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Neue EU-Richtlinie : Künftig gibt es einen Beipackzettel zum Urlaub

Längere Beratung im Reisebüro: Eine EU-Richtlinie fordert mehr Aufklärung vor der Urlaubswahl. Bild: dpa

Acht Jahre hat die EU an einem kundenfreundlichem Reiserecht gearbeitet. Herausgekommen sind viele überflüssige Vorschriften. Nicht nur die Touristik-Branche ist verärgert.

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          Vor dem Urlaub steht künftig die Bürokratie. Wie beim Abschluss eines Darlehensvertrags für einen Hauskauf bekommen Erholungsuchende ab 2018 standardisierte Merkblätter als Vorablektüre. Mal übergibt der Finanzberater Hinweise für den Kredit in sechsstelliger Höhe, mal händigt künftig der Reiseverkäufer Merkzettel für den 1000-Euro-Urlaub aus. Die neue EU-Pauschalreiserichtlinie, die weit mehr als die Woche im Strandclub regelt, macht Urlaub formaler.

          Timo Kotowski
          (tko.), Wirtschaft

          Das Bundeskabinett hat nun die deutsche Umsetzung auf den Weg gebracht, nach dem Jahreswechsel soll der Bundestag beschließen. Doch wahrlich glücklich ist niemand mehr damit, was Vertreter aus 28 Ländern acht Jahre lang in Brüssel erarbeitet haben.

          Die Pauschalreiserichtlinie gilt in der Urlaubsbranche als Beispiel dafür, dass zu lange an einem Gesetz gearbeitet wurde und dass bei einer Vielzahl von Regelungswünschen das Wesentliche aus dem Blick geriet. Vor der Erholung am Meer steht nun die Zettelflut. Touristiker mäkeln, es sei „Käse“ zu Papier gebracht worden, als es darum ging, mehr Verbraucherschutz für den urlaubenden Durchschnittsbürger festzuschreiben. Der ahnt davon noch nichts – auch nicht davon, dass er im Reisebüro möglicherweise bald gebeten wird, für Flug, Hotel und Mietwagen mehrfach in die Geldbörse zu greifen, um Einzelteile seines Urlaubs separat zu bezahlen.

          Zu viele Detailregelungen

          Norbert Fiebig, der Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV) schimpfte jüngst über Detailregelungen: „So etwas brauchen wir so dringend wie eine dritte Schulter.“ Auch Politiker, mit denen der DRV sprach, merkten erst spät, was als europaweiter Kompromiss auf die Reise durch die Instanzen ging. Gerd Billen, Staatssekretär im Bundesjustizministerium, ist Verfechter eines europaweit einheitlicheren Reiserechts. Auf der Jahrestagung der deutschen Reisebranche räumte er aber ein, dass man auch im Ministerium nicht mehr jeden Detailpunkt erklären kann. Das deutsche Gesetz kommt trotzdem, die EU schreibt sogar vor, dass es ab Juli 2018 gelten muss.

          Sieben Merkblätter muss ein Reisebüro dann für Kunden bereithalten und das jeweils passende übergeben. Es gibt Versionen für Pauschalreisen und andere Arrangements. Wie die Zettel auszusehen haben, ist schon im Entwurf für das dritte Gesetz zur Änderung reiserechtlicher Vorschriften enthalten. Darin finden sich Allgemeinplätze: „Der Reiseveranstalter leistet dem Reisenden Beistand, wenn dieser sich in Schwierigkeiten befindet“, heißt es beispielsweise.

          Auch Billen ist mit den Beipackzetteln nicht glücklich: „Es hilft Verbrauchern nicht, wenn wir immer mehr vor- und nachvertragliche Informationspflichten festlegen. Die Leute lesen diesen Kram nicht“, räumte er ein. „Wenn ich in ein Reisebüro gehe, sage ich nicht, dass ich eine Pauschalreise oder eine verbundene Reiseleistung will.“ Kunden kennen den Unterschied ohnehin nicht. Der Begriff der verbundenen Reiseleistungen war selbst Touristikern bis vor kurzem unbekannt. Er ist eine Neuschöpfung und bezeichnet den Fall, dass ein Reisebüro innerhalb von 24 Stunden einem Kunden mehrere Einzelleistungen wie Flug oder Hotel für dieselbe Gesamtreise verkauft. Dafür gab es bislang keine Bezeichnung, keinen Extra-Verbraucherschutz und keine Vorgaben zum Bezahlen.

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