70 Euro auf den Liga-Spitzenpreis von 85 Euro erhöhte, empfanden das viele Fans als Vertrauensbruch. In Dortmund ging man klüger vor: „Puma wollte dort schon seit Jahren einen höheren Trikotpreis durchsetzen, aber der Klub stand bewusst auf der Bremse“, sagt Rohlmann. Erst jetzt kletterte man beim BVB (Vereinsmotto: „Echte Liebe“) auf 80 Euro, die Bayern nehmen 85 Euro – auch die Hertha aus Berlin geriert sich hier als Spitzenklub. Im internationalen Vergleich langen die Bundesligisten mit einem Trikotpreis von im Schnitt rund 78 Euro deutlich kräftiger zu als die anderen Top-Ligen. England und Spanien liegen bei rund 70 Euro.

          Der 1. FC Köln gibt sich mit 70 Euro moderat beim regulären Trikotpreis – und erzielte dennoch zuletzt einen Rekordumsatz von elf Millionen Euro im Fanartikelverkauf. Der kickende Karnevalsverein versucht mit Sondereditionen wie dem „Fastelovend Trikot“, das 20 Euro über dem Normalpreis liegt, die Nachfrage zu steigern. Geschäftsführer Alexander Wehrle sagt: „Wir versuchen in allen Bereichen die Wünsche und Bedürfnisse unserer Fans zu bedienen.“

          Tickets allerdings sind Mangelware in Köln. Der Heimbereich sei fast immer ausverkauft, beim Vorverkauf kommen oft nur Mitglieder zum Zug. „Bei rund 75.000 Mitgliedern und zirka 16000 Tagestickets für FC-Fans ist es klar, dass die Nachfrage höher ist als das Angebot“, sagt Wehrle. „Mehr Plätze haben wir einfach nicht.“ Wichtig sei ihm, dass der Stadionbesuch für jeden erschwinglich bleibe. „Deshalb bieten wir auch konsequent günstige Stehplatzkarten an.“

          „Leute über günstige Preise ranholen“

          Freilich gelten auch im Fußball die marktwirtschaftlichen Gesetze der Knappheit: Aufsteiger Darmstadt 98 verlangt mit 240 Euro pro Stehplatz-Abo mit Abstand den Rekordpreis – und dennoch waren im kleinen Stadion am Böllenfalltor die verfügbaren 11.000 Dauerkarten in Windeseile vergriffen. Dass ausgerechnet der VfL Wolfsburg die günstigsten Dauerkarten der Liga zum Preis von 130 Euro offeriert, mögen Klubs mit größerer Anhängerschaft höhnisch kommentieren. In Dortmund schmoren allein rund 11.000 Leute auf einer Warteliste für eine Dauerkarte. Der Preis wird da für viele zur Nebensache.

          „Natürlich will man in Wolfsburg über besondere Fanfreundlichkeit und günstige Preise Leute ranholen“, sagt Rohlmann. Dass es nicht genügt, mit Bratwurst und Bier zu ködern, musste auch Wolfsburg-Manager Klaus Allofs erfahren. Einigermaßen zerknirscht kommentierte er den geringen Fanzuspruch bei der Rückkehr des VfL auf die Champions-League-Bühne. Das 1:0 gegen ZSKA Moskau im September wollten nur 20.216 Zuschauer sehen. „Das hat die Mannschaft nicht verdient“, sagte Allofs.

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