https://www.faz.net/-hbv-9kzi5

Schattenwirtschaft : Wer bar zahlt bleibt anonym

  • Aktualisiert am

Fördert Bargeld die Schattenwirtschaft? Die Bundesbank hat dazu eine Antwort. Bild: dpa

Mit Bargeldzahlungen bleibt man anonym. Das nutzen viele nicht nur aus, um bei der Handwerkerrechnung die Mehrwertsteuer zu sparen. Wie stark fördert eigentlich Bargeld die Schattenwirtschaft? Die Bundesbank hat darauf eine Antwort.

          Zahlungen mit Bargeld sind für jeden einfach, sicher, effizient und vor allem anonym. Daher bezahlen die deutschen Verbraucher auch knapp drei Viertel ihrer Einkäufe an der Ladenkasse mit Bargeld. Auf der anderen Seite sind es genau diese Eigenschaften, die das Bargeld auch in den Fokus für illegale Verwendungsmöglichkeiten rückt. Doch Bargeld wird Modellrechnungen der Deutschen Bundesbank zufolge nur zu einem geringen Teil missbräuchlich in der sogenannten Schattenwirtschaft genutzt. Allerdings weist die Notenbank in ihrem am Montag veröffentlichten Monatsbericht zugleich auf die Schwierigkeiten hin, genaue Zahlen zu ermitteln.

          Den Bundesbank-Berechnungen zufolge lassen sich im Durchschnitt etwa 14 Prozent der Bareinzahlungen in Bundesbank-Filialen „indirekt auf die Schattenwirtschaft zurückführen“. Für das Jahr 2015 ergebe sich auf dieser Basis ein Umfang der illegalen Bareinzahlungen von rund 60 Milliarden Euro.Schätzungen zufolge liegt der Anteil von Aktivitäten wie Schwarzarbeit, Schmuggel oder Drogenhandel am deutschen Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen 2 und fast 17 Prozent. In absoluten Zahlen hätte die Schattenwirtschaft damit einen Umfang von etwa 80 Milliarden bis 550 Milliarden Euro.

          In der öffentlichen Diskussion wird immer wieder angeführt, Bargeld befördere die Schattenwirtschaft und diene als Mittel der Verbrechensfinanzierung. Von Obergrenzen für Zahlungen mit Bargeld versprechen sich Befürworter solcher Vorgaben eine Eindämmung illegaler Geschäfte.

          Keine Bargeld-Obergrenze in Deutschland

          Doch die Bundesbank beurteilt solche Obergrenzen skeptisch, ebenso wie das im Zusammenhang mit der Einstellung der Produktion des 500-Euro-Scheins angeführte Argument, große Banknoten würden für illegale Geschäfte oder zur Terrorismusfinanzierung verwendet. Es fehle „weiter am empirischen Nachweis, dass durch Maßnahmen wie die Abschaffung von Banknoten mit hohem Nennwert oder die Einführung von Barzahlungsobergrenzen tatsächlich Steuerhinterziehung und andere kriminelle Aktivitäten effektiv bekämpft werden können“, bekräftigen die Bundesbank-Autoren.

          Bisher haben zwölf EU-Mitgliedstaaten nationale Barzahlungsobergrenzen eingeführt - von 500 Euro in Griechenland bis zu umgerechnet rund 15 000 Euro in Polen und Kroatien. Die EU-Kommission war 2018 zu dem Ergebnis gekommen, dass EU-weite Obergrenzen derzeit keine geeignete Maßnahme im Kampf gegen Terrorismusfinanzierung seien.

          Zum 500-Euro-Schein hatte der Rat der Europäischen Zentralbank Anfang Mai 2016 entschieden, dessen Produktion und Ausgabe „gegen Ende des Jahres 2018“ einzustellen. In der überarbeiteten zweiten Serie der Euro-Banknoten mit verbesserten Sicherheitsmerkmalen wird es keinen 500-Euro-Schein mehr geben. Bei der Bundesbank sind die lilafarbenen Scheine noch bis einschließlich 26. April 2019 zu haben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Des einen Freud’: Der Bund gibt viel Geld für Pensionen aus.

          Beamte im Ruhestand : Die Pensionslasten steigen um 70 Milliarden Euro

          Den Bund kommen die Gehälter und Beihilfen für seine Beamten im Ruhestand immer teurer zu stehen. Inzwischen rechnet er mit einem Betrag von deutlich mehr als 700 Milliarden Euro. Darunter leiden vor allem die Länder.
          FDP-Chef Christian Lindner im ARD-Interview

          TV-Kritik: Sommerinterviews : Nur posieren reicht nicht

          Christian Lindner und Robert Habeck treten in ARD und ZDF gegeneinander an – ohne dabei den jeweils anderen zu erwähnen. Während der FDP-Chef auf eine desinteressierte Fragestellerin trifft, geriert sich der Grünen-Vorsitzende als Schlitzohr.
          Gratulation vom Präsidenten: Emmanuel Macron (links) mit Julian Alaphilippe.

          Hochspannung beim Radsport : Frankreich dreht bei der Tour am Rad

          Was ist nur los bei dieser Tour de France? Alles, was sicher schien, ist ins Wanken geraten. Frankreich hat einen Mann im Gelben Trikot – und einen, der das wichtigste Radsport-Rennen der Welt gewinnen kann.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.